Kyoto – Stadt der Tempel

In Tokio startete unsere Reise. Nach drei Tagen in der Hauptstadt katapultierte uns der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen mit 320 Sachen in eine andere Welt. Während wir in Tokio auf moderne Wolkenkratzer, verrückte Stadtviertel und noch verrücktere Einwohner trafen, wagten wir in Kyoto einen Sprung zurück in die Vergangenheit. Historische Tempel, alte Traditionen und auch ein Stückchen Natur ließen uns in ein ganz anderes Japan eintauchen, das wir so nicht erwartet hatten.

Bei unserer Ankunft in Kyoto dreht sich mal wieder alles ums Essen. Nach der langen Fahrt mit dem Shinkansen und der anschließenden noch längeren Suche nach unserem Hotel ist das aber auch nicht verwunderlich. Kurzerhand begeben wir uns in uns in ein belebtes Stadtviertel und inspizieren einige Restaurants, bevor wir uns für die Kette Donguri entscheiden. An einer langen Theke sind heiße Stahlplatten eingelassen (Teppanyaki), auf denen das Essen direkt vor unseren Augen zubereitet wird. Neben Yamwurzeln, gegrillten Okotpusarmen, Lotuswurzeln mit Shrimps, Gyozas und Yakisoba-Nudeln probieren wir auch die Spezialität des Hauses, die pfannkuchenähnlichen Okonomiyaki. Wie zu erwarten schmeckt alles fabelhaft, besonders da wir uns auch die „lokalen“ Getränke High Ball (Whiskey gemischt mit Wasser) sowie ein Rotwein-Wasser-Lidschi-Gemisch (酎ハイ・赤) einverleiben.

Kosten: 3-Gänge-Menü ab 1.800 Yen

Shoren-in Tempel

Am nächsten Morgen begeben wir uns nach einem kurzen Frühstücksstopp in Amerikas beliebtestem Milchladen (Kaffee beinhalten die überbewerteten Heißgetränke leider nur in vernachlässigbarer Menge) zum ersten Tempel auf unserer Liste. Im Nachhinein gesehen war es auch unser schönster Tempelbesuch. In Anbetracht der gigantischen Touristenmassen, von denen man in den bekannteren religiösen Stätten empfangen wird, geht es hier sehr viel ruhiger zu, sodass man die stille Atmosphäre auf sich wirken lassen kann. Der buddhistische Tempel befindet sich im Stadtteil Higashiyama und kann aufgrund der gigantischen Bäume, die den Eingang säumen, nicht verfehlt werden. Auf Tatamimatten sitzend kann man bei einem Tee den Blick in den wundervoll angelegten Garten genießen, in dessen Mitte sich ein Seerosenteich befindet. Von dem kleinen Bambushain hinter dem Teich sieht man den Komplex von oben.

Kosten: 600 Yen pro Person | Öffnungszeiten: 9 – 17 Uhr

Kiyomozu-dera

Der Kontrast zu der friedvollen Ruhe im Shoren-in Tempel könnte größer nicht sein. Kiyomozu-dera empfängt uns mit einem unglaublichen Geräuschpegel und einer gewaltigen Menschenmasse, von der sich der weibliche Teil fast ausnahmslos als Geisha verkleidet hat. Auf dem Weg zum Tempel, der sich auf einer kleinen Anhöhe befindet, haben wir keine andere Wahl als der Menschenmasse stur durch die engen Gässchen zu folgen, wir werden mit dem Strom beinahe mitgerissen. Inzwischen ist uns klar, weshalb uns Tokio verhältnismäßig leer erschien: Alle Einwohner der Millionenmetropole treffen sich gerade hier in Kyoto, um die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Das ist wirklich schade, weil wir so von den atmosphärischen Sträßchen und Gässchen, den historischen Gebäuden und den traditionellen Geschäften, die den Weg zum Tempel säumen, nichts zu sehen bekommen, da sie vor Menschen überquellen. Trotz des riesigen Ansturms geht der Ticketkauf verhältnismäßig schnell und wir wagen uns nach einer kurzen Lagebesprechung schließlich doch in das Innere des riesigen Komplexes. Eigentlich gibt es in dem Tempel, der erstmals 798 errichtet und inzwischen mehrfach rekonstruiert wurde, einiges zu sehen. Für uns bleiben die Schätze des Buddhistentempel an dem heutigen Tag allerdings verborgen. So ist es unmöglich, mit geschlossenen Augen zwischen den beiden Love Stones entlangzugehen, wie es Tradition ist. Schließlich kann man die beiden Steine nicht einmal mit offenen Augen ausmachen. Es ist einfach zu voll hier. Aus diesem Grund beschränken wir uns auf einen kurzen Rundgang durch Kyotos beliebtesten Tempel mit dem Fazit, dass der Anblick von außen in diesem Fall auch genügt hätte.

Kosten: 300 Yen | Öffnungszeiten: 6 bis 18 Uhr

Kyoto Station

Nach so viel Tradition dürstet es uns nach etwas Modernem. Zudem haben wir Hunger. Kurzerhand begeben wir uns zur Kyoto Station, da unser nächstes Ziel ohnehin eine kurze Zugfahrt entfernt ist. Da wir einen Tipp erhalten haben, fahren wir in dem futuristischen Gebäude ganz nach oben in den 11. Stock. Dies ist übrigens gar nicht so einfach, wenn man wie wir, die Rolltreppe nimmt, die irgendwo im achten Stock eines Kaufhauses endet. Es folgt eine endlose Suche nach weiteren Treppen –  im Notausgang-Treppenhaus werden wir schließlich fündig. Die Sucherei hat sich aber gelohnt. Von der Skybridge genießt man einen tollen Ausblick auf die Stadt und zudem gibt es hier oben einen ganzen Bereich, der sich ganz allein der Lieblingsspeise meines Mannes widmet: Ramen. Die Bestellung des japanischen Nudelgerichts unterscheidet sich allerdings etwas von den europäischen Gewohnheiten. So wählt man an einem Automaten, der sich vor dem Restaurant befindet, zunächst aus, nach was es einen gelüstet (hier ist es hilfreich, nach einem Automaten mit englischen Tasten Ausschau zu halten), zahlt und präsentiert dem Kellner anschließend die Quitting. Das Essen wird dann von Robotern an den Tisch gebracht 😉

Kosten: Ausblick umsonst | Ramen ab 550 Yen

Nanzen-ji

Frisch gestärkt geht es zur letzten Station des Tages, dem Tempel Nanzen-ji. Der Tempel selbst wurde von Lonely Planet hoch gelobt, was wir aber nicht so ganz nachvollziehen können. Irgendwie erinnert uns das Gebäude an eine etwas bessere Scheune. Doch gibt es ja auch noch den Zen-Garten, der von unserem Reiseführer in den Himmel gepriesen wird. Nun ja. Irgendwie war der Garten des Shoren-in Tempels beeindruckender. Vielleicht liegt es aber auch nur am inzwischen etwas trüben Wetter, dass sich unsere Begeisterung in Grenzen hält…

Kosten: Tempel gratis | Gärten 250 Yen

Arashiyama Bamboo Grove

Am nächsten Morgen (das Frühstück haben wir heute wohlweislich auf einen Supermarktbesuch beschränkt) haben wir uns die etwas weiter entfernten Sehenswürdigkeiten vorgenommen, nichtsahnend, dass der Tag damit zum Marathon werden wird. Bei unserem ersten Halt möchten wir endlich Japans Natur erkunden. Zumindest dachten wir das. Zunächst werden wir aber statt von Bambus- von einem Schilderwald empfangen und stapfen anschließend mit zahlreichen weiteren Naturfanatikern über gepflasterte Wege, die von Zäunen begrenzt und von Eisenbahnlinien durchkreuzt werden. Nun gut, zumindest wenn man nach oben in das dichte Bambusblätterwerk blickt, fühlt man sich wie in der tiefsten Wildnis Asiens…

Kosten: gratis | Öffnungszeiten: Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

Tenryu-ji

In dem im Bambuswald befindlichen Tempel sieht es hingegen schon deutlich besser aus. Belohnt werden wir hier mit dem mit Abstand schönsten Garten Kyotos, dessen Mitte ein riesiger Koikarpfenteich schmückt. Und rund um den Teich finden wir schließlich auch unser gesuchtes Stück Natur, das aus zaun- und grenzenlosen Bambusbäumen besteht.

Kosten: 600 Yen | Öffnungszeiten: 8.30 bis 17.30 Uhr

Okochi Sanso

Schließlich werden wir von einem weiteren Touristenmagnet im Bambuswald angezogen, um den wir aufgrund des hohen Eintrittspreises eigentlich einen Bogen machen wollten. Ein restlich begeistertes, amerikanisches Pärchen hat uns jedoch dazu überredet, diesem Kleinod einen Besuch abzustatten. Hierbei handelt es sich um die Villa eines in Japan berühmten Schauspielers. Beim Schlendern durch den weitläufigen Garten kann man manch schönen Blick auf das Tee- und Wohnhaus sowie auf Kyoto erhaschen. Zum Abschluss gibt es noch grasgrünen Grüntee (der so schmeckt wie er klingt) und Kuchen. Insgesamt ein schöner Abstecher, der allerdings nicht ganz mit dem kleineren Tenryu-ji mithalten kann.

Kosten: 1000 Yen | Öffnungszeiten: 9 bis 17 Uhr

Fushimi-Inari Taisha

Im Anschluss geht es über die Kyoto Station mit dem JR weiter zu Fushimi-Inari Taisha. Bei den Wegen rund um den Tempel handelt es sich um die beeindruckendsten, die wir bis jetzt gesehen haben, da sie durch abertausende rote Tore führen, die von mehreren Steinfüchsen bewacht werden. Nach der ersten Kurve finden wir ein paar Stufen, die weg vom Trubel führen (auf dem dazugehörigen Schild steht „Kyoto Trail“) und auf einmal stehen wir – ganz allein – mitten in einem Bambuswald. Wer wenig Zeit hat, kann sich den Besuch von Arashiyama getrost sparen und einfach hier einen Abstecher zum Bambus unternehmen. Da wir nicht genau wissen, wo der Weg hinführt und wir bis jetzt kaum etwas vom Tempel gesehen haben, machen wir nach ca. zehn Minuten kehrt und befinden uns bald wieder zwischen all den anderen Touristen. Von diesen schaffen es aber nur ein paar wenige – immerhin hat es über 30 °C – die mehr als tausend Stufen hinauf (mein Mann gehört nicht dazu). Beinahe vier Kilometer führt der Weg bis zur Spitze des Berges hinauf wo ich – inzwischen fast allein – den Anblick nach unten genießen kann.

Kosten: gratis | Öffnungszeiten: Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

Barbesuch in Kyoto

Man sollte meinen, dass es für uns nach diesem fußmarschlastigen Tag nur noch eine Sehenswürdigkeit, nämlich unser Hotelzimmer, gibt. Doch wir lassen uns von Erschöpfung und Blasen an den Füßen nicht unterkriegen und marschieren abends tapfer weiter durch Kyotos Straßen auf der Suche nach einer Bar. Da es inzwischen für japanische Verhältnisse recht spät ist (nach 21 Uhr), ist die Suche ziemlich mühsam. Beinahe überall sind die Bordsteine hochgeklappt, die Straßen menschenleer – und wir auf der verzweifelten Suche nach einem Drink. Doch unser Glück hat uns nicht verlassen und schließlich stehen wir vor ihr, der Bar ohne englischen Namen. Wie so vieles in Japan ist sie winzig und wir werden auch erst einmal wieder rausgeschickt. Derzeit gibt es keinen freien Tisch und ohne festen Platz darf man aufgrund der geringen Größe des Ladens auch nicht drin warten. Nach einer halben Stunde ist es dann aber schließlich so weit. Wir dürfen uns zu den anderen Gästen stehend an die Bar gesellen (Tische und Stühle sucht man hier vergeblich) und freuen uns auf unsere wohlverdiente Belohnung in Form von Alkohol. Als wir unsere Drinks bestellen möchten, werden wir informiert, dass nur zu trinken bekommt, wer auch etwas isst. Sehr vorbildlich diese Japaner. Also gibt es kurzerhand Octopus, Edamame und andere kleine Köstlichkeiten zu unserem Sake dazu. Kurz darauf werden wir von unseren japanischen Barnachbarn entdeckt und wie bereits in Tokio wird der Abend damit interessant. Das Pärchen spricht sogar etwas englisch, sodass wir uns unterhalten können. Es endet in altbekannter Weise und wir müssen  die Lieblingsgerichte der beiden probieren, wobei wir abermals ganz neue Seiten der japanischen Küche entdecken. Bei Reisbällchen, getrocknetem Lachs, unbekannten Früchten, Ladyfingers und eingelegten Auberginen revanchieren wir uns für die Köstlichkeiten mit ein paar Runden Sake, die bei unseren neuen Freunden allerdings deutliche Spuren hinterlassen. Auch wir kommen nicht ungeschoren davon, erfahren wir doch bei einer anschließenden Internetrecherche, dass wir soeben Aal gekostet haben. Von wegen Auberginen…

Kosten: 400 Yen (kalter Sake), 500 Yen (warmer Sake)

Niijo-jo Castle

Der letzte Morgen in Kyoto will genutzt sein! So begeben wir uns trotz strömenden Regens zum Schloss, das sich von unserem Hotel praktischerweise nur eine Haltestelle entfernt befindet. Das Wetter hat auch einen positiven Effekt und wir sind fast allein in dem Schloss und den angrenzenden Gärten unterwegs, obwohl es sich eigentlich um eine der meist besuchten Attraktionen der Stadt handelt. Darüber hinaus entdecken wir bei der Schlossbesichtigung vor uns ein paar Leute mit einem deutschsprachigen Reiseführer. Wir hängen uns unauffällig dran und kommen so in den Genuss von detaillierten Informationen über das Niijo-jo, das 1603 errichtet wurde. So erfahren wir auch, dass es sich bei den meisten der kunstvollen Wandverzierungen leider um Reproduktionen handelt. Dafür ist der Klang des Nachtigallfußbodens echt. Quietschend geht es also weiter über die weitläufigen Flure, bis wir im Schlossgarten angelangt sind. Diesen haben wir nun tatsächlich ganz für uns allein und so können wir völlig unerwartet eine von Japans größten Touristenattraktionen ganz ohne (andere) Touristen genießen. Anschließend geht es weiter zum Shinkansen, schließlich steht Kobe als nächster Ort auf der (Speise-)karte.

Eintritt: 600 Yen | Öffnungszeiten: 8.45 bis 17 Uhr

Klos

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