Sri Lanka – Unawatuna und Mirissa

Nachdem die Temperaturen in Dubai wieder anziehen und eine Nicht-Unwetterwolke seit geraumer Zeit die Stadt erhellt, wird es mal wieder Zeit für eine Flucht ins Grüne. Und welche Destination könnte sich dafür wohl besser eignen als unsere asiatische Lieblingsinsel Sri Lanka? Allerdings steht unsere Anreise unter keinem guten Stern, denn bereits am Flughafen beim Check-in wird unsere Geduld auf die Probe gestellt… Wir haben zwar nur eine Familie vor uns, da diese aber mindestens 20 Koffer, Schachteln und Tüten auf vier Gepäckwägen mit sich führt, überfordert sie das Personal am Business Class Schalter komplett. (Natürlich fliegen wir nicht Business Class. dank unserer zahlreichen Reiseaktivitäten dürfen wir uns als treue Flugkunden aber inzwischen hier anstellen.) 30 Minuten später erbarmt sich schließlich eine andere Flughafenmitarbeiterin und nimmt unser Gepäck an einem anderen Schalter auf. Als wir kurz darauf endlich unsere Tickets in der Hand halten, hat es immer noch kein einziges Gepäckstück besagter Familie aufs Band geschafft. Dem langen Anstehen sei Dank werden wir nun auch um unser fest eingeplantes Abendessen in der Lounge gebracht (ein weiterer Pluspunkt als Statuskunde) und müssen direkt zum Gate hasten. Obwohl wir echt spät dran sind, müssen wir auch hier erst einmal warten und werden erst zwei Minuten vor der geplanten Abflugzeit in den Flieger gelassen. Empfangen werden wir von der ältesten Maschine, die wir jemals gesehen haben. Die Bezüge der Sitze sind bereits durchgesessen und weisen diverse Löcher auf und der Sitzabstand ist einfach nur unmenschlich. Selbst ich, mit meinen gerade einmal 1,63 m Körpergröße, stoße mit meinen Knien am Sitz des Vordermanns an. M. weiß hingegen gar nicht, wo er überhaupt mit seinen Beinen hin soll. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als das linke Bein auf dem Gang auszustrecken und mit dem rechten Bein mein beschränktes Platzangebot mit in Anspruch zu nehmen. Getoppt wird dies nur noch vom unfreundlichsten Flugpersonal aller Zeiten – man mag es kaum glauben, aber sogar die Stewardessen der deutschen Streikairline haben öfter ein Lächeln im Gesicht.* Schließlich hebt das Wrack endlich ab, doch kurze Zeit nach dem Start macht sich bereits das Übergepäck der Familie am Schalter vor uns bemerkbar. Statt nämlich weiter an Höhe zu gewinnen, sinken wir plötzlich wieder und kreisen viel zu nah über Dubais Skyline in der Luft. Der besorgte Blick der Stewardessen verheißt nichts Gutes. Irgendwann kriegt der Pilot dann aber doch noch die Kurve und startet mit uns durch eine riesige und überhaupt nicht wacklige Nicht-Unwetterfront in die schwarze Nacht.

Dreieinhalb Stunden unbequemes und holpriges Flugerlebnis sowie einige Herzaussetzer später, landen wir endlich in Colombo. Und hier zeigt sich Sri Lanka nun von seiner schönen Seite. Das Visum halten wir bereits nach wenigen Minuten in der Hand, unsere Koffer surren bereits eifrig über das Gepäckband und in der Eingangshalle erwartet uns unser lächelnder Fahrer. Na also, es geht doch!! Weitere zweieinhalb Stunden später kommen wir schließlich in Unawatuna an, wo wir die erste Nacht verbringen werden. Unser Hotel, Calamander Beach, ist wirklich zu empfehlen, auch wenn es nicht das typische Sri Lanka-Feeling versprüht, dass wir von den kleinen, eigentümergeführten Guesthäusern, in denen wir sonst übernachten, gewohnt sind. Auch die Preise orientieren sich eher am Einkommen der hauptsächlich russischen Kundschaft. Ein Frühstück wird hier beispielsweise mit 11 USD/Person berechnet und auch ein Bier kostet mit 4 USD doppelt so viel wie gewohnt. Da wir aber direkt aus dem teuren Dubai anreisen, wollen wir uns nicht beschweren und genießen hingegen unseren ersten Urlaubstag, den wir mit zwei Freunden gemeinsam am Strand verbringen. Die Abendplanung wird spontan gestaltet. Nachdem wir einen Flyer für eine Party am „Jungle Beach“ erhalten haben und an besagtem Strand laut Tripadvisor mit „Happy Tuna“ auch eines der besten Restaurants des Ortes sein soll, machen wir uns mit einem Tuktuk auf den abenteuerlichen Weg. So tuckern wir an einem Tempel vorbei und gelangen über ein steiles, schmales Bergsträßchen schließlich zu einem Hinweisschild, das uns den Weg weist. Ab hier geht es nur noch zu Fuß weiter – passenderweise mitten durch Sri Lankas Dschungel steigen wir hinab zu einem der bezauberndsten Strandabschnitte überhaupt. Leider sind glückliche Tunfische an diesem Abend aus und nachdem es auch noch einige Stunden dauern soll, bis die Party in Gang kommt, machen wir uns schweren Herzens wieder auf den Rückweg. Oben angekommen wartet bereits ein fleißiger Tuktuk-Fahrer auf uns, der uns zu einem utopischen Preis zum richtigen Lucky Tuna bringen möchte. In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns mitten im einsamen Dschungel befinden, nehmen wir sein Angebot schließlich an, auch wenn er offensichtlich betrunken und/oder bekifft ist und wir uns zu viert auf die schmale Rückbank des altertümlichen Gefährts quetschen müssen. Stolz hält er kurze Zeit später vor einem Restaurant neben einer Tankstelle direkt an der Hauptstraße an und versichert uns, das wir nun bei „Lucky Tuna“ wären. Da bei diesem leider gerade der Strom ausgefallen ist, müssen wir uns wohl oder übel selbst überzeugen. Mithilfe des Restaurantbesitzers bringen wir Licht ins Dunkel – natürlich handelt es sich nicht um Lucky Tuna. Da wir inzwischen aber echt hungrig sind, beschließen wir dennoch zu bleiben (worauf sowohl Restaurantbesitzer als auch Tuktuk-Fahrer wohl mit ihrer Masche abzielen) und genießen wider Erwarten ein exzellentes Abendessen am Straßenrand, zu dem uns der eifrige Restaurantbesitzer sogar noch vier Bier aus dem nächsten Liquor Shop besorgt. Natürlich wartet das Schlitzohr von Tukutuk-Fahrer nach dem Essen bereits auf uns und möchte uns zu seinen Mondpreisen wieder nach Hause fahren. Meine Freundin und ich weigern uns jedoch, nochmal in sein Tuktuk zu steigen (die Flasche Arak in seiner Beifahrertür ist nun auch deutlich leerer als zuvor), sodass sich schließlich der Restaurantbesitzer erbarmt und uns nach Hause fährt, während die beiden Jungs bei dem Verkaufstalent einsteigen. Leider hat das Tuktuk des Restaurantbesitzers aber keinen Sprit mehr. Da ist es praktisch, dass sich die Tankstelle direkt nebenan befindet und er das Gefährt noch schnell fahrtauglich machen kann. Naja, nicht so ganz. Denn an der nächsten Ampel will der Motor einfach nicht mehr anspringen und es bedarf einiger Zeit guten Zuredens, bevor sich unser Gefährt wieder in Bewegung setzt. Inzwischen haben wir bereits mehrere besorgte Anrufe unserer männlichen Begleiter auf den Handys, die eine Entführung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ausschließen. Wohlbehalten kommen wir dennoch alle wieder am Hotel an und machen es uns im Anschluss am Strand von Unawatuna dann noch in einer kleinen Bar gemütlich.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Mirissa, wo sich, zumindest hoteltechnisch, unsere Wege zunächst trennen. Während unsere Freunde in einem hübschen, modernen Guesthouse am Strand absteigen, geht es für M. und mich weiter zu einem anderen Resort, das bei Booking.com durchweg gute Bewertungen erhalten hat. Leider wird die angepriesene Strandlage jedoch durch eine der meistbefahrendsten Straßen des Landes unterbrochen, die erst überquert werden muss, um an Mirissas Traumstrand zu gelangen. Hat man die gefährliche Überquerung schließlich gemeistert, wird man von einem windschiefen Holzgerippe empfangen, das in besseren Zeiten wohl so etwas wie eine Cabana dargestellt haben soll. Das fehlende Sonnensegel sowie die wackligen Holzliegen ohne Auflagen, um die sich gigantische Müllberge türmen, laden nicht wirklich zum Entspannen ein. In unserem Zimmer auf der anderen Seite der Straße sieht es ähnlich aus. Die ursprüngliche Farbe der Handtücher ist vor lauter Flecken leider nicht mehr auszumachen, gleiches trifft auch auf die Bettdecke, das Moskitonetz und den Vorhang zu. Dass am Abend etwa tausend Ameisen auf meiner Zahnbürste eine Party feiern, trägt nicht wirklich zur Besserung der Stimmung bei, weshalb wir beschließen, die Unterkunft zu wechseln und vom Serenity Resort zu unseren Freunden ins Paragon zu ziehen. Dieses macht auf den ersten Blick auch durchaus einen guten Eindruck. Der Strand befindet sich tatsächlich direkt vor dem Hotel, die Zimmer sind frisch renoviert und die Besitzer hilfsbereit und freundlich. Die beiden Kakerlaken sowie die stickige Luft, die sich trotz Klimaanlage nachts ausbreitet, haben uns jedoch zu der Erkenntnis gebracht, dass mit dem Ende unserer Studentenzeit und dem damit einhergehenden Ende der immerwährenden Geldknappheit klassische Backpackerdestinationen wohl doch nicht mehr so das richtige für uns sind. Die Fischvergiftung unserer Reisebegleitung am folgenden Abend ist dabei der krönende Abschluss. Später erfahren wir vom Besitzer unseres Hotels, dass es wohl ganz normal sei, dass die hiesigen Restaurants bis zu drei Tage alten Fisch verkaufen, der zuvor stundenlang in der Sonne vor sich her gammelte. So gesehen haben wir also noch einmal richtig Glück, dass von unseren drei bestellten Fischen nur einer verdorben war. Mit den restlichen Touristen Mirissas hat es das Schicksal da wohl weniger gut gemeint – am dritten Morgen unseres Urlaubs hat sich der Strand sichtlich geleert – die restlichen Urlauber hängen wohl alle mit einer Fischvergiftung über der Toilettenschüssel…

Fazit: Klares JA zu Sri Lanka, aber wir bleiben in Zukunft wohl lieber auf unseren gewohnten Pfaden und genießen die Strände von Hikkaduwa, Talalla oder auch Unawatuna. Fisch in Sri Lanka? Nein danke, nie wieder!! Außerdem: Die Currys sind wirklich super lecker – kein Grund also, in einem Land, in dem hauptsächlich Vegetarier wohnen, Fisch zu essen.

* Zur Aufklärung: Wir sind an diesem Tag mit Sri Lankan Airlines geflogen. Während meine vorherigen drei Reisen mit der Fluggesellschaft eigentlich ganz in Ordnung waren, hat dieser Horrorflug leider dazu geführt, dass die Airline in Zukunft von unseren Reiseplänen gestrichen wird. Für immer!!!

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