Malediven – Im Regen dem Untergang geweiht

Ein echter Traumurlaub besteht in den Köpfen der meisten Menschen aus puderzuckerweißen Stränden, kristallklarem Wasser, bunten Tropenfischen, Palmen und einer möglichst (fast) einsamen Insel mitten im Meer. Das richtige Setting für ein solches Kopfkino bieten neben exotischen Zielen wie Bora Bora, Fidschi oder den Seychellen auch die im Indischen Ozean befindlichen Malediven – zumindest theoretisch…

Tag 1 (Freitag, 11.10.2013)

ZZZzzzz…. zzzzZZZZ…. zzzzZZZZ…. „Manu, steh auf, wir müssen in zehn Minuten los zum Flughafen…“ „Ja, ja, nur noch fünf Minuten, ich bin sowieso startklar…“ Fünf Minuten später zwinge ich meinen faulen Ehemann dann dazu, wirklich aufzustehen (wohlgemerkt, das oben beschriebene Szenario spielt sich nicht etwa morgens um 5 Uhr, sondern um 22 Uhr Uhr abends ab) und er fängt langsam damit an, sein Handgepäck einzusammeln, wovon er 90 Prozent der Bestandteile aber erst einmal  in der ganzen Wohnung zusammensuchen muss. Ein ganz normaler Urlaubsstart eben.

Obwohl wir uns für so ein Luxusziel wie die Malediven entschieden haben, beginnt unsere Reise mit dem Low-Cost-Carrier „Fly Dubai“ (bei dem wir aber trotzdem 500 Euro pro Nase für die Tickets bezahlen mussten) und nur einem gemeinsamen Koffer mit 20 kg, da Gepäck bei der Fluggesellschaft selbstverständlich extra abgerechnet wird. Natürlich müssen wir unseren Koffer, trotz gewissenhaften Wiegens, am Flughafen erst einmal um vier Kilogramm erleichtern. Nachdem auch diese Hürde genommen ist, kann es endlich los gehen. Eigentlich. An unserem Gate angekommen machen wir jedoch erst einmal wieder kehrt. Der paradiesische Traumurlaub wird nämlich von der Fluggesellschaft erst mal mit einer großen grauen Wolke Zigarettenqualm verdunkelt, da sich Gate 17 leider direkt neben der Raucherlounge befindet. Natürlich steht die Tür zu dieser einladend offen. Aber auch am anderen Ende des Flughafens lässt es sich gut warten, solange man nicht auf die Toilette muss, die in Sachen Hygiene sogar noch weit unter dem Standard der arabischen Plumpsklos im indisch geprägten Stadtteil Deira zurück bleibt.

Gefühlte fünf Stunden später wird unser Flug dann endlich aufgerufen (inzwischen liegt der Zeitpunkt des geplanten Abflugs bereits 30 Minuten in der Vergangenheit). Gemeinsam mit zahlreichen Russen und Engländern quetschen wir uns in einen Bus und fahren damit erst einmal zum Flieger. Dort angekommen müssen wir allerdings weitere 15 Minuten im Bus ausharren, da unsere Maschine noch gar nicht startklar ist. Typisch Dubai eben. Nach viereinhalb Stunden heißt es dann endlich „Land in Sicht“ und Male empfängt uns in einem gefährlich ausschauenden Dunkelgrau und bei anhaltendem Platzregen.

An der Passkontrolle geht es sehr schnell, trotz des Emirati-Pärchens vor uns, das natürlich vergessen hatte, den Visumszettel auszufüllen. Dafür müssen wir danach nochmals 45 Minuten auf weitere Gäste warten, die sich mit uns das Speedboot zur Insel teilen sollen.

Die fast zweistündige Fahrt mit dem Boot ist wahrlich nichts für schwache Mägen. Der Kapitän brettert in wahnwitzigem Tempo über die Wellen, wobei wir immer mehrere Zentimeter in die Luft geschleudert werden, bevor das Boot mit einem lauten Knall wieder hart auf dem Wasser aufsetzt. Nicht nur wir, auch das Mobiliar wird dabei ordentlich durchgeschüttelt und muss mehrmals von uns gerettet werden. Doch auch die längsten zwei Stunden gehen irgendwann einmal vorüber, sodass wir gegen 10 Uhr morgens völlig fertig und mehr als urlaubsreif auf „unserer“ Insel am südlichen Ende des Nord-Ari-Atolls ankommen.

Karte_neu

Speedboat
Unser Speedboat
Elhaidoo-Island
Elhaidoo-Island

Tag 2 (Samstag, 12.10.2013)

Der Empfang auf der Insel kann sich wirklich sehen lassen und beschwichtigt unsere Zweifel bezüglich der Hotelwahl erstmal (als „richtige“ Dubaianer sind wir selbstverständlich nur noch den Luxus und Komfort überteuerter Ketten wie The Ritz-Carlton, Anantara oder Jumeirah gewohnt und hatten dementsprechende  Bedenken, dieses Mal auf einen Stern verzichten zu müssen. Doch bei 1.000 Euro pro Nacht aufwärts für oben genannte Exklusivität mussten auch wir kapitulieren und uns mit der 4-Sterne-220-Euro-pro-Nacht- Variante zufriedengeben). Neben Empfangskomitee und gekühlten, wohlduftenden Handtüchern werden fruchtige Begrüßungscocktails serviert, die unsere Welt erstmal wieder in Ordnung bringen. Auch die Rezeption selbst überrascht uns positiv. Der Boden hier besteht aus feinem Sand, barfuß gehen ist durchaus erwünscht und ich passe mit meiner einen Tag zuvor erworbenen Hippi-Hose total zu diesem Easy-Going-Lifestyle. Jippi!

Bootssteg
Bootssteg

Auch unsere bei der Buchung angegebene Nachricht, dass wir „Honeymooner“ seien, ist beim Hotel angekommen und beschert uns einen kostenlosen Obstkorb sowie eine Flasche Wein auf unserem Zimmer. Als Expertin für Reiseanfragen aller Art (auch wenn diese normalerweise nur die oberen 10.000 betreffen), hatte ich mich vor Reisebeginn selbstverständlich ausführlich über das Resort informiert  und konnte nach dem Durchlesen zahlreicher Kritiken auch die besten Beach Bungalows in Erfahrung bringen: 327-329. Selbstverständlich wurde ein solcher von mir bei der Reservierung angefragt, natürlich mit dem dezenten Hinweis, dass dies unsere Flitterwochen seien. Bei unserer Ankunft ist die Rezeptionistin dann untröstlich, dass momentan keiner der besagten Bungalows verfügbar sei und macht uns daher ein Angebot. Wenn wir mit einem „Downgrade“ für eine Nacht einverstanden seien, würden wir am nächsten Tag nicht nur Bungalow 328 erhalten, sondern dürften uns zudem über einen kostenlosen Ausflug, ein Seafood-Dinner mit einer weiteren Flasche Wein, sowie einen zweiten Obstkorb freuen. Als echte Schwaben nehmen wir das Angebot natürlich dankend an. Für unseren Geiz werden wir mit einem durchaus annehmbaren Zimmer im 1. Stock einer 4-Parteien-Villa belohnt. Der großzügige Raum verfügt nicht nur über einen Balkon, sondern auch über ein tolles Freiluftbadezimmer. Einzig der Strandabschnitt, an dem sich unsere Liegen befinden, ist etwas enttäuschend. So ist der Strand durch eine Mauer vom Wasser getrennt, ins Wasser selbst gelangt man nur über eine separate Treppe. Dies entspricht natürlich nicht ganz dem in unseren Köpfen vorherrschenden Malediven-Bild.

Die Mauer (im Hintergrund die zweite Mauer)
Die Mauer (im Hintergrund die zweite Mauer)

In einer kurzen Regenpause wittere ich schließlich unsere Chance für einen ersten Rundgang um die Insel. Mit Fotoapparat, Regenschirm und einer Flasche Wasser ausgerüstet machen wir uns auf den Weg, bewundern den tollen Infinity-Pool, den Tennisplatz, das Fitnessstudio, den Squash-Platz, Restaurants, Bar und Bibliothek sowie die Wasservillen und den tollen Standort des Bungalows 328, der uns ab morgen beherbergen soll. Fünf Minuten später befinden wir uns wieder vor unserer aktuellen Villa. Wahnsinn, was auf so einer kleinen Insel alles Platz findet! Angesichts der unerwarteten Kürze unseres Ausflugs beschließen wir, auch dem Spa noch einen Besuch abzustatten, wo uns eine freundliche Philippinin erklärt, dass ein fünftägiger Spa-Marathon für frisch verheiratetet Pärchen nur „bibe hundred dolla“ kostet. Nicht nur aufgrund der kläglichen Ausstattung lehnen wir ihr Angebot jedoch dankend ab (Highlight ist hier eine „Wellblechhütte“ vor dem Spa-Gebäude, die eine verrostete und wild überwucherte Badewanne enthält, welche in besseren Zeiten wohl als Jacuzzi oder ähnliches gedient hat).

Infinity-Pool
Infinity-Pool
Strand
Hauptstrand der Insel

Nach ein paar erholsamen Stunden am Strand machen wir uns gegen 17 Uhr auf zur Fischfütterung. Dort werden neben einer großen Muräne und zwei Stachelrochen auch mehrere Jackfische gigantischen Ausmaßes angelockt. Angesichts der Tatsache, dass wir unsere letzte anständige Mahlzeit am Vorabend zu uns genommen haben (zumindest trifft dies auf mich zu – Manu hat sich für den Flug noch einen „Snack“ bestehend aus fünf hartgekochten Eiern und vier Megabroten zubereitet und vertilgt) läuft mit beim Anblick der verwendeten Köder (beinahe) das Wasser im Mund zusammen. Also auf, auf zum Restaurant! In der Hoffnung, das Buffet könnte bereits eröffnet sein, werden wir allerdings schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Essen gibt es erst ab 19.30 Uhr. 19.30 Uhr!! Das sind noch beinahe ZWEIEINHALB Stunden! Etwas gefrustet machen wir uns daher auf zur Bar, wo wir uns neben diversen Getränken noch eine Schale Erdnüsse ergaunern und uns Gutscheine für die anstehende Barmen’s Night (nur 15 USD pro Person für zweieinhalb Stunden unlimited Cocktails!) aufschwatzen lassen.

Muräne bei der Fischfütterung
Muräne bei der Fischfütterung

Schließlich geht die Sonne unter und gefühlte fünf Stunden später findet dann auch endlich die ersehnte Eröffnung des Buffets statt.

Leider folgt jedoch gleich zu Beginn das nächste Problem. Der Tisch, der uns von unserem Kellner zugewiesen wird, hat nicht nur einen denkbar ungünstigen Standort, sondern ist zudem übersät mit zahlreichen Ameisen, deren mühsam errichtete Straße anscheinend genau über selbigen führt. Als ich den Kellner daher höflich um einen anderen Tisch bitte, schaut er mich nur unbeeindruckt an und meint: „No, this is your table – for the whole stay!“. Entgeistert blicke ich ihn einige Sekunden an, stehe auf und teile ihm mit, dass ich mein Abendessen ganz bestimmt nicht mit 100 Ameisen teilen werden. Doch auch das beeindruckt ihn wenig. Es handle sich hierbei nun mal um unseren Tisch. Basta. Schließlich wird mir das Ganze zu bunt und ich bin kurz davor, das (zumindest in Dubai) magische Wort „General Manager“ auszusprechen, als er dann doch noch einlenkt. Während wir uns am Buffet bedienten, würde er sich um einen anderen Tisch bemühen. Na also, geht doch. Allerdings sind wir durch die Aktion bei ihm in große Ungnade gefallen, was wir unseren restlichen Urlaub auch noch deutlich zu spüren bekommen werden.

Das Essen ist wider Erwarten gut. Es gibt eine große Auswahl an Salaten, Broten und Suppen sowie an diesem Abend Steak, Gemüse, Reis, eine Pastastation, frisch gebackenes Naan-Brot, Carpaccio mit gaaaaanz viel Knoblauch, Fisch, Hühnchen und viele verschiedene Desserts und Früchte. Zu Trinken gibt es allerdings leider nur Sodawasser, kohlensäurehaltiges Mineralwasser ist auf der Insel gänzlich unbekannt.

Massenabfertigungsrestaurant
Massenabfertigungsrestaurant

Im Anschluss an unser reichhaltiges Abendessen wollen wir uns gleich an die Einlösung unserer zuvor erworbenen Cocktailgutscheine machen, müssen aber feststellen, dass dies erst ab 21.30 Uhr möglich ist. Aus diesem Grund geht es zunächst noch einmal zurück zu unserem Zimmer, wo wir bei einem Glas Rotwein unseren italienischen Nachbar beim Quizshow auf Rai 1 schauen zuhören dürfen und uns an deren ausführlichen und lautstark hervorgebrachten Kommentaren dazu erfreuen.

Der Genuss des Rotweins bzw. dessen Öffnung stellt zunächst ein größeres Problem dar, da es auf unserem Zimmer keinen Korkenzieher gibt. Also bestellen wir mit einem Anruf an der Rezeption einen solchen, der nach einer Wartezeit von 45 Minuten dann auch von einem Room Boy auf unser Zimmer gebracht wird (Zeit, die man von der Rezeption in gemächlichem Schritttempo zu unserem Zimmer benötigt: ca. 2 Minuten). Da besagter Room Boy für seine tapferen Dienste natürlich eine ordentliche Belohnung erwartet, will er den Wein zudem gleich öffnen. Wie es aber scheint, ist dies der erste Weinflaschenöffnungsversuch seines Lebens und er bemüht sich mehrere Minuten lang kläglich. Als wir schon denken, er hätte den Korken abgebrochen, stellt sich heraus, dass er diesen inzwischen zwar bereits aus der Flasche befreit hat, nun aber versucht, ihn wieder in die Flasche hinein zu manövrieren. Hä?

Der Rotwein und das nachbarliche Geplänkel haben uns ganz schön ermüdet, da wir die Cocktailgutscheine aber leider bereits gekauft haben, müssen wir nochmals zurück an die Bar. Aufgrund des schlechten Wetters soll die Barmen’s Night in der Bibliothek stattfinden, wo uns zunächst ein an einen Kindergeburtstag erinnerndes Setting empfängt. Tapeziertische, die notdürftig mit Papiertischdecken versehen wurden dienen als improvisierte Bar, an der uns ein mehr als bescheidenes Cocktail-Menü erwartet. Nicht ein einziger Klassiker steht auf der Karte! Der aufmerksame Kellner (ich muss wohl nicht erwähnen, dass es sich hierbei nicht um „unseren“ Kellner handelt), sieht meinen enttäuschten Blick und bietet mir an, dass ich stattdessen auch Weißwein erhalten könne. Das ist natürlich ganz nach meinem Geschmack. Als der Kellner allerdings mit einem 5-Liter-Tetrapack Wein zurückkommt, muss ich dann wohl oder übel akzeptieren, dass es für mich an diesem Abend keinen guten Drink mehr geben wird. Mit Sprite vermischt schaffe ich immerhin zwei Gläser von dem widerlichen Gesöff, wobei Manu jedoch eindeutig mehr zu leiden hat als ich. Nach dem Genuss von vergorenem Traubensaft, Mucosulvan-Hustensaft verfeinert mit Minze und einem Glas Billig-Orangensaft mit Wodka ist der Abend für uns gelaufen. Wenigstens gibt es Erdnüsse umsonst. Für herausragende Stimmung sorgen an diesem Abend die beiden hauseigenen Schnulzensängerinnen, die mit Hits wie „My heart will go on“ die „Bar“ so richtig zum Kochen bringen. Immerhin bis 23 Uhr halten wir es an diesem Abend aus. Auf unserem Zimmer erwartet uns dann die frohe Nachricht, dass wir am nächsten Tag um 9 Uhr in unseren gewünschten Strandbungalow ziehen können. Also nur noch einmal Wecker stellen und dann kann der Urlaub so richtig beginnen. Denkste!

Tag 3 (Sonntag, 13.10.2013)

Noch etwas verschlafen machen wir uns am nächsten Morgen bei starkem Regen auf den Weg zur Rezeption, um unseren neuen Zimmerschlüssel in Empfang zu nehmen. Erst umziehen, dann frühstücken, so lautet der aktuelle Plan des Tages. Glücklicherweise erkundigen wir uns an der Rezeption noch, bis wann es denn morgens Frühstück gibt. Zunächst denken wir, wir haben uns verhört, doch auch ein weiteres Mal nachfragen macht es nicht besser. 9.30 Uhr. Nein, dabei handelt es sich nicht etwa um die Uhrzeit, zu der das Frühstück beginnt. Dies ist das Ende der morgendlichen Frühstückszeit. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät uns, dass wir schon reichlich spät dran sind: 9.05 Uhr. Also entschließen wir uns, den Umzug erst einmal aufzuschieben und uns zunächst der Nahrungsaufnahme zu widmen. Schließlich wird es die nächste freie Mahlzeit erst um 19.30 Uhr geben. Unser Kellner ist nicht gerade erfreut, dass sich zu solch später Stunde noch Gäste an einen „seiner“ Tische setzen. So fällt die Frage nach den gewünschten Getränken auch reichlich unwirsch aus. Ohne Worte zu verlieren, setzt er die beiden Kaffeetassen vor uns ab und fängt auch gleich damit an, Milch in meine Tasse zu gießen. Ich weise ihn darauf hin, dass ich keine Milch im Kaffee wünsche, sehe über seine fehlende Frage danach hinweg und tausche ganz unkompliziert die noch nicht kontaminierte Tasse meines Ehemannes mit meiner aus. Bedrohlich verfinstert sich daraufhin der Blick unseres Kellners. „Next time, say it before!“, blafft er mich an. Zu perplex für eine Erwiderung begeben wir uns an das reichhaltige Buffet. Wir haben uns gerade mit unseren Tellern, die mit allerlei Leckereien wie Pancakes, Waffeln, Omlettes und Früchten beladen sind, wieder an unseren Tisch gesetzt, als unser Kellner erneut auftaucht und uns den Hinweis gibt, jetzt nochmal zum Buffet zu gehen, sonst sei es zu spät. Nun gut, immerhin ist es bereits 9.15 Uhr. Sein nächster Besuch an unserem Tisch lässt nicht lange auf sich warten. Um 9.29 Uhr packt er unsere Teller ein. Immerhin stellt er noch während er bereits wegläuft die Frage „Are you finished?“. Um 9.35 Uhr werden wir dann „höflichst“  aufgefordert, den Tisch zu verlassen – ungeachtet der Tatsache, dass die Kellner aller anderen Tische nicht einmal damit angefangen haben, das Geschirr abzuräumen, geschweige denn die Gäste hinauszukomplimentieren. Warum kann nicht jeder Start in den Tag auf eine solch erfrischende Weise beginnen?

Der immerwährende Dauerregen begleitet uns im Anschluss an diese Frühstückserfahrung bei dem Umzug in unseren Bungalow, der sich als echter Glückstreffer erweist. Zwar unterscheidet er sich in der Ausstattung (großzügiges Schlafzimmer mit Bett, Sofa, Sessel, Fernseher, Schreibtisch, Minibar, Schrank sowie Freiluftbadezimmer) nicht von den anderen Bungalows. Dafür ist vor unserer Terrasse bereits das Jahr 1990 eingekehrt: die Mauer ist weg! Von unserer Terrasse aus kann man über einen, zugegebenermaßen winzigen, Strandabschnitt direkt ins türkisblaue Wasser gleiten. Welch unerwarteter Luxus auf den Malediven!

Unser Beach-Bungalow
Unser Beach-Bungalow
Freiluftbadezimmer
Freiluftbadezimmer
Blick auf unseren Bungalow
Blick auf unseren Bungalow
Unser kleiner Privatstrand
Unser kleiner Privatstrand

Diese exzellente Lage nutzen wir am Nachmittag gleich für einen ersten Schnorchelausflug, noch vorsichtig innerhalb einer zweiten Mauer, die sich rund um das hüfthohe Wasser vor dem Resort zieht.  Ergebnis: unter anderem schwarze Nemos, einige Korallen, Doris und eine Riesen-Dori, einige lilablassblauen Fischschwärme und dazu noch ein kleiner Baby-Hai, der meinen Super-Angler erst Mal in Angst und Schrecken versetzt…

Gefährlicher Baby-Hai
Gefährlicher Baby-Hai

Als irgendwann der obligatorische Platzregen wieder einsetzt, verziehen wir uns auf die wettergeschützte Bank vor unserer Terrasse. Leider wimmelt es hier aber, trotz den allabendlichen Inselbesprühungsrunden schwer vermummter Chemiker mit hochgiftigen Insektiziden, von Moskitos, sodass wir es auch hier nicht lange aushalten und uns bald in unseren Bungalow verziehen. Genauso haben wir uns den Urlaub im Paradies vorgestellt – NICHT!

Auf unserer Terrasse
Auf unserer Terrasse

Den Abend lassen wir schließlich gemeinsam in einer netten deutschen Runde an der Bar bei einer mittelmäßigen Akrobatik-Vorführung ausklingen. Dabei handelt es sich um einen weniger großen Zufall als es auf den ersten Blick erscheint, da die Insel fast nur deutsche Gäste beherbergt (ca. 85%).

Eines von zahlreichen Chamäleons
Eines von zahlreichen Chamäleons auf der Insel

Tag 4 (Montag, 14.10.2013)

Es ist 8.30 Uhr, der Wecker reißt uns unsanft aus dem viel zu kurzen Schlaf. Jetzt heißt es schnell aufstehen, damit wir es noch rechtzeitig zum Frühstück schaffen. Wie Urlaub fühlt sich das allmorgendliche Ritual nicht an, vor allem wenn man dem Szenario noch die bedrohlich klingenden Regengeräusche hinzufügt. Mühsam klettere ich aus dem Bett und schiebe die Vorhänge zur Seite. Dabei bietet sich mir ein völlig unerwartetes Bild: Sonnenschein! Unser kleiner Strand leuchtet weiß, das Meer liegt ruhig und glasklar in helltürkiser Farbe vor uns, sogar bunte Fische lassen sich ausmachen. Ich kann unser Glück noch gar nicht fassen und habe unbewusst auch die nicht ins Bild passenden Regengeräusche ausgeblendet. Diese stammen von unserer altertümlich wirkenden Klimaanlage, die die Geräusche täuschend echt simuliert. Aufgrund des tollen Wetters können wir dem Gerät nicht länger böse sein und genießen nach einem ausgiebigen Frühstück die Sonne. Plötzlich reißt mich ein leises, unheilverkündendes Flüstern von meiner spannenden Lektüre weg. „Schau mal!“. Langsam hebe ich den Kopf und blicke direkt in zwei bedrohlich wirkende gelbe Augen, die mich unablässig fixieren. Ein gewaltiger Graureiher hat sich nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt niedergelassen und blickt mich unentwegt an. Schließlich beginnt er damit, um unsere Liegen herumzustolzieren. Mit einer schnellen Bewegung schnappt er sich von unserem Teller ein Stück Ananas, hüpft auf die Mauer, die den Steg begrenzt, den wir uns zum Sonnen ausgesucht haben, und lässt das Fruchtstück ins Meer fallen. Danach bleibt er reglos auf der Mauer sitzen und fixiert die Wasseroberfläche unter sich. Wurden wir gerade tatsächlich von einem Graureiher bestohlen, der UNSER Essen als Fischköder verwendet? Fassungslos blicken wir den Vogel an. Seine Fischanlockversuche scheinen jedoch nicht gefruchtet zu haben, denn nach einigen Minuten dreht er sich um und stolziert wieder auf unseren Teller zu. Doch dieses Mal bin ich vorbereitet, schnappe die Früchte und stelle sie ans andere Ende der Liege. Völlig unbeeindruckt beginnt er wieder damit, um die Liegen herumzulaufen und sich dem Teller zu nähern, bis ich diesen wieder an einen anderen Platz verfrachte. Dieses Spiel wiederholt er geduldig noch einige weitere Male, bis ich kapituliere, den Teller schnappe und zurück ins Haus bringe.

Manus ganz besonderer Freund

"Unser" Steg
„Unser“ Steg

Den Schnorchelausflug bei Magaa-Island treten wir gemeinsam mit einem deutschen Pärchen, einer indischen Großfamilie, deren Frauen verschleiert sind, und einer Gruppe Chinesinnen, die mit Seidenkleidchen, Schmuck und Hüten ausstaffiert sind, an. Dieses groteske Bild steigerte sich noch als wir mitten im paradiesischen Indischen Ozean eine Müllinsel passieren. Vom puderzuckerweißen Sandstrand ist hier kaum noch etwas zu erkennen, stattdessen ist die Insel vollgestopft mit ausgedienten Schiffswracks, Müllsäcken und anderem Schrott. Auch das fünf Minuten entfernte Magaa-Island ist nicht ganz so paradiesisch wie in unseren Vorstellungen. So handelt es sich dabei um eine halbfertige Resortinsel, auf der die Bauarbeiten noch in vollem Gange sind.

Magaa-Island
Magaa-Island

2014 soll die Insel ein exklusiver Rückzugsort für die Superreichen werden, mit insgesamt nur sechs Villen, die alle über einen eigenen Pool und weiteren Luxus verfügen sollen. Davon ist im Moment jedoch noch nicht viel zu sehen. Der Bootssteg weist einige gemeingefährlichen morschen sowie fehlenden Latten auf und am Strand müssen wir aufpassen, dass unsere Füße nicht von rostigen Nägeln aufgespießt werden. Was später wohl einmal Rezeption und Empfangsbereich werden sollen, ist nun das Grab eines riesigen Walhais, dessen Skelett dort munter vor sich hin verrottet. Auf dem Weg zum Schildkrötenaufzuchtsbecken (das aus einer verrosteten Badewanne mit zahlreichen Babyschildkröten besteht) lernen wir außerdem Aysha kennen. Aysha ist ein ausgewachsener, achtjähriger Pelikan mit einer geschätzten Flügelspannweite von drei Metern. Das kleinste Mitglied der indischen Großfamilie, ein etwa gleichaltriger Junge, ist gleich hellauf begeistert und rennt auf den rosafarbenen Vogel zu, da er diesen unbedingt mit seiner bedingungslosen Liebe überschütten möchte. Aysha findet das allerdings gar nicht komisch und öffnet ihren gigantischen Schnabel, in dem der Junge bequem Platz findet, und verschlingt letzteren dabei beinahe. Dank des beherzten Eingreifens eines Insel-Bauarbeiters kann ein größeres Unglück glücklicherweise abgewendet werden und die beiden neuen Freunde können ohne nennenswerten Schäden auf beiden Seiten voneinander getrennt werden.

Ayshi mit ihrem Freund (im Hintergrund)
Aysha mit ihrem Freund (im Hintergrund)

Nachdem wir die Attraktionen der Insel nun kennengelernt haben, kann unser Schnorchelausflug endlich beginnen. Davon wollen aber weder die Inder noch die Chinesinnen etwas wissen. Letztere nehmen auf der Baustelle neben dem Walhaiskelett Platz und packen wahlweise iPad, Handy oder Spiegel aus, um sich mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen, während die Familie ihr Lager am Strand aufbaut. Bleiben also nur noch wir vier Deutsche zurück. Wir machen uns mit einem der Bauarbeiter, der unser Guide sein wird, auf zum anderen Ende der Insel, von wo unsere Tour starten soll. Zunächst können wir unter uns nur einen riesigen Korallenfriedhof ausmachen, der sich jedoch mit jedem weiteren Schwimmzug hinaus aufs offene Meer in eine wundervolle und in allen Farben glitzernde Unterwasserwelt verwandelt. Neben allen möglichen Arten von Korallen, die sich manchmal nur wenige Zentimeter unter uns, andere Male jedoch an mehreren Metern steil abfallenden Riffen befinden, begegnen wir zahlreichen bunten Tropenfischen.

Etwa eineinhalb Stunden lang dürfen wir diese unglaubliche Welt bewundern, bevor wir wieder am Strand der Insel angelangen.  Die indische Familie hat sich inzwischen einige Schritte in das kniehohe Wasser vorgewagt, die Chinesinnen scheinen allerdings immer noch dieselbe Position einzunehmen, wie bei unserem Aufbruch. Eine Zeit lang müssen wir aufgrund eines erneuten heftigen Regenschauers noch auf der Baustelle ausharren, was bei einem Temperatursturz von gefühlten 10 Grad, scharfem Ostwind und vergessenem Handtuch nicht gerade angenehm ist.

Beim Abendessen zeichnet sich  so etwas wie ein Waffenstillstand ab, der sich darin äußert, dass unser Kellner sich fortan einfach gar nicht mehr an unserem Tisch blicken lässt. Den Abend lassen wir mit unseren neuen deutschen Freunden abermals bei ein paar Drinks an der Bar, dieses Mal begleitet von dem Schnulzensängerinnenduo, ausklingen. Insgesamt hätte es ein wirklich schöner Tag sein können, wenn ich nachts nicht von einem niederen menschlichen Bedürfnis geweckt worden wäre und unser Freiluftbadezimmer hätte aufsuchen müssen. Dort bietet sich mir ein Bild des Grauens, das mich noch mehrere Nächte lang in meinen Albträumen verfolgen soll. Auf dem Boden tummeln sich hunderte, tiefschwarze und riesengroße Ameisen geballt an einem einzigen Fleck, der erschreckenderweise der Form unseres Hausgeckos sehr ähnlich sieht. Unsere schlimmsten Vermutungen bestätigen sich, als wir nächsten Morgen eben diesen, nach Abzug der Truppe, an besagter Stelle vorfinden.  Allerdings inzwischen ohne Haut.

Tag 5 (Dienstag, 15.10.2013)

Trotz des wenig appetitlichen Erlebnisses der letzten Nacht stehe ich beim morgendlichen Weckerklingeln voller Elan auf und freue mich auf einen faulen Tag am Strand, wo ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen will. Leider stammen die Regengeräusche am heutigen Morgen jedoch nicht von der Klimaanlage, sondern sind echt. Neben dem starken Regen fegt zudem ein sturmartiger Wind über die Insel, der jeden Gedanken an einen Strandtag sofort ausradiert. Frustriert schlüpfe ich in meine Hippi-Hose, ziehe mir die Kapuze meines Pullovers über den Kopf und begebe mich mit Mann und Regenschirm zum Frühstück. Doch auch danach ist wettertechnisch noch keine Besserung in Sicht, zudem rebelliert nun auch noch mein Magen. Ob vom Essen oder dem Gedanken an das grausame Schicksal unseres armen Geckos lässt sich nicht genau sagen, ist aber letztendlich irrelevant, da aufgrund eines Missgeschicks auch keine Besserung in Sicht ist (mein lebensrettendes Iberogast ist am Vorabend vom Tisch gesegelt). Notgedrungen verschieben wir also unser für den Abend geplantes Seafood-Dinner auf den übernächsten Tag. Als der Regen etwas nachlässt, beschließen wir unseren Frust auf dem Tennisplatz abzureagieren. Dort liefern wir uns ein spannendes Match und merken nicht einmal, dass die Sonne sich auf einmal wieder blicken lässt. Erst als wir beide klatschnass (und zwar nicht vom Regen) und völlig außer Atem sind, bemerken wir den plötzlichen Wetterumschwung und wollen nach einer kurzen Dusche endlich an den Strand zu gehen. Gerade als wir unsere Handtücher auf den Liegen ausbreiten, öffnen sich die Himmelstore jedoch erneut und herunter kommt ein Platzregen, der sich gewaschen hat. Es ist einfach wie verhext!

Tennismatch im Regen
Tennismatch im Regen

Wenigstens für meine bessere Hälfte wird der Tag dann doch noch ein echtes Erlebnis. Er hat für den Nachmittag nämlich einen Tauchgang direkt an unserem Hausriff gebucht. Mich konnte er zu dem Abenteuer leider nicht überreden, da ich diesbezüglich ein echter Angsthase bin. Denn was soll ich machen, wenn mir in zehn Metern Tiefe plötzlich der Schnorchel aus dem Mund fällt? Oder ich zu schnell auftauche und meine Lunge aufgrund dessen platzt? Mein mutiger Ehemann hat sich von diesen wirklich ernst zu nehmenden Risiken jedoch nicht einschüchtern lassen und wird dafür dann auch ordentlich belohnt. Aber der Reihe nach! Zunächst muss er sich einen öden, einstündigen Film reinziehen der ihn auf seinen ersten Tauchgang vorbereiten soll. Da ich nichts besseres zu tun habe (Regen), schließe ich mich zumindest diesem Teil an, auch wenn es sich dabei fast nur um technisches und langweiliges Blabla handelt. Gerade als der Film es schafft, mich aus meinem Dämmerschlaf zu reißen (es soll die Erklärung folgen, wie man mit einer beschlagenen Brille unter Wasser am besten wieder klare Sicht erhält), hängt die DVD, sodass das Rätsel leider ungelöst bleibt. Nach einer weiteren sterbenslangweiligen halben Stunde darf Manu sich dann in einen alten, hautengen und abgetragen Taucheranzug zwängen und seine Reise zum Riff beginnen, von der er am besten selbst berichten soll:

„Ok, kurz und bündig, Schreiben ist nicht meine Stärke. Nach einem einstündigen Lehrfilm (an der einzigen, interessanten Stelle hatte die DVD einen Kratzer und übersprang das Kapitel) und 15 Minuten „Trocken“übungen im hüfthohen Wasser ging es direkt los. Zunächst ließen wir uns an einem Seil zwölf Meter in die Tiefe hinab, dank Bleigürtel und Hüftgold eine einfache Aufgabe. Wichtig dabei: Alle paar Fuß kurz innehalten und Druckausgleich machen. Ging erstaunlich gut. Als ich dann endlich meine Aufmerksamkeit weg vom Druckausgleich, Weste entlüften, Brille fluten und Handzeichen geben auf das Wesentliche, nämlich die wunderschöne Unterwasserwelt richtete, blieb mit die Spucke weg. In zwölf Metern Tiefe ist das Wasser unglaublich klar, der Körper schwerelos. Dazu kommt, dass das Hausriff von Ellaidhoo wohl eines der schönsten der Welt ist. Wir tauchten mit der leichten Strömung mühelos in ca. einer Meter Entfernung am Riff entlang. Dieses ist überdeckt mit Korallen aller Farben, Unterwasserpflanzen, kleinen Nischen und Höhlen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Und egal, in welche Richtung ich schaute, vorne – oben – unten – links – hinten – überall wimmelte es von Fischen. Aber nicht die langweiligen, winzigen fast durchsichtigen. Alle Farben, Formen, Größen waren vorhanden. Die Farbvielfalt habe ich so an Land noch nicht gesehen! Der Tauchgang dauerte insgesamt 45 Minuten und war jeden der 95 USD wert. Selbst die vier ein Meter langen Muränen fand ich faszinierend und wider Erwarten alles andere als bedrohlich. Leider (oder zum Glück?) haben wir das Maskottchen, den drei Meter Riffhai, nicht angetroffen. Beim nächsten Mal dann..“

Tag 6 (Mittwoch, 16.10.2013)

Trotz des irrsinnig frühen Weckerklingelns um 7 Uhr stehen wir an diesem Morgen beide gut gelaunt auf, da wir etwas ganz besonderes geplant haben. Nachdem Ellhaidoo Island nicht so ganz dem Bild eines Inselparadieses auf den Malediven entspricht, haben wir uns einen einmaligen Luxus gegönnt. Am Vortag haben wir uns zu einem kostspieligen Ausflug zur Adam & Eve Insel angemeldet, die wir in Robinson-Manier einen kompletten Tag ganz für uns allein haben sollen. Das Beste ist aber die Aussicht auf einen makellos weißen Traumstrand, ganz ohne Mauer. Voller Vorfreude packen wir also das Nötigste ein und begeben uns auf den Weg zur Rezeption. Dort heißt es dann erst einmal wieder warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit lässt sich dann endlich Lynn, die einzige Angestellte, mit der eine Konversation auf Englisch einigermaßen möglich ist, bei uns blicken. Leider hat sie aber keine guten Nachrichten für uns. Aufgrund des starken Windes und dem daraus resultierenden hohen Wellengang sei es leider unmöglich, vor der Insel anzulegen. Der Ausflug muss daher verschoben werden. Als sich wenige Minuten danach zudem die Himmelsschleusen erneut öffnen und uns den restlichen Tag mit starkem Regen beglücken, kommt bei uns die Frage auf, warum genau wir jetzt eigentlich auf den Malediven sind. In Dubai könnten wir jetzt immerhin bei einer Regenwahrscheinlichkeit, die gegen Null strebt, Strand, Sonne und Meer genießen – und das ganz ohne störende Mauer oder Unsummen von Geld auszugeben. Abermals bleibt uns also nichts anderes übrig, als in unserer dunklen Villa dem Ende des Tages entgegenzusehnen und uns mit Lesen und einem kurzen Tennismatch in einer noch kürzeren Regenpause die Zeit zu vertreiben.

Pool und Bungalows
Pool und Bungalows

Tag 7 (Donnerstag, 17.10.2013)

Wenigstens sind wir an diesem Morgen schon vorgewarnt. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten am vorherigen Abend haben wir in Erfahrung gebracht, dass unser Inselabenteuer auch am heutigen Tag nicht möglich sein wird. Dafür zeigt sich das Wetter von einer besseren Seite. Zwar windet es immer noch sehr stark, aber Regen gibt es an unserem vorletzten Tag kaum, auch wenn bedrohlich aussehende Wolken den Himmel immer mal wieder verdunkeln. So können wir endlich mal das tun, weshalb wir unsere Reise auf die Malediven eigentlich angetreten haben: Sonnen, Baden, Lesen, Schnorcheln und einfach das süße Nichtstun genießen. Zudem sind wir schon voller Vorfreude auf unser versprochenes Gratis-Seafood-Dinner am Abend. Für dieses dürfen wir endlich mal raus aus dem düsteren Massenabfertigungsrestaurant, in dem wir sonst unsere Mahlzeiten einnehmen müssen (es gibt zwar noch ein zweites Restaurant, zu diesem wurde uns jedoch der Zutritt verweigert, da es exklusiv für die Gäste der Wasservillen reserviert ist).

Direkt am Meer hat das Servicepersonal einen kleinen Tisch für uns aufgebaut, auf dem sogar eine Kerze angezündet wurde. Zudem wird uns der Stuhl zurechtgerückt und die Servietten werden auf unserem Schoß ausgebreitet – theoretisch wissen die Kellner im Resort also doch, wie es läuft. Leider wird dieses Wissen anscheinend nur außerhalb des Restaurants in die Praxis umgesetzt.

Unsere gratis Flasche Wein kommt dieses Mal wider Erwarten nicht aus einem 5-Liter-Tetrapack, steht letzterem geschmacklich gesehen aber in keinster Weise nach. Zum Glück haben wir vorsorglich eineinhalb Liter Wasser zum Runterspülen bestellt. Als Vorspeise serviert man uns ca. 4 kg kalten Lachs mit ein paar Salatblättern, im Anschluss gibt es eine einigermaßen genießbare Kürbissuppe. Dann folgt unser Seafood-Teller, der seinem Namen alle Ehre machte: zwei Fischfilets, mehrere Riesengarnelen, ein gigantisches Tintenfischstück und eine köstliche Krabbe nebst diversen Beilagen – wohlgemerkt pro Person. Das dazugehörige Brot ist leider schon nach wenigen Minuten von den bereits bekannten Killerameisen entdeckt worden, aber auch ohne dieses gibt es mehr als genug zu Essen.

Nach einem kurzen Plausch mit unserem Kellner (dieser wird am nächsten Morgen abreisen und will auf diese Weise noch sicherstellen, dass er von uns auch sein wohlverdientes Trinkgeld erhält), machen wir uns auf zu der bereits groß angekündigten Beach Party. Versprochen worden war uns eine einzigartige Live-Band, die gute Stimmung am Strand verbreiten soll, der zu diesem Anlass nicht nur mit einer Bar ausstaffiert worden war, sondern mittels Beleuchtung auch toll in Szene gesetzt wurde. Als wir ankommen macht die Band gerade Pause, also ordere ich ein weiteres Glas Wein (dieses Mal aus einem silberfarbenen Plastiksack) während mein Mann sich ein „unlimited Cocktailpaket“ für 18 USD aufschwatzen lässt (selbstverständlich werden für diese nur die billigen Spirituosen verwendet). Anschließend setzen wir uns zu einem netten Engländer-Pärchen dazu und der Abend hätte eigentlich noch ganz amüsant werden können, wenn die im Hintergrund laufende CD weiter für Unterhaltung gesorgt hätte und die Band nicht aufgetreten wäre. Bei dieser handelt es sich nämlich um das bereits bekannte Schnulzensängerinnenduo, das es auch an diesem Abend wieder schafft, die Stimmung weit unter den Gefrierpunkt zu senken (trotz angenehmer Temperaturen um die 25 Grad) wodurch sich kein einziger Gast auf die Tanzfläche verirrt. Gegen Mitternacht hat das klägliche Schauspiel dann endlich ein Ende und wir begeben uns mit unseren neuen Freunden auf den Weg zur anderen Bar. Da diese allerdings auch schon geschlossen hat, werden wir vom Hotelpersonal spontan eingeladen, an deren Party teilzunehmen. Hier gibt es dann auch den Marken-Alkohol. Bei Sri Lankanesischem Gesang lassen wir den Abend ausklingen (wir vermuten, dass der Inhalt hauptsächlich  aus frivolen Anspielungen besteht, welche die einzigen zwei Frauen der Runde – mich und die Engländerin – betreffen).

Tag 8 (Freitag, 18.10.2013)

Heute soll sie endlich stattfinden, unsere bereits zweimal verschobene Robinsonade auf der einsamen Trauminsel im Indischen Ozean. Nach dem Frühstück (mit einem neuen Kellner) besteigen wir gemeinsam mit einer dreiköpfigen Crew unser Privatboot, das uns direkt ins Paradies schippern soll.

Das Schaukelboot (Dhowi)
Das Schaukelboot (Dhowi)

Unglücklicherweise verbringen wir zwei Stunden statt der angekündigten 50 Minuten auf dem unbequemen Schaukelboot. Entschädigt für die lange Reise werden wir jedoch beim Anblick des kleinen Eilandes. Insgesamt drei Palmen zählen wir, hinzu kommen eine kleine Hütte, ein wundervoller Sandstrand sowie türkisblaues Wasser.

Adam and Eve Island von der Ferne aus gesehen
Adam and Eve Island von der Ferne aus gesehen

Als ich dieses einmalige Bild mit meiner Kamera einfangen will, muss ich leider feststellen, dass mein Akku so gut wie leer ist – natürlich ausgerechnet heute. Man hätte dies vielleicht bereits als schlechtes Omen für die nachfolgende Odyssee deuten und den Trip abbrechen sollen…

Bereits beim Näherkommen an die Insel zeichnet sich eine gewisse Verwahrlosung ab. Als wir uns endlich am Strand der Insel befinden, stellen wir schnell fest (leider nicht schnell genug – unser Boot ist schon weg), dass wir „Lost“ sind – mitten in der Hölle. Leere Flaschen, Getränkedosen, kaputte Plastikmöbel, Papier und allerlei weiterer Unrat finden sich überall verteilt. Es handelt sich eindeutig um eine Müllinsel sondersgleichen, die sogar jene vor Magaa-Island (siehe Montag, 14.10.) in den Schatten stellt. Die vermeintlich charmante Hütte besteht aus einem aufgestellten Baugerüst, dem ein Wellblechdach hinzugefügt wurde. Die Wand des offenen Toilettenhäuschens ist mit dem Schriftzug „Therapy Sessions“ verschmiert worden, wie es darin im Detail aussieht, mochten wir uns lieber nicht anschauen, da uns bereits vor unserer Abreise von der Rezeptionistin Lynn dringend davon abgeraten worden war. Dennoch kommt man nicht umhin, ständig auf die Kloschüssel zu starren, da diese unverdeckbar genau im Blickwinkel des einzigen Schattenplatzes der Insel (der Wellblechhütte) steht. Zunächst versuchen wir noch, das Beste aus unserer Situation zu machen. Ich schnappe mir einen großen Palmwedel und versuche damit, ein kleines Quadrat im Schatten vom Unrat freizufegen, damit wir hier unsere Handtücher ausbreiten können. Im Anschluss checken wir unsere Picknick-Box, wobei wir allerdings feststellen müssen, dass wir von der Bootscrew um unsere Sandwiches bestohlen worden sind. Frustriert greifen wir nach einer Flasche Wasser und setzen uns auf unsere Handtücher. Um 15.30 Uhr sollen wir wieder abgeholt werden – das sind noch beinahe sechs Stunden! Nach einigen weiteren Minuten voller Stille (lediglich die zahlreichen Plastikfolien rascheln im Wind und übertönen das Rauschen des Meeres) greift Manuel beherzt zu dem Handy, das uns für Notfälle mitgegeben worden war. Eine halbe Stunde später sitzen wir wieder in dem Schaukelboot und schipperen zurück nach Ellaidhoo Island. So haben wir uns unseren letzten Tag im „Paradies“ gewiss nicht vorgestellt. Zurück im Resort teilt uns der Chef persönlich mit, dass er eine tolle Nachricht für uns hat – wir müssten die 250 USD für den Ausflug nicht bezahlen, sondern hätten diesen gratis erhalten. Perplex schauen wir ihn an. Hat er wirklich gedacht, dass eine Bezahlung für die Fahrt zur Müllinsel überhaupt noch zur Diskussion steht?

Adam and Eve Island im Detail - das Klohaus
Adam and Eve Island im Detail – das Klohaus
Adam and Eve Island um Detail - der Unterstand
Adam and Eve Island im Detail – der Unterstand
Müll auf Adam and Eve Island
Müll auf Adam and Eve Island

Den restlichen Tag verbringen wir dann auf den Liegen am Strand vor unserem Bungalow. Wenigstens das Wetter lässt uns heute nicht im Stich. Unser Fazit nach einer Woche Malediven: Von Exotik haben wir erst mal die Nase voll und wir freuen uns schon auf unseren nächsten Urlaub in good old Europe!

Bringt es auf den Punkt
Bringt es auf den Punkt
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Manfred sagt:

    Hi ihr beiden,

    wie geht’s euch? Ist ein echt cooler Bericht! Bin noch nicht ganz durch, aber hab jetzt was für die morgigen Arbeitspausen im Büro 😉
    Ich freu mich schon total auf den Besuch!

    Viele Grüße

    Manfred

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