Kulinarischer Roadtrip: Piemont und Norditalien

In Mailand, Turin und auch mitten in den Weinbergen des Piemonts erwarten uns auf unserem Roadtrip allerlei kulinarische Köstlichkeiten. Während das Piemont vor allem mit Trüffelgerichten, Tagliata, Prosecco, Schokolade, Aperitvi und natürlich Wein überzeugen kann, werden wir im Anschluss am Touristenhotspot „Cinque Terre“ mit Fischgerichten verwöhnt. Und in Parma kommen wir als Schinkenliebhaber selbstredend auf unsere Kosten. Da kann uns auch der kleine kulinarische Fehlgriff nichts anhaben, der uns im Piemont erwartet, eigentlich aber aus Sardinien exportiert ist. Und nicht nur das Essen hat es uns angetan – auch Landschaft und Kultur ziehen uns in ihren Bann.

Mailand

Mit einem doppelten Upgrade beginnt unser Urlaub dieses Mal ohne das sonstige Chaos, sodass wir völlig entspannt (und etwas beschwipst von dem vielen Champagner) in Italien ankommen. Ausgangspunkt unserer Reise ist Mailand, das zwar nicht zum Piemont gehört, dafür aber mit einem internationalen Flughafen punkten kann. Zudem ist Italiens Modehauptstadt im August beinahe ausgestorben, was uns auf unserer Erkundungstour sehr entgegenkommt. Neben dem Duomo und der Galleria Vittoria Emanuele II (die Scala war leider geschlossen) sind es jedoch vor allem die kulinarischen Attraktionen, die uns in ihren Bann ziehen. So genießen wir statt eines Abendessens kurzerhand zwei der im Norden Italiens so beliebten Aperitivi. Das Konzept ist genial: Man kauft einen völlig überteuerten Cocktail oder ein Glas Wein (im Bulgari-Hotel, unserer ersten Anlaufstelle kostet ein Negroni 22 Euro, im Excelsior Hotel Gallia, wo wir auch übernachten, sind die Kosten mit 18 Euro etwas moderater) und erhält allerlei verschiedene Antipasti gratis dazu. Herumgefahren werden wir dabei standesgemäß – hotelpunkteseidank – im Maserati.

 

Turin

Am nächsten Tag müssen wir unser liebgewordenes Luxusgefährt leider gegen einen kleinen Fiat eintauschen und auch der Chauffeur bleibt zu unserem Bedauern in Mailand. Dafür geht es für uns in Italiens Autohauptstadt schlechthin – Turin. Die Vororte sind tatsächlich eher industriell geprägt und auch nicht sonderlich schön. Turin selbst überrascht uns daher umso mehr mit seinem mondänen Schick und den breiten Straßen. Ein bisschen erinnert uns die Architektur an die Schweizer Hauptstadt. Auch unser Hotel befindet sich stilvoll in einem liebevoll restaurierten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert und kann mit dem vermutlich besten Frühstück Italiens punkten. Wahrzeichen von Turin ist der Mole Antonelliana, auf den wir beinahe hinter jeder Ecke einen Blick erhaschen können. Unser heutiges Ziel ist aber ein anderes. Wir überqueren den Po, der um diese Jahreszeit nicht ganz so attraktiv ist, um uns dann immer bergauf zu bewegen (Manu würde es „wandern“ nennen). Oben angekommen erwartet uns nicht nur eine phänomenale Aussicht, sondern auch die Villa della Regina. Es ist ein eindrucksvoller Palast aus dem 17. Jahrhundert, der für das Königshaus Savoy errichtet wurde. Der Eintritt ist kostenlos, was uns ziemlich überrascht, da die Wandmalereien und Fresken der Räume wirklich überwältigend sind. Danach geht es – sehr zum Leidwesen von Manus Füßen, die auf halbem Weg schlapp machen – hinauf auf den Monte dei Cappuchini, um die Aussicht auf Turin aus einem anderen Blickwinkel zu genießen. Den Aperitivo am Abend in der Nähe des Piazza Castello haben wir uns wirklich verdient!

 

Cioccaro di Penango

Nach so viel Bergsteigen haben wir uns etwas Entspannung redlich verdient. Unser Domizil für die nächsten zwei Tage: Ein altes Kloster, das sich mitten zwischen den Weinbergen des Piemonts befindet und liebevoll in ein Wellnesshotel verzaubert wurde. Im Relais Sant’Uffizio entspannen wir zunächst am Außenpool, bevor wir uns in den großzügigen Wellnessbereich mit mehreren Saunen, Dampfbädern und Whirlpools begeben. Natürlich darf der anschließende Aperitivo nicht fehlen. Auch das Abendessen ist gut, wenn auch die Auswahl auf der Karte etwas speziell ist. Besonders begeistert hat uns aber der Wein, der auf den hauseigenen Weinbergen angebaut wird.

 

Alba

Die Entspannung währt allerdings nur kurz, da unser Hotel neben seiner Wellnesseinrichtung noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil besitzt: Es befindet sich nur wenige Autominuten von Alba und Asti entfernt. Alba ist vor allem für seine Trüffel und für Schokolade bekannt, von deren Qualität wir uns selbst überzeugen wollen. In Albas Innenstadt erwarten uns zahlreiche Feinkostläden und Restaurants. Leider ist die Auswahl an Trüffelgerichten im August nicht sehr groß und so vergeht einige Zeit, bis wir schließlich ein Restaurant finden, in dem „tartufi“ auf der Karte stehen. Wir sind die einzigen Gäste, werden aber demonstrativ nicht bedient. Pech für das Restaurant, denn die Wartezeit nutzen wir, um im Internet Restaurantbewertungen ausfindig zu machen. Nach 30 Minuten Wartezeit verlassen wir das Restaurant, das auf Tripadvisor immerhin Platz 98 von 110 erhalten hat. Inzwischen sind wir ziemlich hungrig. Nach einigen Umwegen schaffen wir es endlich, ein Restaurant mit Trüffeln, Kellnern und anständiger Bewertung zu finden und genießen ein exzellentes Mittagessen.

 

Asti

Amüsiert fahren wir ins Zentrum von Asti. Das ironische Lächeln auf unser Gesicht zaubert das Ortsschild, das den Namen der oberschwäbischen Partnerstadt Astis Preis gibt. Wenn die hier auch so Autofahren, wie ihre schwäbischen Partner, kann das ja heiter werden… Sie tun es zum Glück nicht und so kommen wir unversehrt in der Innenstadt an. Diese ist um die Mittagszeit wie ausgestorben und nicht ganz so idyllisch wie Alba. Auffallend sind die unzähligen Türme, die sich über die Stadt verteilen. Leider finden wir keine Möglichkeit, ein Ticket für die elektronischen Ticketschalter zu kaufen, um einen der Türme zu erklimmen. So beschränken wir uns auf die Verkostung des Aushängeschilds der Stadt – Prosecco. Auf das kopfschmerzerzeugende Zeug, das unter dem Namen „Asti spumante“ in Deutschlands Regalen (und wahrscheinlich auch nur dort) steht, verzichten wir jedoch und widmen und uns stattdessen der trinkbaren, trockenen Variante. Besonders mundet übrigens der Brut aus dem Hause „Cocchi“.

 

Novello

Schließlich fahren wir etwas weiter in den Süden, um noch andere, trinkbare Highlights des Piemonts zu würdigen. Unsere Unterkunft – ein kleines Bed&Breakfast – liegt nahe des Dorfs Novello. Neben einem Pool mit idyllischem Ausblick auf die hauseigenen Weinberge überzeugt uns hier vor allem die Gastfreundschaft der Besitzer. Selbstgebackene Kuchen und Gebäck, Marmelade aus Eigenproduktion sowie eine gigantische Auswahl an Wurst und teilweise selbstproduzierten Käsespezialitäten erwarten uns am Morgen zum Frühstück. Wir greifen ordentlich zu und genießen gleichzeitig die Stille auf der Terrasse. Bis letztere auf einmal von einem Aufschrei durchbrochen wird. Ich blicke entsetzt auf meinen Teller, schiebe ihn langsam von mir, nicht ohne die sich bewegenden, weißen Punkte aus dem Blick zu lassen. „Maden“, ist alles, was ich entsetzt stammeln kann. Manu jedoch versteht „Magen“, denkt, dass mir einfach nur schlecht wäre und macht sich begeistert über den Inhalt meines Tellers her, während ich ihn ungläubig anschaue und nochmals lauter „MADEN“ schreie. Nach einem intensiven Blick auf den Tellerinhalt lässt nun auch mein Ehemann die Gabel entsetzt fallen, auf der sich immer noch eine der Verursacherinnen für das Entsetzen kringelt. Der Übeltäter für das Massaker auf meinem Teller ist auch schnell gefunden und nennt sich „Casu Marzu“. Dabei handelt es sich um einen sardischen Schafskäse, der mit Maden bestückt wird, die ihm durch ihren Verdauungsprozess angeblich eine höhere Cremigkeit verleihen sollen – vielleicht sind es aber auch nur die lebendigen Maden, die von den Sarden als „cremig“ empfunden werden. Wir beschließen, in Zukunft etwas besser aufzupassen, wenn uns „Spezialitäten“ angeboten werden und ich mache mich über den selbstgebrannten Grappa des B&B her, um meinen Magen zu desinfizieren.

 

Barolo

Als der erste Schock verdaut ist, starten wir die kurze Autofahrt nach Barolo, wo wir den „Wein der Könige“ kosten wollen. Mitten in den Weinbergen gelegen, zeigt sich das Piemont hier von seiner schönsten Seite. Auf kleinen Sträßchen, eingebettet in die idyllische Landschaft der Weinberge geht es in die UNESCO-Weltkulturstadt. Barolo ist sehr klein und wird normalerweise von Touristen überschwemmt. Jetzt, im August haben wir jedoch Glück und können die kleinen Gässchen in Ruhe erkunden und natürlich auch den weltberühmten Wein kosten – und kaufen.

 

Barbaresco

Im Barbaresco-Gebiet werden dieselben Weintrauben angebaut, die auch für den Barolo-Wein verwendet werden (die Rebsorte nennt sich „Nebbiola“). Aufgrund des anderen Bodens schmeckt der Wein dennoch komplett anders. Das Dorf Barbaresco ist weniger frequentiert als Barolo, aber dennoch sehr idyllisch. Zum ersten Mal erleben wir hier, dass wir für eine „Weinprobe“ zur Kasse gebeten werden. Eigentlich verkauft uns das Weingeschäft nur ein Glas Wein, reicht etwas Brot und Käse dazu, und bezeichnet dies dann als „Weinprobe“. Obwohl der Barbaresco für unseren Geschmack nicht an den Barolo heranreicht, liegen die Flaschenpreise zum Teil deutlich über dem „Wein der Könige“. Ohne Ausbeute geht es für uns daher nun weiter durch die Weinberge.

Durch Zufall kommen wir auf der heutigen Strecke an einem einmaligen Restaurant mit wundervoller Panoramasicht vorbei. Hier genießen wir nicht nur den Ausblick, sondern auch ein exzellentes Mittagessen.

 

Cinque Terre: Riomaggiore

Die fünf alten Dörfer, die sich gefährlich nah an die Klippen schmiegen und unter dem Namen „Cinque Terre“ in den letzten Jahren weltbekannt wurden, sind autofrei. Aus diesem Grund übernachten wir in einem zweckmäßigen B&B in La Spezia. Dieses befindet sich nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. In nur 8 Minuten fährt man von hier mit dem Zug in das erste der fünf Dörfer. Wir beschließen, die Fahrt direkt nach unserer Ankunft am späten Nachmittag zu machen und haben Glück – gigantische Touristenströme kommen gerade mit dem Zug aus den Dörfern zurück, hin fährt aber fast niemand mehr. Und so müssen wir das erste Städtchen Riomaggiore nur mit ein paar wenigen Touristen teilen, können den Sonnenuntergang über den Klippen bestaunen und anschließend exzellentes Essen mit bester Aussicht genießen, bevor wir kurz vor Mitternacht zu unserem Zug sprinten, der uns zurück nach La Spezia bringt.

 

Cinque Terre: Monterosso

Um uns auch bei der Erkundigung der anderen Dörfer nicht den Touristenströmen anschließen zu müssen, geht es für uns am nächsten Morgen schon früh los. Wir nehmen den ersten Zug um 6 Uhr und können uns über ein völlig leeres Abteil freuen. Unsere Fahrt geht durch bis nach Monterosso, dem letzten der fünf Dörfer. Nach einem schnellen Espresso am Bahnhof legt sich die Dunkelheit langsam und wir machen uns auf zum Wanderweg, der uns in das Dorf Vernazza führen soll. Um diese Zeit sind die Ticketschalter noch nicht besetzt und wir sind offensichtlich die ersten an diesem Tag, die sich auf dem Wanderweg befinden. Dafür sprechen zumindest die Spinnweben, die uns unablässig ins Gesicht klatschen. Die atemberaubende Aussicht und die völlige Ruhe entschädigen uns dafür und als wir merken, dass sich hinter uns inzwischen ein weiteres Wanderpärchen befindet, machen wir kurz Pause, lassen sie überholen und haben so auch das Spinnwebenproblem gelöst.

 

Cinque Terre: Vernazza

Vernazza können wir leider nur im Eiltempo besichtigen, da uns der Checkout in La Spezia im Nacken sitzt. Wir werfen einen kurzen Blick auf den malerische Hafen und nehmen den Weg durch die kleinen Gässchen, von wo es für uns weiter zum Bahnhof geht. Mit dem Zug geht es ins nächste Dorf.

 

Cinque Terre: Corniglia

Corniglia steht ganz oben auf meiner To-Do-Liste – nicht zuletzt weil sich eine der Novellen aus Boccaccios Decamerone genau hier zugetragen haben soll. Manuels Lieblingsdorf wird es aber nicht, da der Zug nicht direkt im Dorf, sondern etliche Meter darunter hält. So geht es für uns über unzählige Stufen hinauf nach Corniglia, wo wir mit einem atemberaubenden Ausblick und einem Frühstück für die Anstrengungen belohnt werden.

 

Parma

Eine Stadt, die nicht nur so heißt, wie mein Lieblingsschinken, sondern sogar sein Geburtsort ist? Klar, das wir hier noch hin müssen. Neben exzellentem Parma-Schinken und Parmesan (übrigens stammt auch das bekannte Parfum „Aqua die Parma“ von hier) hat die Stadt aber noch mehr zu bieten. Zum Beispiel das Teatro Farnese, ein eindrucksvoller Holzbau, bei dem es sich um eine Nachbildung des Teatro Olimpico handelt. Der weitläufige Parco Ducale mit seinem Schloss ist ebenfalls beeindruckend. Die Atmosphäre hat aber nichts mehr mit der Idylle des Piemont gemein – zahlreiche Gruppen Jugendlicher haben sich hier versammelt und bringen ihre Lebensfreude lautstark zum Ausdruck. Ähnlich sieht es auch rund um den Piazza Garibaldi aus. Würden Verkehrslärm und Touristen nicht fehlen, könnte man sich beinahe in Rom wähnen. Nichtsdestotrotz finden wir am Nachmittag ein ruhiges Plätzchen, an dem wir einen Aperitivo und später auch ein Abendessen genießen können.

 

Torrechiara

Torrechiara ist eigentlich nur eine relativ uninteressante Ansammlung von Häusern. Wenn da das Castello di Torrechiara nicht wäre. Nachdem wir uns zunächst mit der ersten Pizza unseres Italienurlaubs im Dorfrestaurant stärken (Urteil: exzellent!!), fahren wir im Anschluss zum Schloss. Angesichts des Schilds am Parkplatz, das auf „high danger of theft“ in großer, roter Schrift hinweist und unserer Koffer und Wertsachen, die sich im Auto befinden, begeben wir uns mit einem etwas beklommenen Gefühl an die Erkundung des Schlosses. Dafür werden wir im Schloss aber mit Ausblick, Wandmalereien und Idylle belohnt. Entgegen unserer Vermutung ist unser Auto am Ende der Erkundungstour nicht aufgebrochen und wir können unsere Reise fortsetzen. Von hier geht es für uns nämlich weiter nach Livorno, wo eine Fähre auf uns wartet, die uns zur nächsten Etappe unserer Reise bringen soll: Sardinien.

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