Musandam – Fjorde Arabiens

Mit neuem Besuch im Zumurud Tower geht es dieses Mal auf zu neuen Ufern. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dieses Mal steht Musandam auf dem Programm.

Musandam ist eine Enklave des Oman und wird von den Vereinigten Arabischen Emirate umgeben. Vom restlichen Oman befindet es sich ganze 100 Kilometer entfernt, wohingegen bis zur Küstengrenze des Iran nur 70 Kilometer zurück gelegt werden müssen. Aufgrund der Lage an der nordöstlichsten Spitze der Arabischen Halbinsel ist die Enklave ein strategisch wichtiger Stützpunkt, war einst ein Piratenversteck und ist heute bei Schmugglern und ein paar wenigen Touristen beliebt. Erstere bringen Ziegen per Schnellboot aus dem Iran und tauschen diese dann gegen amerikanische Zigaretten. Angesichts der zahlreichen umherirrenden Ziegen, die einen nach dem Passieren der Grenze quasi hinter jeder Kurve erwarten, scheint dies ein florierendes Geschäft zu sein.

Wir haben uns allerdings nicht wegen Ziegen oder amerikanischen Zigaretten auf den Weg gemacht, sondern wegen Fjorden und Delfinen. Dass unser Auto bei der Abfahrt in Dubai von mehreren Regentropfen getroffen wird, ist kein gutes Zeichen, doch wir lassen uns den Ausflug nicht vermiesen und fahren durch Wüsten und Berge ans Ende der Arabischen Halbinsel. Nach dem Passieren der Grenze erwartet uns eine traumhafte Küstenstraße – traumhaft zumindest so lange, bis unser Blick aufs Wasser fällt. Aufgepeitscht durch den rauen Wind brechen riesige Wellen am Deich, der aber nicht alle davon auf der richtigen Seite zu halten vermag. Mehrmals werden wir von Wasserfontänen getroffen, zweimal müssen wir auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen, weil das Wasser über den Deich getreten ist und die Straße überschwemmt hat.

Dennoch kommen wir einigermaßen rechtzeitig in Khasab, unserem Ausflugsziel an. Aber wo ist hier nur der richtige Hafen? Dank der unterirdisch schlechten Beschreibung finden wir diesen natürlich nicht, nach ein paar Telefonaten werden wir dann aber über Stock und Stein und Sandpisten durch ein Tor hindurch zum Hafen gelotst, den wir allein garantiert niemals gefunden hätten. Mit 20 minütiger Verspätung sind wir dennoch die ersten auf der Dhow und werden gleich einmal vorgewarnt: „Might be a little bit windy today“ – okay, wir sind gespannt. 20 weitere Minuten später legen wir endlich ab und die Schiffschaukelfahrt kann beginnen. „Little bit windy“ war doch deutlich untertrieben und wir werden auf der Dhow, deren Bug nach jeder Welle mehrere Meter in die Luft geschleudert wird, bevor wir wieder mit einem lauten Knall auf dem Wasser aufsetzen, ordentlich durchgeschüttelt. An irgendwas festhalten ist die Devise und angesichts der nicht vorhandenen Schwimmwesten auch mehr als ratsam. Erst als wir die offene See hinter uns lassen und in die Bucht mit den zerklüfteten Felsen hineinfahren, können wir das Spektakel richtig genießen: Fjorde, wohin das Auge reicht, dazwischen kleine Beduinendörfer, die teilweise nur per Boot zu erreichen sind und nur wenige andere Touristen. Vorbei geht es an Telegraph Island, die im 19. Jahrhundert dank der von den Briten erbauten Telegraphenstation die Kommunikation zwischen England und Indien ermöglichte, hin zu unserem Schnorchelplatz. Gespannt gleiten wir ins Wasser, um die Korallenriffe und bunten Fische zu erkunden, von denen überall so geschwärmt wird. Aufgrund der unruhigen See haben wir aber leider nicht so viel Glück – zahlreiche Sandkörner verschleiern die Sicht und es lassen sich nur wenige Fische blicken. Außerdem scheint das Wasser hier noch salziger zu sein als in Dubai, denn es brennt ganz schön auf der Haut. Zumindest nehmen wir das an, bis ich direkt vor meiner Taucherbrille eine winzige Qualle gemütlich vorbeidriften sehe: kein Salz – Quallen!!! Diese werden anscheinend besonders gerne in stürmischen Nächten geboren – und Tausende von ihnen haben es dann auf arme Schnorchler wie uns abgesehen.

Nach dieser Entdeckung ist uns die Lust aufs Schnorcheln vergangen und wir begeben uns zurück auf die Dhow. Nachdem wir wieder Fahrt aufgenommen haben, lassen sich auch ein paar der versprochenen Delfine sehen, die heute aber leider nicht sehr in Spiellaune zu sein scheinen. Vermutlich liegt das aber an dem anderen Boot, das uns seit geraumer Zeit folgt und bei Erscheinen eines jeden Delfins mit Vollgas in dessen Richtung fährt, damit die laut kreischenden Touris an Bord die bestmöglichen Fotos schießen können. Irgendwann haben die Delfine von dem Idioten die Schnauze voll und verschwinden.

Nach 4 Stunden in der Bucht machen wir uns auf den Rückweg. Der Wind scheint noch mal ein paar Knoten zugenommen zu haben, das Geschaukel auf dem Rückweg hat es in sich. Schließlich werden die Wellen so hoch, dass bei einem Aufprall aufs Meer auch die Toilette unserer Dhow kapituliert und zerbricht. Für meine beiden inzwischen seekranken Begleiterinnen bleibt im Notfall jetzt nur noch die Reling und die Hoffnung auf Rückenwind. Schließlich legen wir unbeschadet – und ohne Blick über die Reling – wieder am Hafen an und nach einer kurzen Rehabilitationsphase geht es über die kurvige Küstenstraße zurück. Inzwischen hat der Wind nachgelassen und wo vorhin noch Wasser stand, erstrecken sich nun wundervolle, kilometerlange und vor allem menschenleere Strände, während sich zur Bergseite hin zahlreiche Ziegen auf den Weg nach Hause machen. 3 Stunden später sind auch wir daheim, wo wir vom Glitzern und dem Lärm Dubais empfangen werden. Der Kontrast zu der abgeschiedenen Enklave im Oman könnte größer nicht sein.

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