Toskana – Roadtrip & La dolce vita

Ein uns bisher unbekanntes Städtchen 30 Kilometer von Florenz entfernt ist der erste Stopp unserer Rundreise. Dabei sind wir weniger wegen der Sehenswürdigkeiten Pistoias hier gelandet, sondern vielmehr wegen des musikalischen Acts am Abend, der extra aus dem fernen Hawaii eingeflogen ist (wo wir im Übrigen auch gerne hingeflogen wären). Nach beinahe 8 Stunden Autofahrt kommen wir etwas erschöpft in unserem Hotelzimmer an, das sich zwar etwas außerhalb der Stadt befindet, dafür aber einen umso schöneren Ausblick zu bieten hat. Noch ein paar Stunden am Pool relaxen und dann soll es los gehen! Doch als es ans Koffer auspacken geht, muss meine bessere Hälfte mit Entsetzen feststellen, dass er seine Klamotten vergessen hat. Und zwar alle. Sie haben zwar ihren Weg in einen Kleidersack gefunden, doch dieser hat es weder in den Koffer noch ins Auto geschafft. Also auf in die Stadt, bevor die Geschäfte schließen. Alles, was bei diesem unfreiwilligen Shoppingtrip zutage kommt, ist allerdings eine Sonnenbrille (natürlich hat er die auch vergessen) und ein schnelles Abendessen in Form von einem Stück Pizza und einer Dose Bier (sehr stilvoll!). Dann müssen wir auch schon los auf den Domplatz, wo wir, trotz des holprigen Starts, einen wundervollen ersten Urlaubsabend mit Jack Johnson genießen.

Auf der Autofahrt nach Florenz legen wir erst einmal einen Zwischenstopp in einem Einkaufszentrum ein, wo Manu sich mit Schuhen (natürlich hatte er während der Fahrt nur Flip Flops an) sowie Hemden und Hosen eindeckt. Dann geht es endlich zur Wiege der Renaissance, wo wir nach einer verrückten Irrfahrt durch die Stadt (den letzten Rest legen wir auf einer nur für Busse zugelassenen Straße zurück, was die Polizei aber nicht besonders zu interessieren scheint) schließlich in unserem Hotel angelangen, das sich nur wenige Gehminuten von der berühmten Kathedrale Santa Maria del Fiore entfernt befindet. Bei einem ersten Spaziergang durch die Stadt orientieren wir uns grob und finden natürlich auch direkt den Weg zum besten Apérol Spritz bzw. Negroni. Als Beilage gibt es exzellente Antipasti, die natürlich ihren Preis hat.

Für den nächsten Morgen haben wir uns die Besichtigung der Kathedrale vorgenommen und sind schon früh auf den Beinen, um den Menschenmassen zu entgehen. Leider scheinen wir aber nicht die einzigen Deutschen in Florenz zu sein, da sich bereits eine Stunde vor der Öffnung eine gigantische Schlange vor der Kathedrale gebildet hat. Wir wollen bereits aufgeben, schließlich sind wir nicht in Florenz, um stundenlang irgendwo anzustehen (auch nicht für die berühmteste Sehenswürdigkeit der Stadt) als wir zufällig gerade in dem Augenblick am nebenan befindlichen Campanile di Giotto vorbeigehen, als dieser für Besucher geöffnet wird. Ohne warten zu müssen gelangen wir direkt hinein und können zudem gleich Tickets für alle anderen Sehenswürdigkeiten am Platz kaufen. Auf diese Weise genießen wir einen fabelhaften Ausblick auf die Stadt, bestaunen das Baptisterium mit Paradiespforte und goldenen Mosaiken und werfen durch den Seiteneingang auch einen Blick ins Innere der Kathedrale.

Als nächstes steht Michelangelos David auf dem Programm. Nachdem wir schon zwei Kopien am Piazza della Signorina und am Piazzale di Michelangelo bewundern konnten, soll es nun das Original sein. Also auf in die Accademia! Mein Reiseführer hatte uns bereits vorgewarnt, dass wir vermutlich nicht die einzigen sein werden, die sich in Florenz für Kunst interessieren, doch den Ratschlag, die Eintrittkarten am besten einige Tage oder sogar Wochen im Voraus zu reservieren, haben wir ignoriert. Dies bereuen wir allerdings schon, als wir uns noch gut einen Kilometer vom Eingang zur Accademia entfernt befinden. Dort endet nämlich die Schlange für den Kartenschalter. Doch Manus italienischem Charme sei Dank werden wir nach nur wenigen Minuten von einem Schwarzmarktverkaufer angesprochen (die scheint es wohl nicht nur bei italienischen Fußballspielen zu geben) und für einen lächerlichen Aufpreis von 5 Euro halten wir kurz darauf zwei Tickets in der Hand, mit denen wir die Kunstgalerie auch tatsächlich betreten dürfen. Trotz des herrlichen Sonnenscheinwetters verbringen wir einige Stunden zwischen Meisterwerken von Botticelli, Michelangelo, del Sarto und zahlreichen weiteren italienischen Künstlern. Das anschließende Mittagessen im gut versteckten Innengarten eines Restaurants haben wir uns verdient!

Am Vorabend haben wir eine weitere Übernachtung in Florenz gebucht und machen uns nun auf den Weg zu unserem neuen Hotel. Unser Zimmer ist leider nicht verfügbar, weshalb wir ein Upgrade auf eine 800 Euro teure Suite erhalten, die nicht nur über mehrere Räume, sondern auch über einen phantastischen Ausblick auf die Kuppel der Kathedrale verfügt. Heute scheint unser Glückstag zu sein!

Bald darauf geht es weiter mit der Erkundung der Stadt. Zunächst zieht es uns zur Ponte Vecchio, danach geht es zum Palazzo Pitti. Letzterer hat leider schon geschlossen, weshalb wir uns spontan in den nächstbesten Bus setzen und einen traumhaften Sonnenuntergang vom Piazzale Michelangelo mit Blick auf Florenz genießen. Der obligatorische – und in diesem Fall stark überteuerte – Apérol Spritz darf dabei natürlich nicht fehlen! Pünktlich zum Abendessen hat uns dann unser Glück verlassen: Wir landen in einer überteuerten Touristenabzocke mit schlechtem Wein und noch schlechterer Antipasti.

Den nächsten Morgen wollen wir noch ganz der Heimatstadt der Medici widmen und begeben uns in die Uffizien, wo wir unter anderem Boticellis Venus zu Gesicht bekommen. Die Kunstgalerie ist so unglaublich groß, dass man darin Wochen verbringen könnte und trotzdem noch Neues entdecken würde. Dennoch machen wir uns nach einem – viel zu kurzen – Aufenthalt in Florenz auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Siena.

Da wir unseren Aufenthalt in Florenz verlängert haben, bleibt für Siena nicht mehr viel Zeit. Aber immerhin einen Nachmittag wollen wir der im gotischen Stil gehaltenen Stadt widmen, die sich seit jeher in Rivalität mit Florenz befindet. Wir konzentrieren uns bei unserer Besichtigung auf den Dom und den Piazza del Campo. Letzteren finden wir nicht gleich auf Anhieb und sind daher umso erstaunter, wie sich solch ein riesiger Platz mitten in der Stadt verstecken kann. Unser Mittagessen genießen wir in einem kleinen Restaurant auf der Straße und machen uns anschließend auf den Weg ins Chianti.

Ob nun Florenz oder Siena? Trotz riesiger Touristenmassen und saftigen Preisen hat Florenz unsere Herzen erobert. Wer unter dem Schatten des düsteren und meist im Nebel liegenden gotischen Ulmer Münsters aufgewachsen ist, kann sich vorstellen, warum.

Der Weg ist das Ziel – auf keine andere Gegend trifft dies wohl mehr zu, als auf die Toskana. Auf unserer Fahrt zu dem kleinen Weingut in Castellina geht es über schmale, kurvige Straßen vorbei an Zypressen und wundervollen Aussichtspunkten mitten ins Chianti (als passionierte Weintrinker mussten wir der Gegend selbstredend einen Besuch abstatten). Das Gut befindet sich weit außerhalb und ist nur über eine ungepflasterte Straße, die durch den Wald führt, zu erreichen. Am Ende der Weges erwartet uns ein herrschaftlicher Gutshof aus dem 18. Jahrhundert. Eine freundliche Italienerin empfängt uns und zeigt uns das Anwesen und zum ersten – und leider auch einzigen! – Mal müssen wir in diesem Urlaub unsere Italienischkenntnisse auspacken. Als sie erfährt, dass wir uns in den Flitterwochen befinden, lässt sie zudem gleich eine Flasche Prosecco zu uns an den Pool bringen, wo wir es uns in der Nachmittagssonne gemütlich gemacht haben. Einziger Wermutstropfen: Das Restaurant des Hotels ist bis auf Weiteres geschlossen, weshalb aus unserem Plan, einen gemütlichen Abend auf dem Land zu genießen, nichts wird und wir ins einige Kilometer entfernte Castellina zurück fahren müssen. Trotz Lonely Planet-Empfehlung erwartet uns hier das schlechteste Abendessen unseres Urlaubs.

Nachdem wir von “unserem” Weingut doch recht begeistert waren, beschließen wir, noch eine weitere Nacht auf dem Land zu verbringen und fahren Richtung San Gimignano. Vier Kilometer von der Stadt entfernt kommen wir in einer liebevoll restaurierten Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert unter. Wir genießen einen entspannten Tag am Pool und erfahren beim Abendessen von unseren deutschen Nebensitzern, dass wir wohl echte Glückskinder sind: Das Hotel ist normalerweise Monate im Voraus ausgebucht, freie Zimmer eine wahre Rarität. Schließlich gesellen sich noch weitere Gäste dazu, sodass unser Abendessen zu einer feucht-fröhlichen Runde ausartet, die sich erst morgens um 4 zerstreut.

Mit brummendem Kopf geht es an diesem Morgen weiter Richtung Pisa. Kurz vor der Stadt mit dem bekannten Turm, in San Giuliano Terme, checken wir in ein neues Hotel ein. Leider scheinen Zigaretten und Alkohol am gestrigen Abend jedoch ihr Übriges getan zu haben und mein sowieso schon angeschlagener Ehemann ist nun richtig krank und kann dank schmerzendem Hals nicht einmal mehr sprechen. Da diverse Medikamente aus der Apotheke keinerlei Abhilfe schaffen, sondern den Zustand vielmehr verschlimmern, beschließen wir, einen Arzt aufzusuchen. Natürlich ist aber ausgerechnet heute Sonntag, sodass wir gezwungen sind, in das nächstgelegene Krankenhaus zu fahren. Dort warten wir dann. Und warten. Mit uns warten duzende weinende Kinder, genervte Eltern und kranke Großeltern. Nach vier Stunden auf der Wartebank ist immer noch kein einziger Patient an die Reihe gekommen und wir machen uns entnervt und ohne rettende Medikamente auf den Weg zurück zum Hotel, wo wir, nachdem wir uns zigmal verfahren haben, dann auch endlich ankommen.

Am nächsten Tag geht es Manu wieder etwas besser, sodass wir beschließen, unsere Erkundungstour durch die Toskana fortzusetzen. Nachdem wir am Vortag keine Gelegenheit hatten, die Sehenswürdigkeiten Pisas anzuschauen, steht dies nun ganz oben auf dem Programm. Nach einem kurzen Abstecher nach Lucca, wo uns ein leckeres Mittagessen erwartet, folgt in Pisa die allseits bekannte Irrfahrt durch die Stadt (wobei der Anblick des immer wieder im Hintergrund auftauchenden schiefen Turmes ein Schmunzeln auf unsere Gesichter zaubert). Schließlich gelangen wir endlich in unserem neuen Hotel an, das trotz seiner 5 Sterne durch die kleinsten Zimmer der Welt besticht. Dafür befinden wir uns mitten in der Stadt und machen uns bei anhaltendem Platzregen auf zum schiefen Turm. Die Besteigung lassen wir angesichts der Wetterbedingungen und der Touristenmassen, die hier noch zahlreicher vertreten zu sein scheinen, als irgendwo anders, ausfallen und konzentrieren uns lieber auf den Dom, den Camposante und das Baptisterium. In Letzterem gelangen wir genau rechtzeitig an, um dem Gesang der Wächter, der durch das besondere Echoverhalten ein ganz besonderes Erlebnis ist, zu lauschen. Nachdem wir mit der Besichtigung fertig sind, kommt die Sonne zum Vorschein, was uns dazu veranlasst, gemütlich durch die Stadt zu schlendern und ein Abendessen im Freien zu genießen.

Zurück soll es nun eigentlich durch die Schweiz gehen, um ein paar Tage in den Bergen zu genießen. Ein zufälliger Blick auf die Windschutzscheibe macht uns allerdings einen Strich durch die Rechnung: Meine Vignette ist weg! Ein Anruf zuhause bringt Aufklärung („Ich habe keine Vignette aus dem Auto genommen.“ … „Ja, hmm, da war so ein blöder Aufkleber auf der Windschutzscheibe, der hat mich beim Fahren gestört, den hab ich weggekratzt“) und uns auf direktem Weg nach Venedig…

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