Oman – Abenteuerreise durch das Land des Sultans

Der Oman begeistert nicht nur mit seinen freundlichen Einwohnern, sondern auch mit seiner wundervollen Natur. Neben grünen Bergen, Wüsten, Felsen, Meer und Traumstränden sind es vor allem die Wadis, die uns in ihren Bann gezogen haben. Die ausgetrockneten Flussläufe ziehen sich durch zerklüftete rote Felsen und entlang der Pools, in denen sich das Wasser sammelt, wachsen Palmen, Feigenbäume und bunte Blumen. Um die ungewöhnlichen Oasen zu erkunden, haben wir uns aufgemacht in das Sultanat, zu einem ganz besonderen Abenteuerurlaub.

“Fahr schneller”, feure ich Manu mit einem Blick auf die Uhr an. Doch der allabendliche Stau auf Dubais größter Straße bremst uns wieder aus. Mit 30-minütiger Verspätung fahren wir mit quietschenden Reifen zur Einfahrt meiner Freundin Rebecca ein, von wo das Abenteuer dieses Wochenende starten soll. Schnell wird der Inhalt unseres Kofferraums in ihren Wagen verfrachtet, der nun vollgestopft ist mit Taschen, Lebensmitteln, Zelt, Stühlen und allerlei anderen, überlebenswichtigen Dingen. Nach einer kurzen Verabschiedung kann unser Abenteuer-Mädels-Wochenende dann auch endlich beginnen. Zuvor müssen wir aber noch den restlichen Teil unserer, uns bisher unbekannten Reisegruppe finden, die wir übers Internet kennengelernt haben (das klingt jetzt dubioser, als es eigentlich war). Vor Dubais größtem Einkaufszentrum mit chinesischen Importwaren machen wir uns auf die Suche und finden auf dem großen Parkplatz auch bald eine Gruppe von Leuten, die ihre SUVs kreuz und quer über die Straßen geparkt haben. Hier muss der Treffpunkt sein. Wir parken unseren Kleinwagen im gleichen Stil dazu und sehen uns mit zweifelndem Blick an: Wird uns der klapprige Chevrolet auf den bevorstehenden 1.500 Kilometern die Treue halten (und nicht im Sand versinken)? Unsere Reisegruppe besteht aus Campingfreunden aus der ganzen Welt, die unter anderem aus Syrien, Polen, England, dem Iran, Jemen, Palästina usw. stammen. Genauso unterschiedlich wie die Herkunft unserer Reisebegleiter ist ihre Vorbereitung auf den Trip. Während ein Mädchen fragt, wo sie denn am besten noch Wasser besorgen könne (WIR standen am Tag zuvor 10 Minuten im Supermarkt vor dem Wasserregal und haben uns überlegt, ob 32 Flaschen wohl ausreichen würden), hat einer der größten SUVs neben Walki Talkies zur besseren Verständigung sogar eine mobile Umkleidekabine dabei. Gegen 20.30 Uhr (abgemacht war 18.30 Uhr) geht es dann endlich los. In einer geordneten Kolonne soll es bis zur omanischen Grenzen gehen. Leider haben wir unseren Vordermann aber bereits beim Verlassen des Parkplatzes verloren, da wir irrtümlich einem falschen Auto hinterher gefahren sind. Als wir dies nach zehn Minuten bemerken, beschließen wir, die anderen einfach an der Grenze wiederzufinden. Müssen wir aber dann gar nicht, da die zwölf Autos auf der Autobahnauffahrt mit Warnblinkern bereits auf dem Seitenstreifen auf uns warten. Die Fahrt zur Grenze verläuft dann auch recht unspektakulär (wenn man einmal von den zahlreichen Stopps an diversen Tankstellen auf der nicht mal zweistündigen Strecke absieht). Nach dem Passieren von gefühlt 1000 Check-points (die im Gegensatz zu meinem letzten Ausflug in den Oman vor knapp zwei Jahren auch alle besetzt sind), dem Abholen des Ausreisestempels sowie des „small paper where“ gelangen wir gemeinsam mit einem britischen Pärchen als erste an der Visastelle an. Fünf Minuten später haben wir vier auch bereits den benötigten Stempel im Pass. Wir. Was danach folgt, ist die reinste Odysee. Nachdem die anderen erst 45 Minuten später eintreffen, da sie die Tankstellen im Niemandsland erkunden wollten, muss das erste Auto auch direkt wieder umkehren, da einer der fleißigen Grenzbeamten vergessen hat, den benötigten Ausreisestempel im Pass einer Mitreisenden zu verewigen. Doch damit nicht genug: Einem weiteren Mitglied unserer Truppe wird der Einreisestempel verweigert, da er angeblich das falsche Dubai-Visum besitzt – mit dem er zwei Wochen zuvor noch ohne Probleme in den Oman einreisen konnte. Es dauert ganze zwei Stunden und erfordert etliche Telefonanrufe bei verschiedenen Behörden, bis wir es schließlich schaffen, dass unsere Gruppe komplett in das Sultanat einreisen darf. Nach zahlreichen weiteren Tankstellenstopps zum Quatschen, Rauchen und Wasser kaufen, dem Einfangen eines fehlenden Autos, das auf der schnurgeraden Strecke nach Muscat aus Versehen einen U-Turn gemacht hat (wir waren dieses Mal nicht Schuld!!) sowie ca. sieben unfreiwillig geschossenen Fotos haben wir unser Ziel endlich erreicht. Statt wie geplant 2 Uhr morgens ist es inzwischen allerdings 5.30 Uhr, die Luftfeuchtigkeit beträgt ca. 100 Prozent und es hat beinahe 40 Grad. Doch damit nicht genug: Der versprochene Campingplatz in Bammah stellt sich als wilder Strand heraus, an dem es nichts gibt, außer Sand und Wasser. Da wir auf unserer Anreise gefühlte 100 Tankstellenpausen mit den obligatorischen Toilettenbesuchen eingelegt haben, wollen wir uns diesem Problem allerdings erst am nächsten Tag widmen und legen uns völlig erledigt in unser Zelt. Dort bleiben wir aber nur ca. 45 Minuten – bis die Sonne aufgeht. Mit dem Erscheinen dieser wird es in unserer sowie schon stickigen Unterkunft unerträglich heiß und wir baden praktisch in unserem eigenen Schweiß – das einigermaßen kühle Meer zwei Schritte entfernt kommt da wie gerufen. Aufgrund der unerträglichen Hitze vermuten wir, dass es bereits 10 oder 11 Uhr sein muss und machen uns bereit zur Abreise, um Wadi Shab zu erkunden. Leider ist es aber erst 7 Uhr und unsere arabischen Begleiter haben es alles andere als eilig. So wird fleißig Tee getrunken, Shisha geraucht und mit Speeren nach Fischen geworfen, bis es schließlich 11.30 Uhr ist und wir uns auf den Weg machen.

Pünktlich zur größten Mittagshitze gelangen wir bei 45 °C beim Wadi an und machen uns auf den Weg zu einer Höhle, die angeblich nur 45 Minuten Fußmarsch entfernt sein soll. Aus den 45 Minuten werden leider zwei Stunden, in denen wir zahlreiche natürliche Süßwasserpools passieren, an denen wir aber nicht pausieren können, da es unsere Guides auf einmal sehr eilig haben. Hundemüde und kurz vor dem Hitzschlag schleppen wir uns durch die Felsen, entlang alter Wasserkanäle und vorbei an blühenden Sträuchern und Bäumen. Doch all der Schweiß und die Anstrengung haben sich am Ende gelohnt: Der Sprung in das kühle, erfrischende Nass des letzten Beckes ist für alle wohl das schönste Bad des Lebens und nachdem wir uns ausgiebig akklimatisiert haben, geht es schwimmend weiter zum nächsten Highlight von Wadi Shab. Bei diesem handelt es sich um eine Höhle im Berg, die man über das Wasser durch einen schmalen Felsspalt erreichen kann. Das Wasser in der Höhle leuchtet aufgrund des Sonnenlichts, das durch ein kleines Loch in der Decke ins Innere gelangt, in den schönsten Blau- und Grüntönen und der Wasserfall perfektioniert die einmalige Atmosphäre, die dieses natürliche Kleinod versprüht. Wadi Shab ist wirklich eines der beeindruckendsten Naturphänomene im Mittleren Osten und die Tatsache, dass sich bisher kaum Touristen in die Tiefen des Sultanats verirren und man statt ausgewiesenen Touristenwegen alten Ziegenpfaden und dem ausgetrockneten Flussbett folgt und so manche Kletterpartie nötig ist, um ans Ziel zu gelangen, machen das Erlebnis nur umso schöner und authentischer.

Nach diesem wundervollen Erlebnis fahren wir erschöpft aber glücklich zurück zu unserem Camp (die Sache mit der fehlenden Toilette hat sich inzwischen auch erledigt, da wir auf unserer Wanderung durch das Wadi jegliche Körperflüssigkeit durch Schwitzen verloren haben). Zur Melodie arabischer Trommeln und dem süßlichen Geruch von Shishapfeifen genießen wir ein wundervolles Barbecue und legen uns anschließend unter dem schönsten Sternenhimmel direkt an den Strand zum Schlafen (unser Zelt besitzt inzwischen nur noch die Funktion eines Abstellraums), wo es sich bei einer Brise nun sehr gut aushalten lässt.

Früh am nächsten Tag werden wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und nach einem erfrischenden Bad im Meer packen wir unser neues, inzwischen lieb gewonnenes Zuhause wieder in Rebeccas Auto. Gerade als wir überlegen, wo wir den angefallenen Müll am besten verstauen können, kommt eine Putzkolonne!!! an dem wilden Strand vorbei, nimmt all unseren Abfall mit und festigt damit unsere Annahme, dass der Oman das letzte, richtige Märchenland auf diesem Planeten ist. Inzwischen haben wir uns auch daran gewöhnt, dass die Vorbereitung zum Aufbruch bei den meisten unserer Mitreisenden etwas mehr Zeit erfordert und so warten wir geduldig, bis es weiter geht zum nächsten Programmpunkt. Gegen 11 Uhr sind schließlich alle Zelte, Umkleidekabinen und Shishas in den riesigen SUVs verstaut und wir können uns auf den Weg machen. Erster Stop ist Bimmah Sinkhole, das im Gegensatz zu Wadi Shab von etwas mehr Touristen besucht wird. Doch wir haben Glück und außer uns und einer weiteren kleinen Gruppe findet sich an diesem Tag niemand an dem 40 mal 20 Meter großen Loch ein, das mit kristallklarem Wasser gefüllt ist. Die tatsächliche Tiefe der Senkgrube ist bis heute nicht bekannt, was seinem Beinamen „Haus des Dämons“ gleich eine ganz andere Bedeutung verleiht. Nichtsdestotrotz genießen wir es, in dem kühlen Nass zu schwimmen, während ein paar Wagemutige sich von den Felswänden ins Wasser hinunterstürzen oder sich von kleinen Fischen die Hornhaut von den Füßen fressen lassen.

Viel zu kurz ist die Zeit, die wir in dem türkisblauen Wasser verbringen können, doch es wartet noch ein weiterer Stopp auf uns. Auf halbem Weg müssen wir den Chevrolet, der uns trotz aller Zweifel bisher treu seinen Dienst geleistet hat, stehen lassen und uns in einen der SUVs quetschen. Denn nun geht es runter von der Straße und steile, schmale Bergsträßchen hinauf, die unser Auto wohl nicht überlebt hätte. Beinahe 20 Kilometer geht es durch die Berglandschaft, vorbei an kleinen Dörfern und Ziegenherden, bis wir schließlich Wadi Arbayeen erreichen. Außer uns haben sich nur zwei weitere Autos an diesen abgelegen Ort verirrt, an dem karge Berghänge, sattgrüne Wiesen und türkisblaues Wasser eine einmalige Farbkombination bilden. Nach einer Kletterpartie gelangen wir an einen besonders schönen Süßwasserpool, der mit seinem kleinen Wasserfall und der runden Form beinahe so aussieht, als wäre er von Menschenhand erschaffen worden. Es ist der perfekte Ort, um sich von den Strapazen der letzten Tage zu erholen und genau das machen wir auch, bevor wir uns im Anschluss wieder auf den Heimweg nach Dubai machen müssen.

Ein großes Dankeschön geht an die ehrenamtlichen Organisatoren dieses Ausflugs, die es geschafft haben, einen Trip zu kreieren, der vor Highlights nur so strotzt und definitiv Lust darauf macht, noch viel mehr vom Oman zu erkunden.

 

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