Doha – Exploring Qatar

Gerade einmal eine Stunde Flugzeit ist Katars Hauptstadt von Dubai entfernt – Grund genug auch diesem Kleinod des Mittleren Ostens einen Besuch abzustatten. Trotz zahlreicher Warnungen („da gibt es doch nichts zu sehen“), haben wir uns auf den Weg gemacht –  und wurden nicht (immer) enttäuscht. So viel vorweg: Für einen Kurzurlaub hat Doha auf jeden Fall einige schöne Ecken zu bieten, die erkundet werden wollen. Sich vorzustellten, dort zu leben, kann man allerdings nicht so recht…

Nach dem erfolgreichen Feststellen des Verlusts unseres Kameraakkus nach dem Check-in im Torch-Hotel haben wir uns zunächst erst einmal auf die Suche nach einem solchen gemacht. Begonnen hat unsere Expedition in der nebenan befindlichen Villagio Mall, dem größten Einkaufszentrum Katars, das durch eine Fußgängerbrücke direkt mit dem Hotel verbunden ist. Vermutlich war es eigentlich angedacht, mithilfe der Brücke der Hitze der Stadt zu entkommen und ohne Schweißverlust in der Mall zu landen. Leider wurde bei der Planung aber vergessen, eine Klimaanlage in den Übergang einzubauen. Die vollseitige Verglasung trägt nun auch nicht wirklich zur Kühlung bei, sodass man das Gefühl hat, durch eine Sauna zu wandern. Zum Glück wird man auf der anderen Seite aber von einer kalten Dusche in Form einer auf 15 Grad heruntergekühlten Shoppingmall empfangen.

Dort angekommen, sind wir uns zunächst nicht ganz sicher, ob wir auch wirklich richtig sind. Irgendwie scheinen wir in einer Art arabischem Disneyland angekommen zu sein – zumindest lassen die singenden Gondoliere darauf schließen, die auf einem künstlichen Kanal, der mitten durch die Mall führt, ihre Boote mehr schlecht als recht aneinander vorbei manövrieren. Nun gut, neben den Gondeln gibt es aber auch genügend Geschäfte, sodass wir uns auf die Suche machen. Leider erfahren wir aber ziemlich schnell, dass die größte Mall Katars zwar mit unnützen Attraktionen dienen kann, leider aber keine Kameraakkus vorrätig hat. Von einem freundlichen Verkäufer werden wir zum Salam Plaza geschickt. Also rein ins Taxi, 45 Minuten Richtung Stadzentrum fahren und das nächste Einkaufszentrum erkunden. Leider hatte dieses aber während der Mittagszeit geschlossen, sodass wir erst einmal warten müssen. Dennoch halten wir besagten Akku irgendwann erschöpft in der Hand (natürlich zum doppelten Preis als in Deutschland üblich), da es im Salam Plaza wirklich alles gibt – außer Taxis, wie wir beim Versuch, die Rückreise anzutreten, feststellen müssen.

Am nächsten Morgen begeben wir uns dann zur eigentlichen Erkundung Dohas. Diese startet im Museum of Islamic Art, das in 18 Galerieräumen über 750 Ausstellungsstücke zu bieten hat. Im Erdgeschoss befinden sich wechselnde, temporäre Ausstellungen, während die restlichen Stockwerke, die über eine 45 Meter hohe Wendeltreppe zu erreichen sind, Platz für die permanente Ausstellung bieten. Skulpturen, Gemälde, Schmuck, Teppiche und Bücher islamischer Herkunft aus allen möglichen Ländern können hier bestaunt werden. Leider haben wir aber kein Stück gefunden, das aus Katar selbst stammt. Dennoch ist der Besuch des Museums unbedingt zu empfehlen, allein wegen der schönen Aussicht auf die Skyline, lohnt es sich, her zu kommen. Der Eintritt ins Museum ist übrigens kostenlos, auf konservative Kleidung sollte nicht verzichtet werden.

Im Anschluss an unseren Museumsbesuch verschlägt es uns auf den Souq Waqif, der sich praktischerweise gleich auf der anderen Straßenseite befindet. Erwartet haben wir einen ähnlichen Souk wie in Dubai – mit indischen und pakistanischen Verkäufern, die allerlei unnütze Souvenirs anbieten. Vom Souq Waqif werden wir aber positiv überrascht. Klar wird auch hier allerlei Tourischrott feil geboten. Daneben gibt es aber auch Stoffe, Tiere, Lampen, Antiquitäten, Schmuck, Kunst und vieles mehr. Zudem sind viele Verkäufer Katarer und die zahlreichen kleinen Restaurants und Shishabars sowie die – mitunter etwas skurrilen – Kunstaufführungen verschaffen dem Platz ein ganz besonderes Flair. Seit unserer Ankunft im Mittleren Osten vor knapp drei Jahren spüren wir hier zum ersten Mal tatsächlich einen Hauch Tausendundeiner Nacht. Direkt hinter dem Souq Waqif, in Richtung Westbay, betreten wir schließlich den Falcon Souk und können einigen Einheimischen beim Falkenkauf über die Schulter schauen. Anschließend werden wir von einem der einheimischen Verkäufer noch auf eine Tasse Tee eingeladen. Zwar spricht er kein Englisch, mithilfe von Smartphones und den darauf befindlichen Bildern kommt aber dennoch so etwas wie eine Konversation zustande, während er uns stolz seine Falken präsentiert. Noch ein Stück weiter sehen wir plötzlich – mitten in der Stadt – eine Herde weißer Araberpferde stehen. Wir befinden uns nun in den Stables, in denen ausschließlich arabische Hengste gehalten werden, die auf Paraden vorgeführt werden. Auch hier werden wir freundlich empfangen und herumgeführt.

Einen Tag später entscheiden wir uns schließlich für eine Erkundung abseits der gewöhnlichen Touripfade. Lonely Planet hat dafür einen Besuch des Anmial Markets empfohlen. Da sich dieser sowieso in der Nähe unseres Hotels befindet, machen wir uns auf den Weg. Leider scheint unsere Taxifahrer aber noch nie etwas von einem Animal Market gehört zu haben und muss mehrmals wenden, telefonieren und auf Karten schauen, bevor wir den „Geheimtipp“ über eine ungepflasterte Straße endlich erreichen. Neben Ziegen, Schafen, Kamelen und Pferden treffen wir auf mehrere perplex drein schauende Verkäufer. So wie es aussieht, sind wir wohl die ersten Touristen, die dem Markt einen Besuch abstatten. Dennoch zeigt uns der erste Verkäufer seine Schafe und besteht darauf, dass wir ein Foto von diesen machen. Das war dann aber auch das Highlight des Ausflugs – neben zu vielen, meist unterernährten Tieren in zu kleinen Gehegen gibt es hier mitten in der Einöde nichts zu sehen – vielleicht handelte es sich bei dem Lonely Planet Autor ja um einen begeisterten Landwirt mit Schwerpunkt Massentierhaltung? Glücklicherweise wartet unser Taxi auf uns, ansonsten hätten wir uns auf einen mehrstündigen Fußmarsch einstellen müssen.

Nach diesem Reinfall beschließen wir, wieder die gewohnten Touristenpfade entlangzutrotten und machen uns auf den Weg zur Qatar Pearl. Hier hat man sich Dubai zum Vorbild genommen und ebenso wie der große Bruder eine künstliche Insel im Meer aufgeschüttet, die Rückzugsort und Shoppingparadies für die Superreichen der Stadt werden sollte. Schön anzusehen ist sie ja, die Pearl. Viel los war bei unserem Besuch allerdings nicht. Wo die Palm Jumeirah immerhin noch mit dem Touristenmagnet „Atlantis“ punkten kann, trifft man auf der Doha Pearl nur auf geschlossene Schranken und gähnende Leere – unser Rundgang war nach kurzer Zeit beendet und wir wären noch viel schneller von der Insel geflüchtet, hätten wir ein Taxi bekommen (das Taxi-Problem scheint in Doha allgegenwärtig zu sein – selbst vor unserem Hotel wollte man uns immer mit den teureren private Taxis abspeisen, die normalen Taxen wurden für uns –  auch auf explizite Nachfrage – nicht bestellt).

Highlight des Tages ist daher definitiv Katara. Auf über einer Million Quadratmeter wurden typisch arabische Häuser nachgebaut, ein Amphitheater sowie mehrere Moscheen errichtet und Restaurants und Cafés eröffnet. Bei Katara handelt es sich um den Austragungsort zahlreicher kultureller Veranstaltungen, der insbesondere abends zum Leben erwacht. Dennoch sind wir froh, der Anlage am Nachmittag einen Besuch abgestattet zu haben, sonst hätten wir die folgenden Bilder nicht schießen können. Zu Katara gehört übrigens auch ein schöner Strand, der Erholung verspricht – leider aber nur für Männer. In Doha herrscht für Frauen nämlich Bikiniverbot an öffentlichen Stränden – und ganz ehrlich, wer will sich schon bei fast 40 Grad mit T-Shirt und Shorts ans Meer legen? Eben!

Die viel gelobte Attraktion Dohas, die Corniche, haben wir uns für den nächsten Tag aufgehoben. Zugegebenermaßen ist es schon schön, am Wasser entlangzuschlendern und die Skyline der Stadt zu bewundern. Vor allem der Doha Tower springt immer wieder ins Auge. Bei dessen Design hat sich der Architekt einen schlechten Scherz erlaubt – wie sonst könnte man sich die frivole Form des Gebäudes erklären, das ausgrechnet in einem streng muslimischen Land, in welchem bereits das Küssen in der Öffentlichkeit unter Strafe steht, errichtet wurde. Das war es dann aber auch schon an Sehenswürdigkeiten. Hin und wieder ist ein vereinzelt – und nicht gerade einladend wirkendes – Café zu finden, auch ein paar Fitnessgeräte säumen den Weg.  Wirklich viel mehr hat die Corniche aber nicht zu bieten. Wer möchte, kann für ca. 100 Riyal von hier aus auch eine einstündige Dhowfahrt Richtung Skyline unternehmen. Wir bleiben aber dann doch lieber unseren 5-minütigen Abrafahrten über den Dubai-Creek für 1 Dirham treu.

Am Abend gönnen wir uns dann noch ein wirklich gutes Seafood Dinner im Sharq Resort und Spa, das nicht nur über eine imposante Eingangshalle, sondern auch über einen schön angelegten Park- und Poolbereich verfügt. Irgendwie scheint in Doha aber vieles nur auf den ersten Blick zu bezaubern. Als wir nämlich unseren Tisch am Strand des Hotels eingenommen haben, müssen wir feststellen, dass sich dieses genau unter der Flugschneise des Airports befinden. So gibt es zum Dinner noch kostenlosen Fluglärm der Flieger, die alle fünf Minuten knapp über unseren Köpfen entlangpreschen.

Zu guter Letzt erkunden wir auch noch Sports City näher. Von unserem Hotel, dem Torch, das übrigens überaus ungeeignet für Sightseeing ist, da es sich eine halbe Weltreise von allen Attraktionen entfernt befindet, gibt es einen kostenlosen Shuttle zum Aspire Park, den wir aufgrund der Hitze in Anspruch nehmen. Wie zu erwarten, ist der Park wie leer gefegt. Außer ein paar Bauarbeitern, die hier ihre Mittagspause genießen, sind keine Menschen zu sehen. Schließlich entdecken wir einen Bootsverleiher und fragen, ob wir eines der Tretboote mieten können, um unserem Besuch doch noch etwas Action hinzuzufügen. Leider sind die aber derzeit kaputt. Alle.

 

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