Malediven

Im Regen dem Untergang geweiht

Ein echter Traumurlaub besteht in den Köpfen der meisten Menschen aus puderzuckerweißen Stränden, kristallklarem Wasser, bunten Tropenfischen, Palmen und einer möglichst (fast) einsamen Insel mitten im Meer. Das richtige Setting für ein solches Kopfkino bieten neben exotischen Zielen wie Bora Bora, Fidschi oder den Seychellen auch die im Indischen Ozean befindlichen Malediven – zumindest theoretisch…

Blick auf Tauchschule und Strand

Tag 1 (Freitag, 11.10.2013)

Obwohl wir uns für so ein Luxusziel wie die Malediven entschieden haben, beginnt unsere Reise mit dem Low-Cost-Carrier „Fly Dubai“ (bei dem wir aber trotzdem 500 Euro pro Nase für die Tickets bezahlen mussten) und nur einem gemeinsamen Koffer mit 20 kg, da Gepäck bei der Fluggesellschaft selbstverständlich extra abgerechnet wird. Natürlich müssen wir unseren Koffer, trotz gewissenhaften Wiegens, am Flughafen erst einmal um vier Kilogramm erleichtern. Nachdem auch diese Hürde genommen ist, kann es endlich los gehen. Eigentlich. An unserem Gate angekommen machen wir jedoch erst einmal wieder kehrt. Der paradiesische Traumurlaub wird nämlich von der Fluggesellschaft erst mal mit einer großen grauen Wolke Zigarettenqualm verdunkelt, da sich Gate 17 leider direkt neben der Raucherlounge befindet. Natürlich steht die Tür zu dieser einladend offen. Aber auch am anderen Ende des Flughafens lässt es sich gut warten, solange man nicht auf die Toilette muss, die in Sachen Hygiene sogar noch weit unter dem Standard der arabischen Plumpsklos im indisch geprägten Stadtteil Deira zurück bleibt.

Gefühlte fünf Stunden später wird unser Flug dann endlich aufgerufen (inzwischen liegt der Zeitpunkt des geplanten Abflugs bereits 30 Minuten in der Vergangenheit). Gemeinsam mit zahlreichen Russen und Engländern quetschen wir uns in einen Bus und fahren damit erst einmal zum Flieger. Dort angekommen müssen wir allerdings weitere 15 Minuten im Bus ausharren, da unsere Maschine noch gar nicht startklar ist. Typisch Dubai eben. Nach viereinhalb Stunden heißt es dann endlich „Land in Sicht“ und Male empfängt uns in einem gefährlich ausschauenden Dunkelgrau und bei anhaltendem Platzregen.

An der Passkontrolle ging es sehr schnell, trotz des Emirati-Pärchens vor uns, das natürlich vergessen hatte, den Visumszettel auszufüllen. Dafür mussten wir danach nochmals 45 Minuten auf weitere Gäste warten, die sich mit uns das Speedboot zur Insel teilen sollten.

Die fast zweistündige Fahrt mit dem Boot ist wahrlich nichts für schwache Mägen. Der Kapitän bretterte in wahnwitzigem Tempo über die Wellen, wobei wir immer mehrere Zentimeter in die Luft geschleudert wurden, bevor das Boot mit einem lauten Knall wieder hart auf dem Wasser aufsetzte. Nicht nur wir, auch das Mobiliar wurde ordentlich durchgeschüttelt und musste mehrmals von uns gerettet werden. Doch auch die längsten zwei Stunden gehen irgendwann einmal vorüber, sodass wir gegen 10 Uhr morgens völlig fertig und mehr als urlaubsreif auf „unserer“ Insel am südlichen Ende des Nord-Ari-Atolls ankamen.

Karte_neu

Speedboat

Unser Speedboat

Elhaidoo-Island

Elhaidoo-Island

Tag 2 (Samstag, 12.10.2013)

Der Empfang auf der Insel konnte sich wirklich sehen lassen und beschwichtigte unsere Zweifel bezüglich der Hotelwahl erstmal (als „richtige“ Dubaianer sind wir selbstverständlich nur noch den Luxus und Komfort überteuerter Ketten wie The Ritz-Carlton, Anantara oder Jumeirah gewohnt und hatten dementsprechende  Bedenken, dieses Mal auf einen Stern verzichten zu müssen. Doch bei 1.000 Euro pro Nacht aufwärts für oben genannte Exklusivität mussten auch wir kapitulieren und uns mit der 4-Sterne-220-Euro-pro-Nacht- Variante zufriedengeben). Neben Empfangskomitee und gekühlten, wohlduftenden Handtüchern wurden fruchtige Begrüßungscocktails serviert, die unsere Welt erstmal wieder in Ordnung brachten. Auch die Rezeption selbst überraschte uns positiv. Der Boden hier bestand aus feinem Sand, barfuß gehen war durchaus erwünscht und ich passte mit meiner einen Tag zuvor erworbenen Hippi-Hose total zu diesem Easy-Going-Lifestyle. Jippi!

Bootssteg

Bootssteg

Auch unsere bei der Buchung angegebene Nachricht, dass wir „Honeymooner“ seien, war beim Hotel angekommen und bescherte und einen kostenlosen Obstkorb sowie eine Flasche Wein auf unserem Zimmer. Als Expertin für Reiseanfragen aller Art (auch wenn diese normalerweise nur die oberen 10.000 betreffen), hatte ich mich vor Reisebeginn selbstverständlich ausführlich über das Resort informiert  und konnte nach dem Durchlesen zahlreicher Kritiken auch die besten Beach Bungalows in Erfahrung bringen: 327-329. Selbstverständlich wurde ein solcher von mir bei der Reservierung angefragt, natürlich mit dem dezenten Hinweis, dass dies unsere Flitterwochen seien. Bei unserer Ankunft war die Rezeptionistin untröstlich, dass momentan keiner der besagten Bungalows verfügbar sei und machte und daher ein Angebot. Wenn wir mit einem „Downgrade“ für eine Nacht einverstanden seien, würden wir am nächsten Tag nicht nur Bungalow 328 erhalten, sondern dürften uns zudem über einen kostenlosen Ausflug, ein Seafood-Dinner mit einer weiteren Flasche Wein, sowie einen zweiten Obstkorb freuen. Als echte Schwaben nahmen wir das Angebot natürlich dankend an. Für unseren Geiz wurden wir mit einem durchaus annehmbaren Zimmer im 1. Stock einer 4-Parteien-Villa belohnt. Der großzügige Raum verfügte nicht nur über einen Balkon, sondern auch über ein tolles Freiluftbadezimmer. Einzig der Strandabschnitt, an dem sich unsere Liegen befanden, war etwas enttäuschend. So war der Strand durch eine Mauer vom Wasser getrennt, ins Wasser selbst gelangte man nur über eine separate Treppe. Dies entsprach natürlich nicht ganz dem in unseren Köpfen vorherrschenden Malediven-Bild.

Die Mauer (im Hintergrund die zweite Mauer)

Die Mauer (im Hintergrund die zweite Mauer)

In einer kurzen Regenpause witterte ich schließlich unsere Chance für einen ersten Rundgang um die Insel. Mit Fotoapparat, Regenschirm und einer Flasche Wasser ausgerüstet machten wir uns auf den Weg, bewunderten den tollen Infinity-Pool, den Tennisplatz, das Fitnessstudio, den Squash-Platz, Restaurants, Bar und Bibliothek sowie die Wasservillen und den tollen Standort des Bungalows 328, der uns ab morgen beherbergen sollte. Fünf Minuten später befanden wir uns wieder vor unserer aktuellen Villa. Wahnsinn, was auf so einer kleinen Insel alles Platz findet! Angesichts der unerwarteten Kürze unseres Ausflugs beschlossen wir, auch dem Spa noch einen Besuch abzustatten, wo uns eine freundliche Philippinin erklärte, dass ein fünftägiger Spa-Marathon für frisch verheiratetet Pärchen nur „bibe hundred dolla“ kostet. Nicht nur aufgrund der kläglichen Ausstattung lehnten wir ihr Angebot jedoch dankend ab (Highlight war hier eine „Wellblechhütte“ vor dem Spa-Gebäude, die eine verrostete und wild überwucherte Badewanne enthielt, welche in besseren Zeiten wohl als Jacuzzi oder ähnliches gedient hatte).

Infinity-Pool

Infinity-Pool

Strand

Hauptstrand der Insel

Nach ein paar erholsamen Stunden am Strand machten wir uns gegen 17 Uhr auf zur Fischfütterung. Dort wurden neben einer großen Muräne und zwei Stachelrochen auch mehrere Jackfische gigantischen Ausmaßes angelockt. Angesichts der Tatsache, dass unsere letzte anständige Mahlzeit am Vorabend erfolgt war (zumindest traf dies in meinem Fall zu – Manu hatte sich für den Flug noch einen „Snack“ bestehend aus fünf hartgekochten Eiern und vier Megabroten zubereitet und vertilgt) lief mit beim Anblick der verwendeten Köder (beinahe) das Wasser im Mund zusammen. Also auf, auf zum Restaurant! In der Hoffnung, das Buffet könnte bereits eröffnet sein, wurden wir allerdings schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Essen gab es erst ab 19.30 Uhr. 19.30 Uhr! Das waren noch beinahe ZWEIEINHALB Stunden! Etwas gefrustet machten wir uns auf zur Bar, wo wir uns neben diversen Getränken noch eine Schale Erdnüsse ergaunerten und uns Gutscheine für die anstehende Barmen’s Night (nur 15 USD pro Person für zweieinhalb Stunden unlimited Cocktails!) aufschwatzen ließen.

Muräne bei der Fischfütterung

Muräne bei der Fischfütterung

Schließlich ging die Sonne unter und gefühlte fünf Stunden später fand dann auch endlich die ersehnte Eröffnung des Buffets statt.

Leider folgte jedoch gleich zu Beginn das nächste Problem. Der Tisch, der uns von unserem Kellner zugewiesen wurde, hatte nicht nur einen denkbar ungünstigen Standort, sondern war zudem übersät mit zahlreichen Ameisen, deren mühsam errichtete Straße anscheinend genau über selbigen führte. Als ich den Kellner daher höflich um einen anderen Tisch bat, schaute er mich nur unbeeindruckt an und meinte: „No, this is your table – for the whole stay!“. Entgeistert blickte ich ihn einige Sekunden an, stand auf und teilte ihm mit, dass ich mein Abendessen ganz bestimmt nicht mit 100 Ameisen teilen werden. Doch auch das beeindruckte ihn wenig. Es handle sich hierbei nun mal um unseren Tisch. Basta. Schließlich wurde mir das Ganze zu bunt und ich war kurz davor, das (zumindest in Dubai) magische Wort „General Manager“ auszusprechen, als er dann doch noch einlenkte. Während wir uns am Buffet bedienten, würde er sich um einen anderen Tisch bemühen. Na also, geht doch. Allerdings waren wir durch die Aktion bei ihm in Ungnade gefallen, was wir unseren restlichen Urlaub auch noch deutlich zu spüren bekommen sollten.

Das Essen war wider Erwarten gut. Es gab eine große Auswahl an Salaten, Broten und Suppen sowie an diesem Abend Steak, Gemüse, Reis, eine Pastastation, frisch gebackenes Naan-Brot, Carpaccio mit gaaaaanz viel Knoblauch, Fisch, Hühnchen und viele verschiedene Desserts und Früchte. Zu Trinken gab es allerdings leider nur Sodawasser, kohlensäurehaltiges Mineralwasser ist auf der Insel gänzlich unbekannt.

Massenabfertigungsrestaurant

Massenabfertigungsrestaurant

Im Anschluss an unser reichhaltiges Abendessen wollten wir uns gleich an die Einlösung unserer zuvor erworbenen Cocktailgutscheine machen, mussten aber feststellen, dass dies erst ab 21.30 Uhr möglich war. Aus diesem Grund ging es zunächst noch einmal zurück zu unserem Zimmer, wo wir bei einem Glas Rotwein unseren italienischen Nachbar beim Quizshow auf Rai 1 schauen zuhören durften und uns an deren ausführlichen und lautstark hervorgebrachten Kommentaren dazu erfreuten.

Der Genuss des Rotweins bzw. dessen Öffnung stellte zunächst ein größeres Problem dar, da es auf unserem Zimmer keinen Korkenzieher gab. Also bestellten wir mit einem Anruf an der Rezeption einen solchen, der nach einer Wartezeit von 45 Minuten dann auch von einem Room Boy auf unser Zimmer gebracht wurde (Zeit, die man von der Rezeption in gemächlichem Schritttempo zu unserem Zimmer benötigt: ca. 2 Minuten). Da besagter Room Boy für seine tapferen Dienste natürlich eine ordentliche Belohnung erwartete, wollte er den Wein zudem gleich öffnen. Wie es aber schien, war dies der erste Weinflaschenöffnungsversuch seines Lebens und er bemühte sich mehrere Minuten kläglich. Als wir schon dachten, er hätte den Korken abgebrochen, stellte sich heraus, dass er diesen inzwischen zwar bereits aus der Flasche befreit hatte, nun aber versuchte, ihn wieder in die Flasche hinein zu manövrieren. Hä?

Der Rotwein und das nachbarliche Geplänkel hatten uns ganz schön ermüdet, da wir die Cocktailgutscheine aber leider bereits gekauft hatten, mussten wir nochmals zurück an die Bar. Aufgrund des schlechten Wetters sollte die Barmen’s Night in der Bibliothek stattfinden, wo uns zunächst ein an einen Kindergeburtstag erinnerndes Setting empfing. Tapeziertische, die notdürftig mit Papiertischdecken versehen worden waren dienten als improvisierte Bar, an der uns ein mehr als bescheidenes Cocktail-Menü erwartete. Nicht ein einziger Klassiker stand auf der Karte! Der aufmerksame Kellner (ich muss wohl nicht erwähnen, dass es sich hierbei nicht um „unseren“ Kellner handelte), hat meinen enttäuschten Blick gesehen und mir angeboten, dass ich stattdessen auch Weißwein erhalten könne. Das war natürlich ganz nach meinem Geschmack. Als der Kellner allerdings mit einem 5-Liter-Tetrapack Wein zurückkam, musste ich dann wohl oder übel akzeptieren, dass es für mich an diesem Abend keinen guten Drink mehr geben sollte. Mit Sprite vermischt schaffte ich immerhin zwei Gläser von dem widerlichen Gesöff, wobei Manu jedoch eindeutig mehr zu leiden hatte als ich. Nach dem Genuss von vergorenem Traubensaft, Mucosulvan-Hustensaft verfeinert mit Minze und einem Glas Billig-Orangensaft mit Wodka war der Abend für uns gelaufen. Wenigstens gab es Erdnüsse umsonst. Für herausragende Stimmung sorgten an diesem Abend die beiden hauseigenen Schnulzensängerinnen, die mit Hits wie „My heart will go on“ die Bar so richtig zum Kochen brachten. Immerhin bis 23 Uhr hielten wir es an diesem Abend aus. Auf unserem Zimmer erwartete uns dann die frohe Nachricht, dass wir am nächsten Tag um 9 Uhr in unseren gewünschten Strandbungalow ziehen konnten. Also nur noch einmal Wecker stellen und dann kann der Urlaub so richtig beginnen. Denkste!

Tag 3 (Sonntag, 13.10.2013)

Noch etwas verschlafen machten wir uns am nächsten Morgen bei starkem Regen auf den Weg zur Rezeption, um unseren neuen Zimmerschlüssel in Empfang zu nehmen. Erst umziehen, dann frühstücken, so lautete der aktuelle Plan des Tages. Glücklicherweise haben wir uns an der Rezeption noch erkundigt, bis wann es denn morgens Frühstück gäbe. Zunächst dachten wir, wir hätten uns verhört, doch auch ein weiteres Mal nachfragen machte es nicht besser. 9.30 Uhr. Nein, dabei handelt es sich nicht etwa um die Uhrzeit, zu der das Frühstück beginnt. Dies ist das Ende der morgendlichen Frühstückszeit. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet uns, dass wir schon reichlich spät dran waren: 9.05 Uhr. Also haben wir uns entschlossen, den Umzug erst einmal aufzuschieben und uns zunächst der Nahrungsaufnahme zu widmen. Schließlich sollte es die nächste freie Mahlzeit erst um 19.30 Uhr geben. Unser Kellner war nicht gerade erfreut, dass sich zu solch später Stunde noch Gäste an einen „seiner“ Tische setzten. So fiel die Frage nach den gewünschten Getränken auch reichlich unwirsch aus. Ohne Worte zu verlieren, setzte er die beiden Kaffeetassen vor uns ab und fing auch gleich damit an, Milch in meine Tasse zu gießen. Ich wies ihn darauf hin, dass ich keine Milch im Kaffee wünsche, sah über seine fehlende Frage danach hinweg und tauschte ganz unkompliziert die noch nicht kontaminierte Tasse meines Ehemannes mit meiner aus. Bedrohlich verfinsterte sich daraufhin der Blick unseres Kellners. „Next time, say it before!“, blaffte er mich an. Zu perplex für eine Erwiderung begaben wir uns an das reichhaltige Buffet. Wir hatten uns gerade mit unseren Tellern, die mit allerlei Leckereien wie Pancakes, Waffeln, Omlettes und Früchten beladen waren, wieder an unseren Tisch gesetzt, als unser Kellner erneut auftauchte und uns den Hinweis gab, jetzt nochmal zum Buffet zu gehen, sonst wäre es zu spät. Nun gut, immerhin war es bereits 9.15 Uhr. Sein nächster Besuch an unserem Tisch ließ nicht lange auf sich warten. Um 9.29 Uhr packte er unsere Teller ein. Immerhin stellte er noch während er bereits weglief die Frage „Are you finished?“. Um 9.35 Uhr wurden wir dann „höflichst“  aufgefordert, den Tisch zu verlassen – ungeachtet der Tatsache, dass die Kellner aller anderen Tische nicht einmal angefangen hatten, das Geschirr abzuräumen, geschweige denn die Gäste hinauskomplimentierten. Warum kann nicht jeder Start in den Tag auf eine solch erfrischende Weise beginnen?

Der immerwährende Dauerregen begleitete uns im Anschluss an diese Frühstückserfahrung bei dem Umzug in unseren Bungalow, der sich als echter Glückstreffer erwies. Zwar unterschied er sich in der Ausstattung (großzügiges Schlafzimmer mit Bett, Sofa, Sessel, Fernseher, Schreibtisch, Minibar, Schrank sowie Freiluftbadezimmer) nicht von den anderen Bungalows. Dafür war vor unserer Terrasse bereits das Jahr 1990 eingekehrt: die Mauer war weg! Von unserer Terrasse aus konnte man über einen, zugegebenermaßen winzigen, Strandabschnitt direkt ins türkisblaue Wasser gleiten. Welch unerwarteter Luxus auf den Malediven!

Unser Beach-Bungalow

Unser Beach-Bungalow

Freiluftbadezimmer

Freiluftbadezimmer

Blick auf unseren Bungalow

Blick auf unseren Bungalow

Unser kleiner Privatstrand

Unser kleiner Privatstrand

Diese exzellente Lage nutzten wir am Nachmittag gleich für einen ersten Schnorchelausflug, noch vorsichtig innerhalb einer zweiten Mauer, die sich rund um das hüfthohe Wasser vor dem Resort zog.  Ergebnis: unter anderem schwarze Nemos, einige Korallen, Doris und eine Riesen-Dori, einige lilablassblauen Fischschwärme und dazu noch ein kleiner Baby-Hai.

Gefährlicher Baby-Hai

Gefährlicher Baby-Hai

Als irgendwann der obligatorische Platzregen wieder einsetzte, verzogen wir uns auf die wettergeschützte Bank vor unserer Terrasse. Leider wimmelte es hier aber, trotz den allabendlichen Inselbesprühungsrunden schwer vermummter Chemiker mit hochgiftigen Insektiziden, von Moskitos, sodass wir es auch hier nicht lange aushielten und uns bald in unseren Bungalow verzogen. Genauso hatten wir uns den Urlaub im Paradies vorgestellt – NICHT!

Auf unserer Terrasse

Auf unserer Terrasse

Den Abend ließen wir schließlich gemeinsam in einer netten deutschen Runde an der Bar bei einer mittelmäßigen Akrobatik-Vorführung ausklingen. Dabei handelte es sich um einen weniger großen Zufall als es auf den ersten Blick erscheint, da die Insel fast nur deutsche Gäste beherbergte (ca. 85%).

Eines von zahlreichen Chamäleons

Eines von zahlreichen Chamäleons auf der Insel

Tag 4 (Montag, 14.10.2013)

Es ist 8.30 Uhr, der Wecker reißt uns unsanft aus dem viel zu kurzen Schlaf. Jetzt heißt es schnell aufstehen, damit wir es noch rechtzeitig zum Frühstück schaffen. Wie Urlaub fühlt sich das allmorgendliche Ritual nicht an, vor allem wenn man dem Szenario noch die bedrohlich klingenden Regengeräusche hinzufügt. Mühsam klettere ich aus dem Bett und schiebe die Vorhänge zur Seite. Dabei bietet sich mir ein völlig unerwartetes Bild: Sonnenschein! Unser kleiner Strand leuchtet weiß, das Meer liegt ruhig und glasklar in helltürkiser Farbe vor uns, sogar bunte Fische lassen sich ausmachen. Ich kann unser Glück noch gar nicht fassen und habe unbewusst auch die nicht ins Bild passenden Regengeräusche ausgeblendet. Diese stammen von unserer altertümlich wirkenden Klimaanlage, die die Geräusche täuschend echt simuliert. Aufgrund des tollen Wetters können wir dem Gerät nicht länger böse sein und genießen nach einem ausgiebigen Frühstück die Sonne. Plötzlich reißt mich ein leises, unheilverkündendes Flüstern von meiner spannenden Lektüre weg. „Schau mal!“. Langsam hebe ich den Kopf und blicke direkt in zwei bedrohlich wirkende gelbe Augen, die mich unablässig fixieren. Ein gewaltiger Graureiher hat sich nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt niedergelassen und blickt mich unentwegt an. Schließlich beginnt er damit, um unsere Liegen herumzugehen. Mit einer schnellen Bewegung schnappt er sich von unserem Teller ein Stück Ananas, hüpft auf die Mauer, die den Steg begrenzt, den wir uns zum Sonnen ausgesucht haben, und lässt das Fruchtstück ins Meer fallen. Danach bleibt er reglos auf der Mauer sitzen und fixiert die Wasseroberfläche unter sich. Wurden wir gerade tatsächlich von einem Graureiher bestohlen, der UNSER Essen als Fischköder verwendet? Fassungslos blicken wir den Vogel an. Seine Fischanlockversuche scheinen jedoch nicht gefruchtet zu haben, denn nach einigen Minuten dreht er sich um und stolziert wieder auf unseren Teller zu. Doch dieses Mal bin ich vorbereitet, schnappe die Früchte und stelle sie ans andere Ende der Liege. Völlig unbeeindruckt beginnt er wieder damit, um die Liegen herumzulaufen und sich dem Teller zu nähern, bis ich diesen wieder an einen anderen Platz verfrachte. Dieses Spiel wiederholt er geduldig noch einige weitere Male, bis ich kapituliere, den Teller schnappe und zurück ins Haus bringe.

Manus ganz besonderer Freund

Manus ganz besonderer Freund

"Unser" Steg

„Unser“ Steg

Die Fahrt zu dem Schnorchelausflug auf Magaa-Island traten wir gemeinsam mit einem deutschen Pärchen, einer indischen Großfamilie, deren Frauen verschleiert waren, und einer Gruppe Chinesinnen, die mit Seidenkleidchen, Schmuck und Hüten ausstaffiert waren, an. Dieses groteske Bild steigerte sich noch als wir mitten im paradiesischen Indischen Ozean eine Müllinsel passierten. Vom puderzuckerweißen Sandstrand war hier kaum noch etwas zu erkennen, stattdessen war die Insel vollgestopft mit ausgedienten Schiffswracks, Müllsäcken und anderem Schrott. Auch das fünf Minuten entfernte Magaa-Island war nicht ganz so paradiesisch wie in unseren Vorstellungen. So handelte es sich dabei um eine halbfertige Resortinsel, auf der die Bauarbeiten noch in vollem Gange waren.

Magaa-Island

Magaa-Island

2014 sollte die Insel ein exklusiver Rückzugsort für die Superreichen werden, mit insgesamt nur sechs Villen, die alle über einen eigenen Pool und weiteren Luxus verfügen sollten. Davon war im Moment jedoch noch nicht viel zu sehen. Der Bootssteg wies einige gemeingefährlichen morschen sowie fehlenden Latten auf und am Strand mussten wir aufpassen, dass unsere Füße nicht von rostigen Nägeln aufgespießt wurden. Was später wohl einmal Rezeption und Empfangsbereich werden sollte, war nun das Grab eines riesigen Walhais, dessen Skelett dort munter vor sich hin verrottete. Auf dem Weg zum Schildkrötenaufzuchtsbecken (das aus einer verrosteten Badewanne mit zahlreichen Babyschildkröten bestand) haben wir außerdem Aysha kennengelernt. Aysha ist ein ausgewachsener, achtjähriger Pelikan mit einer geschätzten Flügelspannweite von drei Metern. Das kleinste Mitglied der indischen Großfamilie, ein etwa gleichaltriger Junge, war gleich hellauf begeistert und rannte auf den rosafarbenen Vogel zu, da er diesen unbedingt mit seiner bedingungslosen Liebe überschütten wollte. Aysha fand das gar nicht komisch und öffnete ihren gigantischen Schnabel, in dem der Junge bequem Platz fand, und verschlang letzteren dabei beinahe. Dank des beherzten Eingreifens eines Insel-Bauarbeiters konnte ein größeres Unglück glücklicherweise abgewendet werden und die beiden neuen Freunde konnten ohne nennenswerten Schäden auf beiden Seiten voneinander getrennt werden.

Ayshi mit ihrem Freund (im Hintergrund)

Aysha mit ihrem Freund (im Hintergrund)

Nachdem wir die Attraktionen der Insel nun kennengelernt hatten, konnte unser Schnorchelausflug endlich beginnen. Davon wollten aber weder die Inder noch die Chinesinnen etwas wissen. Letztere nahmen auf der Baustelle neben dem Walhaiskelett Platz und packten wahlweise iPad, Handy oder Spiegel aus, um sich mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen, während die Familie ihr Lager am Strand aufbaute. Blieben also nur noch wir vier Deutsche zurück. Wir machten uns mit einem der Bauarbeitern, der unser Guide sein sollte, auf zum anderen Ende der Insel, von wo unsere Tour starten sollte. Zunächst konnten wir unter uns nur einen riesigen Korallenfriedhof ausmachen, der sich jedoch mit jedem weiteren Schwimmzug hinaus aufs offene Meer in eine wundervolle und in allen Farben glitzernde Unterwasserwelt verwandelte. Neben allen möglichen Arten von Korallen, die sich manchmal nur wenige Zentimeter unter uns, andere Male jedoch an mehreren Metern steil abfallenden Riffen befanden, begegneten wir zahlreichen bunten Tropenfischen.

Etwa eineinhalb Stunden lang durften wir diese unglaubliche Welt bewundern, bevor wir wieder am Strand der Insel angelangten.  Die indische Familie hatte sich inzwischen einige Schritte in das kniehohe Wasser vorgewagt, die Chinesinnen schienen allerdings immer noch dieselbe Position einzunehmen, wie bei unserem Aufbruch. Eine Zeit lang mussten wir aufgrund eines erneuten heftigen Regenschauers noch auf der Baustelle ausharren, was bei einem Temperatursturz von gefühlten 10 Grad, scharfem Ostwind und vergessenem Handtuch nicht gerade angenehm war.

Beim Abendessen zeichnete sich  so etwas wie ein Waffenstillstand ab, der sich darin äußerte, dass unser Kellner sich fortan einfach gar nicht mehr an unserem Tisch blicken ließ. Den Abend ließen wir mit unseren neuen deutschen Freunden abermals bei ein paar Drinks an der Bar, dieses Mal begleitet von dem Schnulzensängerinnenduo, ausklingen. Insgesamt hätte es ein wirklich schöner Tag sein können, wenn ich nachts nicht von einem niederen menschlichen Bedürfnis geweckt worden wäre und unser Freiluftbadezimmer hätte aufsuchen müssen. Dort bot sich mir ein Bild des Grauens, das mich noch mehrere Nächte lang in meinen Albträumen verfolgen sollte. Auf dem Boden tummelten sich hunderte, tiefschwarze und riesengroße Ameisen geballt an einem einzigen Fleck, der erschreckenderweise der Form unseres Hausgeckos sehr ähnlich sah. Unsere schlimmsten Vermutungen bestätigen sich, als wir nächsten Morgen eben diesen, nach Abzug der Truppe, an besagter Stelle vorfanden.  Allerdings inzwischen ohne Haut.

Tag 5 (Dienstag, 15.10.2013)

Trotz des wenig appetitlichen Erlebnisses der letzten Nacht stehe ich beim morgendlichen Weckerklingeln voller Elan auf und freue mich auf einen faulen Tag am Strand, wo ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen will. Leider stammen die Regengeräusche am heutigen Morgen jedoch nicht von der Klimaanlage, sondern sind echt. Neben dem starken Regen fegt zudem ein sturmartiger Wind über die Insel, der jeden Gedanken an einen Strandtag sofort ausradiert. Frustriert schlüpfe ich in meine Hippi-Hose, ziehe mir die Kapuze meines Pullovers über den Kopf und begebe mich mit Mann und Regenschirm zum Frühstück. Doch auch danach ist wettertechnisch noch keine Besserung in Sicht, zudem rebelliert nun auch noch mein Magen. Ob vom Essen oder dem Gedanken an das grausame Schicksal unseres armen Geckos lässt sich nicht genau sagen, ist aber letztendlich irrelevant, da aufgrund eines Missgeschicks auch keine Besserung in Sicht ist (mein lebensrettendes Iberogast ist am Vorabend vom Tisch gesegelt). Notgedrungen verschieben wir also unser für den Abend geplantes Seafood-Dinner auf den übernächsten Tag. Als der Regen etwas nachlässt, beschließen wir unseren Frust auf dem Tennisplatz abzureagieren. Dort liefern wir uns ein spannendes Match und merken nicht einmal, dass die Sonne sich auf einmal wieder blicken lässt. Erst als wir beide klatschnass (und zwar nicht vom Regen) und völlig außer Atem sind, bemerken wir den plötzlichen Wetterumschwung und wollen nach einer kurzen Dusche endlich an den Strand zu gehen. Gerade als wir unsere Handtücher auf den Liegen ausbreiten, öffnen sich die Himmelstore jedoch erneut und herunter kommt ein Platzregen, der sich gewaschen hat. Es ist einfach wie verhext!

Tennismatch im Regen

Tennismatch im Regen

Wenigstens für meine bessere Hälfte wird der Tag dann doch noch ein echtes Erlebnis. Er hat für den Nachmittag nämlich einen Tauchgang direkt an unserem Hausriff gebucht. Mich konnte er zu dem Abenteuer leider nicht überreden, da ich diesbezüglich ein echter Angsthase bin. Denn was soll ich machen, wenn mir in zehn Metern Tiefe plötzlich der Schnorchel aus dem Mund fällt? Oder ich zu schnell auftauche und meine Lunge aufgrund dessen platzt? Mein mutiger Ehemann hat sich von diesen wirklich ernst zu nehmenden Risiken jedoch nicht einschüchtern lassen und wurde dafür dann auch ordentlich belohnt. Aber der Reihe nach! Zunächst musste er sich einen öden, einstündigen Film reinziehen der ihn auf seinen ersten Tauchgang vorbereiten sollte. Da ich nichts besseres zu tun hatte (Regen), habe ich mich zumindest diesem Teil angeschlossen, auch wenn es sich dabei fast nur um technisches und langweiliges Blabla handelte. Gerade als der Film es schaffte, mich aus meinem Dämmerschlaf zu reißen (es sollte die Erklärung folgen, wie man mit einer beschlagenen Brille unter Wasser am besten wieder klare Sicht erhält), hing die DVD, sodass das Rätsel leider ungelöst blieb. Nach einer weiteren sterbenslangweiligen halben Stunde durfte er sich dann in einen alten, hautengen und abgetragen Taucheranzug zwängen und seine Reise zum Riff beginnen, von der er am besten selbst berichten soll:

„Ok, kurz und bündig, Schreiben ist nicht meine Stärke. Nach einem einstündigen Lehrfilm (an der einzigen, interessanten Stelle hatte die DVD einen Kratzer und übersprang das Kapitel) und 15 Minuten „Trocken“übungen im hüfthohen Wasser ging es direkt los. Zunächst ließen wir uns an einem Seil zwölf Meter in die Tiefe hinab, dank Bleigürtel und Hüftgold eine einfache Aufgabe. Wichtig dabei: Alle paar Fuß kurz innehalten und Druckausgleich machen. Ging erstaunlich gut. Als ich dann endlich meine Aufmerksamkeit weg vom Druckausgleich, Weste entlüften, Brille fluten und Handzeichen geben auf das Wesentliche, nämlich die wunderschöne Unterwasserwelt richtete, blieb mit die Spucke weg. In zwölf Metern Tiefe ist das Wasser unglaublich klar, der Körper schwerelos. Dazu kommt, dass das Hausriff von Ellaidhoo wohl eines der schönsten der Welt ist. Wir tauchten mit der leichten Strömung mühelos in ca. einer Meter Entfernung am Riff entlang. Dieses ist überdeckt mit Korallen aller Farben, Unterwasserpflanzen, kleinen Nischen und Höhlen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Und egal, in welche Richtung ich schaute, vorne – oben – unten – links – hinten – überall wimmelte es von Fischen. Aber nicht die langweiligen, winzigen fast durchsichtigen. Alle Farben, Formen, Größen waren vorhanden. Die Farbvielfalt habe ich so an Land noch nicht gesehen! Der Tauchgang dauerte insgesamt 45 Minuten und war jeden der 95 USD wert. Selbst die vier ein Meter langen Muränen fand ich faszinierend und wider Erwarten alles andere als bedrohlich. Leider (oder zum Glück?) haben wir das Maskottchen, den drei Meter Riffhai, nicht angetroffen. Beim nächsten Mal dann..“

Tag 6 (Mittwoch, 16.10.2013)

Trotz des irrsinnig frühen Weckerklingelns um 7 Uhr standen wir an diesem Morgen beide gut gelaunt auf, da wir etwas ganz besonderes geplant hatten. Nachdem Ellhaidoo Island nicht so ganz dem Bild eines Inselparadieses auf den Malediven entsprach, hatten wir uns einen einmaligen Luxus gegönnt. Am Vortag hatten wir uns zu einem kostspieligen Ausflug zur Adam & Eve Insel angemeldet, die wir in Robinson-Manier einen kompletten Tag ganz für uns allein haben sollten. Das Beste war aber die Aussicht auf einen makellos weißen Traumstrand, ganz ohne Mauer. Voller Vorfreude packten wir also das Nötigste ein und begaben uns auf den Weg zur Rezeption. Dort hieß es dann erst einmal wieder warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ sich dann endlich Lynn, die einzige Angestellte, mit der eine Konversation auf Englisch einigermaßen möglich war, bei uns blicken. Leider hatte sie aber keine guten Nachrichten für uns. Aufgrund des starken Windes und dem daraus resultierenden hohen Wellengang sei es leider unmöglich, vor der Insel anzulegen. Der Ausflug musste daher verschoben werden. Als sich wenige Minuten danach zudem die Himmelsschleusen erneut öffneten und uns den restlichen Tag mit starkem Regen bedachten, kam bei uns die Frage auf, warum genau wir jetzt eigentlich auf den Malediven waren. In Dubai könnten wir jetzt immerhin bei einer Regenwahrscheinlichkeit, die gegen Null strebt, Strand, Sonne und Meer genießen – und das ganz ohne störende Mauer oder Unsummen von Geld auszugeben. Abermals blieb uns also nichts anderes übrig, als in unserer dunklen Villa dem Ende des Tages entgegenzusehnen und uns mit Lesen und einem kurzen Tennismatch in einer noch kürzeren Regenpause die Zeit zu vertreiben.

Pool und Bungalows

Pool und Bungalows

Tag 7 (Donnerstag, 17.10.2013)

Wenigstens waren wir an diesem Morgen schon vorgewarnt. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten am vorherigen Abend hatten wir in Erfahrung gebracht, dass unser Inselabenteuer auch am heutigen Tag nicht möglich sei. Dafür zeigte sich das Wetter von einer besseren Seite. Zwar windete es immer noch sehr stark, aber Regen gab es an unserem vorletzten Tag kaum, auch wenn bedrohlich aussehende Wolken den Himmel immer mal wieder verdunkelten. So konnten wir endlich mal das tun, weshalb wir unsere Reise auf die Malediven eigentlich angetreten hatten: Sonnen, Baden, Lesen, Schnorcheln und einfach das süße Nichtstun genießen. Zudem waren wir schon voller Vorfreude auf unser versprochenes Gratis-Seafood-Dinner am Abend. Für dieses durften wir endlich mal raus aus dem düsteren Massenabfertigungsrestaurant, in dem wir sonst unsere Mahlzeiten einnehmen mussten (es gab zwar noch ein zweites Restaurant, zu diesem wurde uns jedoch der Zutritt verweigert, da es exklusiv für die Gäste der Wasservillen reserviert war).

Direkt am Meer hatte das Servicepersonal einen kleinen Tisch für uns aufgebaut, auf dem sogar eine Kerze angezündet wurde. Zudem wurde uns der Stuhl zurechtgerückt und die Serviette auf unserem Schoß ausgebreitet – theoretisch wissen die Kellner im Resort also doch, wie es läuft. Leider wird dieses Wissen anscheinend nur außerhalb des Restaurants in die Praxis umgesetzt.

Unsere gratis Flasche Wein kam dieses Mal wider Erwarten nicht aus einem 5-Liter-Tetrapack, stand letzterem geschmacklich gesehen aber in keinster Weise nach. Zum Glück hatten wir vorsorglich eineinhalb Liter Wasser zum Runterspülen bestellt. Als Vorspeise servierte man uns ca. 4 kg kalten Lachs mit ein paar Salatblättern, im Anschluss gab es eine einigermaßen genießbare Kürbissuppe. Dann folgte unser Seafood-Teller, der seinem Namen alle Ehre machte: zwei Fischfilets, mehrere Riesengarnelen, ein gigantisches Tintenfischstück und eine köstliche Krabbe nebst diversen Beilagen – wohlgemerkt pro Person. Das dazugehörige Brot war leider schon nach wenigen Minuten von den bereits bekannten Killerameisen entdeckt worden, aber auch ohne dieses gab es mehr als genug zu Essen.

Nach einem kurzen Plausch mit unserem Kellner (dieser sollte am nächsten Morgen abreisen und wollte auf diese Weise noch sicherstellen, dass er von uns auch sein wohlverdientes Trinkgeld erhält), machten wir uns auf zu der bereits groß angekündigten Beach Party. Versprochen worden war uns eine einzigartige Live-Band, die gute Stimmung am Strand verbreiten sollte, der zu diesem Anlass nicht nur mit einer Bar ausstaffiert worden war, sondern mittels Beleuchtung auch toll in Szene gesetzt wurde. Als wir ankamen machte die Band gerade Pause, also orderte ich ein weiteres Glas Wein (dieses Mal aus einem silberfarbenen Plastiksack) während mein Mann sich ein „unlimited Cocktailpaket“ für 18 USD aufschwatzen ließ (selbstverständlich wurden für diese nur die billigen Spirituosen verwendet). Anschließend setzten wir uns zu einem netten Engländer-Pärchen dazu und der Abend hätte eigentlich noch ganz amüsant werden können, wenn die im Hintergrund laufende CD weiter für Unterhaltung gesorgt hätte und die Band nicht aufgetreten wäre. Bei dieser handelte es sich nämlich um das bereits bekannte Schnulzensängerinnenduo, das es auch ab diesem Abend wieder schaffte, die Stimmung weit unter den Gefrierpunkt zu senken (trotz angenehmer Temperaturen um die 25 Grad) und sich dadurch nicht ein einziger Gast auf die Tanzfläche verirrte. Gegen Mitternacht hatte das klägliche Schauspiel dann endlich ein Ende und wir begaben uns mit unseren neuen Freunden auf den Weg zur anderen Bar. Da diese allerdings auch schon geschlossen hatte, wurden wir vom Hotelpersonal spontan eingeladen, an deren Party teilzunehmen. Hier gab es dann auch den Marken-Alkohol. Bei Sri Lankanesischem Gesang ließen wir den Abend ausklingen (wir vermuten, dass der Inhalt hauptsächlich  aus frivolen Anspielungen bestand, die die einzigen zwei Frauen der Runde – mich und die Engländerin – betrafen).

Tag 8 (Freitag, 18.10.2013)

Heute sollte sie endlich stattfinden, unsere bereits zweimal verschobene Robinsonade auf der einsamen Trauminsel im Indischen Ozean. Nach dem Frühstück (mit einem neuen Kellner) bestiegen wir gemeinsam mit einer dreiköpfigen Crew unser Privatboot, das uns direkt ins Paradies schippern sollte.

Das Schaukelboot (Dhowi)

Das Schaukelboot (Dhowi)

Unglücklicherweise verbrachten wir zwei Stunden statt der angekündigten 50 Minuten auf dem unbequemen Schaukelboot. Entschädigt für die lange Reise wurden wir jedoch beim Anblick des kleinen Eilandes. Insgesamt drei Palmen zählten wir, hinzu kamen eine kleine Hütte, ein wundervoller Sandstrand sowie türkisblaues Wasser.

Adam and Eve Island von der Ferne aus gesehen

Adam and Eve Island von der Ferne aus gesehen

Als ich dieses einmalige Bild mit meiner Kamera einfangen wollte, musste ich leider feststellen, dass mein Akku so gut wie leer war – natürlich ausgerechnet heute. Man hätte dies vielleicht bereits als schlechtes Omen für die nachfolgende Odyssee deuten und den Trip abbrechen sollen…

Bereits beim Näherkommen an die Insel zeichnete sich eine gewisse Verwahrlosung ab, als wir uns endlich am Strand der Insel befanden, stellten wir schnell fest (leider nicht schnell genug – unser Boot war schon weg), dass wir „Lost“ waren – mitten in der Hölle. Leere Flaschen, Getränkedosen, kaputte Plastikmöbel, Papier und allerlei weiterer Unrat fanden sich überall verteilt. Es handelte sich eindeutig um eine Müllinsel sondersgleichen, die sogar jene vor Magaa-Island (siehe Montag, 14.10.) in den Schatten stellte. Die vermeintlich charmante Hütte bestand aus einem aufgestellten Baugerüst, dem ein Wellblechdach hinzugefügt worden war. Die Wand des offenen Toilettenhäuschens war mit dem Schriftzug „Therapy Sessions“ verschmiert worden, wie es darin im Detail aussah, mochten wir uns lieber nicht anschauen, da uns bereits vor unserer Abreise von der Rezeptionistin Lynn dringend davon abgeraten worden war. Dennoch kam man nicht umhin, ständig auf die Kloschüssel zu starren, da diese unverdeckbar genau im Blickwinkel des einzigen Schattenplatzes der Insel (der Wellblechhütte) stand. Zunächst versuchten wir noch, das Beste aus unserer Situation zu machen. Ich schnappte mir einen großen Palmwedel und versuchte damit, ein kleines Quadrat im Schatten vom Unrat freizufegen, damit wir hier unsere Handtücher ausbreiten konnten. Im Anschluss checkten wir unsere Picknick-Box, wobei wir allerdings feststellen mussten, dass wir von der Bootscrew um unsere Sandwiches bestohlen worden waren. Frustriert griffen wir nach einer Flasche Wasser und setzten uns auf unsere Handtücher. Um 15.30 Uhr sollten wir wieder abgeholt werden – das waren noch beinahe sechs Stunden! Nach einigen weiteren Minuten voller Stille (lediglich die zahlreichen Plastikfolien raschelten im Wind und übertönten das Rauschen des Meeres) griff Manuel beherzt zu dem Handy, das uns für Notfälle mitgegeben worden war. Eine halbe Stunde später saßen wir wieder in dem Schaukelboot und schipperten zurück nach Ellaidhoo Island. So hatten wir uns unseren letzten Tag im „Paradies“ gewiss nicht vorgestellt. Zurück im Resort teilte uns der Chef persönlich mit, dass er eine tolle Nachricht für uns habe – wir müssten die 250 USD für den Ausflug nicht bezahlen, sondern hätten diesen gratis erhalten. Perplex schauten wir ihn an. Hatte er wirklich erwartet, dass eine Bezahlung für die Fahrt zur Müllinsel überhaupt noch zur Diskussion stand?

Adam and Eve Island im Detail - das Klohaus

Adam and Eve Island im Detail – das Klohaus

Adam and Eve Island um Detail - der Unterstand

Adam and Eve Island im Detail – der Unterstand

Müll auf Adam and Eve Island

Müll auf Adam and Eve Island

Den restlichen Tag verbrachten wir dann auf den Liegen am Strand vor unserem Bungalow. Wenigstens das Wetter ließ uns heute nicht im Stich. Unser Fazit nach einer Woche Malediven: Von Exotik haben wir erst mal die Nase voll und wir freuen uns schon auf unseren nächsten Urlaub in good old Europe!

Bringt es auf den Punkt

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