TataTRAM

Endlich ist sie da, die Tram. Mit nur 7 Jahren Verspätung  wurde sie fertiggestellt (zumindest teilweise) und ganz Dubai ist aus dem Häuschen. Das obligatorische Feuerwerk zur Eröffnung übertrifft sich mal wieder selbst und in den folgenden Tagen strömen nicht nur zahlreiche Einwohner und Touristen nach Marina, um das neueste Verkehrsmittel der Stadt live zu erleben, auch Autofahrer halten mitten auf der Straße an, um vorbeifahrende Trams mit ihren Handykameras für die Nachwelt festzuhalten – ungeachtet der Tatsache, dass durch solche Aktionen das sowieso schon labile Verkehrssystem in der Marina vollends zusammenbricht und das Ziel des Trambaus (Entlastung der komplett überlasteten Straßen) aufs Abstellgleis rollt.

Auch ich habe mich zwischen all dem Chaos aufgemacht, und der Tram nach einer ersten nicht überzeugenden Fahrt am Wochenende noch eine zweite Chance gegeben. Ziel: Marina Mall und zurück. Der Hinweg gestaltet sich noch ganz einfach, befindet sich mein Ziel doch nur eine Station entfernt. Die an jeder Kreuzung zur Überwachung der Tram aufgestellten Polizisten haben die Situation entschärft und es gibt auch deutlich weniger Vollbremsungen der Tram zu verzeichnen. Eine solche wird nämlich immer dann durchgeführt, wenn der Wüstenwind mal wieder Wasserflaschen oder anderen Unrat auf die Schienen geweht hat und der pflichtbewusste Tramfahrer aussteigen muss, um diesen aus dem Weg räumen.

Auch die neue Fußgängerbrücke, dank der man sein Leben beim Versuch, die Straße zur Marina Mall zu überqueren, nicht mehr aufs Spiel setzen muss, ist eine gute Sache. Wie so oft in Dubai, wurde die Sache aber nicht ganz zuende gedacht. Nach dem Überqueren der Brücke endet die Fußgängerfreundlichkeit nämlich, um in die Mall hineinzugelangen muss man die Autoauffahrt zum Parkhaus hinaufspazieren, wodurch mehrere beinahe Kollisionen mit um die Kurven heizenden Autos nur in allerletzter Sekunde vermieden werden können.

Nachdem ich meine Einkäufe erledigt habe und es auch ein zweites Mal wie durch ein Wunder unverletzt von der Auffahrt auf die Fußgängerbrücke und zur Tramstation geschafft habe, stehe ich nun vor einem weiteren Problem. Um zu meinem Ziel zu gelangen, muss ich eine Station zurückfahren, was im Tramsystem aber leider nicht vorgesehen ist: Es geht immer nur in eine Richtung. Nun gut, eine Runde mit der Tram zu drehen ist immer noch schneller als zu Fuß zu gehen, denke ich mir. Aber weit gefehlt!

Zunächst heißt es, in die richtige Tram einzusteigen. Und das ist leichter gesagt als getan. Während „meine“ Linie ihre Kreise entlang Marinas JBR dreht, fährt eine zweite Linie in den Bezirk Al Sufouh (und sogar zurück!); beide Linien fahren an der Station „Marina Mall“ vorbei. Leider wurde aber vergessen, die beiden Linien zu kennzeichnen. Durch Begutachtung der gigantischen Anzeigetafeln lässt sich lediglich erraten, wann die nächste Tram erscheinen wird (zumindest so ungefähr, hier gilt selbstverständlich die arabische Zeitrechnung), jedoch nicht, wo diese einen hinführen wird.

Glücklicherweise ist es die Aufgabe mehrerer Sicherheitsleute und Polizisten die Tramstation zu bewachen und ich frage nach: „Next Tram Sufouh“, erhalte ich als Antwort. Damit gebe ich mich nicht zufrieden und hake weiter nach, schließlich will ich wissen, wie man das als Fahrgast festellten kann. Der strahlende Security-Mensch erklärt stolz: „There is announcement in tram“. Aha. Ich mache in darauf aufmerksam, dass ich aber hier stehe und nicht in der Tram sitze und daher auch keine Durchsage hören kann. Das verwirrt ihn nun ein bisschen, er nestelt nervös an seinem Walkie Talkie rum, hält Rücksprache mit einem anderen Sicherheitsmann und meint dann: „Just ask security, we always know“. Dann verspricht er mir noch, dass die übernächste Tram mich an mein Ziel bringen wird. Kurz bevor diese in die Station einffährt, sprintet er nach draußen, kommt zurück und teilt mir dann mit zerknirschter Miene mit, dass auch diese nach Al Sufouh fahren würde. Und tatsächlich: Die Anzeige auf der Tram selbst sagt „Al Sufouh“. Leider kann man diese aufgrund der verspiegelten Scheiben der Haltestelle aber nur lesen, wenn man sich außerhalb der Station befindet. Um meine Theorie bestätigt zu wissen, frage ich nochmal bei dem freundlichen Sicherheitsmann nach, schließlich möchte ich wissen, ob auf „meiner“ Tram im Gegenzug „JBR“ auf der Anzeigetafel steht. „No, mamsir. For JBR-tram, no information.“ Und dieses Mal hat er recht: Die nachfolgende Tram weist keine Anzeige auf, ich steige ein und bin 20 Minuten später dann tatsächlich zuhause.

Übrigens: Trotz mancher nicht ganz bis ins Detail überdachter Feinheiten – die zukünftige Finanzierung der Tram ist gesichert: 30.000 Dirham (ca. 6.000 Euro) werden fällig, wenn man die Tram mit dem Auto gefährdet (sprich: Eine rote Ampel in Tramnähe überfährt), 1.000 Dirham, wenn man als Fußgänger an nicht markierten Übergängen die Schienen überquert. Und wir kennen ja unsere Dubaianer…

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