Hongkong – 24 Stunden fast in China

Auf einem Stoppover versuchen wir in nur 24 Stunden die schönsten Ecken Hongkongs zu entdecken. Auch wenn uns dabei einige Stolpersteine in den Weg gelegt werden (einmal sogar in Form von betrunkenen Elfen) und wir eigentlich gar nicht so viel von Chinas Sonderverwaltungszone zu sehen bekommen, sind wir restlos begeistert. Und das kam so:

Mit eineinhalb Stunden Verspätung gelangen wir nach einem sehr erholsamen Flug (der auch deutlich teurer war als ein unerholsamer Flug) in Chinas Sonderverwaltungszone an. Unser sowieso bereits sehr straffer Zeitplan wird trotz der anschließend sehr schnell verlaufenden Passkontrolle dadurch natürlich komplett über den Haufen geworfen. Im Eilschritt geht es daher zum MRT Airport Express, um aus den nunmehr nur noch 22 Stunden Aufenthalt das Beste zu machen. 160 HK$ ärmer, dafür aber nur 24 Minuten später befinden wir uns in Hong Kong Central und begeben uns auf die Suche nach unserem Hotel. Doch das ist leichter gesagt als getan. Bergauf, bergab und über hunderte Fußgängerbrücken geht es über die für uns Wüstenbewohner völlig ungewohnten Steigungen, dabei immer die beeindruckende Skyline auf der einen und die grünen Berge auf der anderen Seite im Blickfeld. Schließlich werden wir auf unserer Irrtour (langsam sind wir am Ende unserer Kräfte) von einem sehr alten und sehr netten Chinesen angesprochen, der uns wohl ansieht, dass wir „lost“ sind. Mit einer perfekten Wegbeschreibung im Kopf und einem Lächeln im Herzen (freundliche, offene Einheimische sind sowohl in Dubai als auch in der Schweiz rar gesät) stehen wir keine fünf Minuten später vor unserem Hotel. Dort hält unsere Glückssträhne an, denn aufgrund von Zimmerengpässen erhalten wir erst einmal ein Upgrade. Nun schlafen wir quasi inmitten der Skyline, vom angrenzenden Wohnzimmer aus fällt der Blick ins Grüne. Lange können wir den atemberaubenden Ausblick jedoch nicht genießen, schließlich haben wir noch einiges vor.

Also anziehen und raus! Glücklicherweise geht es nun bergab. Das Lächeln, das Hongkong in der kurzen Zeit bereits auf unsere Gesichter gezaubert hat, würde aber auch steile Kletterpartien problemlos überstehen. Denn selbst hier, mitten in der Stadt, blüht und grünt es an jeder Ecke, zahlreiche Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner spazieren und was uns am meisten begeistert: Alle sind zu Fuß unterwegs. Was in den meisten Teilen unserer Wahlheimat Dubai einem Selbstmordversuch gleich kommen würde, ist hier selbstverständlich und Freiheitsgefühl sowie Urlaubsstimmung werden immer größer.

Etwas getrübt werden diese jedoch beim Erreichen unseres ersten Ausflugsziels. Eigentlich wollten wir mit der Peak Tram zum Victoria Peak, der Sehenswürdigkeit schlechthin. Leider hat Lonely Planet (langsam sollten wir wirklich mal auf einen anderen Reiseführer umsteigen) aber vergessen zu erwähnen, wie beliebt die Aussicht von dort tatsächlich ist. Als wir an der Station angelangen, werden wir von einer gigantischen Menschenmasse und einem Schild empfangen, das auf mindestens eineinhalb Stunden Wartezeit verweist. Nachdem wir inzwischen sowieso bereits drei Stunden hinter unserem eigentlichen Zeitplan sind, streichen wir den Programmpunkt kurzerhand von unserer Liste. Ganz so traurig sind wir darüber nicht, ist dies doch ein exzellenter Grund, um Hongkong bald einen zweiten Besuch abzustatten.

Uns zieht es nun weiter zu den richtig hohen Wolkenkratzern, genauer gesagt zur Bank of China. Hier wollen wir die Aussicht auf die Stadt vom 43. Stock genießen. Normalerweise auch kein Problem. Leider hat Lonely Planet aber auch vergessen zu erwähnen, dass die Bank of China samstags bereits um 13 Uhr schließt. Natürlich ist heute Samstag, 14.30 Uhr. Da wir in Dubai in dieser Richtung doch ziemlich verwöhnt werden (Öffnungszeiten? Geschäfte können schließen?!) haben wir an eine solche Situation im Vorfeld natürlich keinen Gedanken verschwendet. Nun gut, nach der Streichung eines weiteren Programmpunkts unserer Liste sind wir mit unserem Zeitplan beinahe wieder gleichauf und wir können bei strahlendem Sonnenschein unseren nächsten Stopp ansteuern.

Der Weg zum Tea Museum führt uns durch den bezaubernden (zugegebenermaßen aber ziemlich kitschig dekorierten) Hong Kong Park, der mit seinen Koikarpfen und Schildkröten eine echte Attraktion ist. Nach der Museumsbesichtigung wollen wir Chinas Nationalgetränk natürlich auch kosten und lassen uns Dim Sums, Curries und weitere Köstlichkeiten zu unserem Yellow Tea servieren. Das kleine Restaurant neben dem Museum überzeugt uns nicht nur durch sein tolles Preis-Leistungsverhältnis, sondern nebenbei auch durch die profunde Tee-Beratung, die wir von der Kellnerin erhalten.

Durch die Häuserschluchten geht es im Anschluss weiter zur Metrostation, schließlich wollen wir auch noch ein paar Tempel besichtigen. Leider wird es schneller dunkel als erwartet und nachdem wir etwas durchs Handelsviertel geschlendert sind, beschließen wir, mit der Metro lieber direkt weiter nach Kowloon zu fahren. Dort kaufen wir auf dem Night Market zunächst einmal etwas Ramsch, wie es sich für gute Touristen gehört. Eine Winkekatze darf da natürlich nicht fehlen. Als wir den Night Market gründlich erkundet haben (in Dubai würde man für die Hälfte der angebotenen Waren erst mal im Gefängnis landen – vermutlich lebenslang) melden sich unsere Mägen wieder. Um die zahlreichen Touristenläden machen wir einen großen Bogen und schließlich entdecken wir in einer Seitenstraße ein Kleinod: Ein winziges Restaurant, ausschließlich chinesische Gäste und keine englischsprachigen Menüs. Da wollen wir hin. Zum Glück sind Bilder von ein paar Gerichten in den Menüs integriert, sodass wir uns problemlos was aussuchen können. „Tiger Beer“ versteht der Kellner auch so. Wie zu erwarten, ist das Essen exzellent, lediglich das Bier hätten wir weglassen sollen. Der Besuch von Toiletten in chinesischen Restaurants ist nämlich nicht zu empfehlen.

Anschließend geht es für uns weiter zum Pier, wo wir die Skyline von Hongkong bestaunen und mit der Star Ferry zu einem lächerlich günstigen Preis übersetzen nach Central Island. Zu Fuß geht es über die sieben Berge wieder zurück zu unserem Hotel. Auf dem Weg dorthin torkeln uns an einer Straßenecke ein paar betrunkene Elfen und Weihnachtsmänner mit britischem Akzent entgegen. Die scheinen wohl auch Verursacher des Chaos zu sein, das wir am nächsten Morgen an besagter Straßenecke vorfinden. Diese hat sich über Nacht nämlich in einen gigantischen Müllberg verwandelt, dem selbst die bereits angerückte Putzkolonne kaum Einhalt zu gebieten vermag.

Plötzlich erhebt sich ein Nikolaus aus dem Müllberg und macht sich, noch etwas benommen von seiner Wiederauferstehung, torkelnd auf den Heimweg. Auch für uns heißt es nun Abschied nehmen, doch wir werden nicht das letzte Mal in Hongkong gewesen sein. Denn obwohl auf dieser Reise so ziemlich nichts von unserer Planung geklappt hat, hat uns die Stadt restlos in ihren Bann gezogen!

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Shaoshi sagt:

    Ist ja lustig. Die betrunkenen Weihnachtsmänner sind uns auch über den Weg gelaufen. Sind die da so was wie eine Institution? 😉

    1. tah87 sagt:

      Wer weiß, vielleicht finden dort an den Wochenenden ja regelmäßig Saufgelage für Weihnachtsmänner und Elfen statt. Müsste man mal recherchieren 😉

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