Mount Fuji – Gora

Die letzte Station unserer Japanreise führt uns zum wohl bekanntesten Wahrzeichen des Landes, dem 3.776 Meter hohen Mount Fuji. Doch obwohl es uns direkt zu seinem Fuß, in das idyllische Bergdörfchen Gora verschlägt, bekommen wir den Vulkan nicht zu Gesicht. Schwere Nebeldecken und Wolken verdecken die Sicht und der strömende Regen, der uns von Kobe hierher gefolgt ist sowie vulkanische Aktivität führen dazu, dass die Wanderwege zum Berggipfel gesperrt sind. Glücklicherweise haben wir dieses Mal ein anständiges Hotel gebucht, das sogar über hauseigene, heiße Quellen verfügt.

Die Anreise nach Gora erfordert ein wenig Geduld, denn der Schnellzug Shinkansen bringt uns nur bis zum Städtchen Odawara. Von dort geht es nur noch im Schneckentempo voran, zunächst mit einer Bummelbahn nach Yamoto und von dort mit einem Bergbähnchen (deren Schwesternzug sich übrigens in der Schweiz befindet) schließlich weiter bis zur letzten Station nach Gora. Da unser Hotel leider von außen nicht als solches ersichtlich ist (es befindet sich nur ein Klingelschild in japanischen Schriftzügen davor) benötigen wir im Anschluss weitere 30 Minuten, bis wir es endlich gefunden haben. An der Rezeption angekommen, werden wir dafür positiv überrascht. Unsere Schuhe und Jacken werden uns abgenommen und wir dürfen unsere Füße in dem heißen Fußonsen bei einem Glas Champagner aufwärmen. Daran könnte man sich gewöhnen! Um das Ryokan-Erlebnis (so werden die traditionellen, japanischen Gästehäuser genannt) zu komplettieren, liegen auch bereits die entsprechenden Utensilien bereit. So gibt es nicht nur Bastschuhe und passende Socken, wir dürfen uns auch aus einer bunten Auswahl einen Yukata aussuchen. Dabei handelt es sich um einen schlafanzugähnlichen Kimono – wer das Ding mal probiert hat, plädiert danach unter Garantie auf eine Yukata-Pflicht in Europa – es ist einfach zu bequem!! Leider habe ich mich für das schönste Modell entschieden, das sich beim Umziehen auf dem Zimmer als mindestens einen Meter zu lang erweist. Kurzerhand schleiche ich mich also heimlich wieder runter zur Rezeption (der Manager begrüßt glücklicherweise gerade eine Gruppe neuer Ankömmlinge) und tausche den Yukata unauffällig gegen ein passendes Modell aus. Dann kann es endlich los gehen mit der Entspannung. Wir haben Glück und einer der „Privat-Onsen“ ist gerade frei und so genießen wir in einem überdimensionalen hölzernen Badezuber, der sich auf einem Balkon befindet, nicht nur das heilende Wasser, sondern auch den Ausblick auf die verregnete Landschaft. Nach einer kurzen Pause geht es dann direkt weiter in den Hot Stone Onsen, wo wir auf aufgeheiztem Vulkangestein entspannen können. Das Repertoire des Hotels ist damit aber noch nicht erschöpft. Nach einem kurzen Abstecher zum Fuß-Onsen mit seiner vielfältigen Getränkeauswahl begeben wir uns zuletzt in den großen, „öffentlichen“ Onsen, bevor wir danach völlig erledigt von so viel Entspannung auf unsere Tatamimatten fallen. Der perfekte Abschluss eines gelungenen Japan-Urlaubs!

Onsen-Etikette

Ein Onsen ist eine heiße Quelle und von diesen gibt es viele in Japan. Allerdings sind beim Besuch des warmen Wassers einige Regeln einzuhalten:

Nackt ausziehen

Einen Onsen besucht man generell nackt, Badekleidung muss zuhause bleiben. Natürlich kann man sich auf dem Weg von der Umkleidekabine zum Wasser mit einem Handtuch bedecken. Dieses kommt aber nicht mit ins Wasser, sondern wird vor dem Sprung ins warme Nass abgelegt. Wer es den Japanern gleicht tun möchte, faltet sein Handtuch ganz klein zusammen und balanciert es während des Badevergnügens auf dem Kopf.

Männer und Frauen getrennt

Aufgrund der vorgeschriebenen Nacktheit sind Männer- und Frauenonsen normalerweise getrennt voneinander. Es gibt auch ein paar wenige gemischte Onsen, in denen man das heilende Wasser gemeinsam mit dem Partner genießen kann. Verbreiteter sind allerdings die „privaten“ Onsen. Diese sind nur für 2 Personen gedacht und befinden sich hinter einer abschließbaren Tür.

Vorher abwaschen

Egal, ob man sich fünf Minuten vorher auf dem Zimmer geduscht hat – das Abwaschen MIT SEIFE vor dem Betreten eines Onsen ist Pflicht und wird von den anderen Besuchern mit Argusaugen verfolgt. Am besten setzt man sich dazu auf einen der Schemel, die in der Regel vor dem Onsen stehen und duscht sich im Sitzen mit dem dazugehörigen Wasserschlauch unter Zuhilfenahme des hölzernen Eimers ab.

Keine Tättowierungen

Tättowierungen sind in öffentlichen Onsen nicht erlaubt, da sie lange Zeit als Erkennungszeichen der japanischen Mafia galten. Ist das Tattoo nicht allzu groß, kann ein Pflaster Abhilfe verschaffen. Manche Onsen sind inzwischen auch etwas moderner und haben nichts gegen die bunte Körperbemalung. Wer eine Szene vermeiden möchte, sollte dies im Voraus aber unbedingt abklären.

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