Japan – Tokio

Ein langes Wüstenwochenende, anhaltende Temperaturen von über 40 °C sowie ein volles Meilenkonto sind Grund genug, mal wieder auf Reisen zu gehen. Was wir bei der Buchung unseres Fluges allerdings nicht bedenken: Unser Aufenthalt in Japan fällt genau in die „Silver Week“. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein eindrucksvolles Naturphänomen, sondern um den nur alle paar Jahre wiederkehrenden Feiertagsmarathon im Land der aufgehenden Sonne. Hotels sind während dieser Zeit nicht nur unerschwinglich, sondern auch komplett ausgebucht, was wir bereits in der Millionenstadt Tokio zu spüren bekommen….

Da alle Hotelzimmer in Kyoto und Hiroshima komplett ausgebucht sind, starten wir unsere Japan-Reise in Tokio (auch hier müssen wir in drei Tagen drei Mal das Hotel wechseln, da die Stadt zum Bersten voll ist – sieht man mal von einem Kapselhotel ab, in dem aber nur Männer übernachten dürfen…). Im Stadtteil Ginza haben wir uns für die erste Nacht im Sotetsu Fresa einquartieren können (natürlich zum doppelten Preis als üblich) und starten auch direkt nach dem Check-in unsere Erkundungstour. Schließlich brauchen wir nach 12 Stunden Flug dringend Bewegung! Leider ist das Restaurant, das wir besuchen wollen unauffindbar und auch ein hilfsbereiter, älterer japanischer Herr (der völlig betrunken ist) kann uns bei unserer Suche komischerweise nicht helfen. Da in Japan die Gehsteige schon sehr früh hochgeklappt werden (in den meisten Lokalen wird ab 21 Uhr kein Essen mehr serviert), gehen wir einfach zur nächstbesten Tür hinein, aus der uns Essensduft entgegenströmt. Nach einem Blick auf die Karte sind wir sehr erfreut über die günstigen Preise. Allerdings nur so lange, bis das Essen dann kommt. Statt den erwarteten Hauptgerichten gibt es nur winzige Tapas-ähnliche Portionen, die zugegebenermaßen köstlich schmecken, aber einen anschließenden Besuch im Supermarkt zur weiteren Nahrungsaufnahme unumgänglich machen und uns in der Vermutung bestärken, dass uns der Urlaub finanziell ruinieren wird.

Akihabara Electronic Town

Am nächsten Morgen wollen wir endlich das „richtige“ Tokio erkunden und fahren – nach einem kurzen Hotelwechsel – mit der Metro nach Akihabara. Dabei handelt es sich um ein schrilles, buntes Stadtviertel mit gigantischen Werbereklametafeln, Japanerinnen in Schulmädchenuniform, die von ihren als Mangafiguren verkleideten Freunden begleitet werden und gigantischen Spielhöllen. In genau eine solche quetschen wir uns hinein und fahren dutzende Rolltreppen nach oben, vorbei an Kostümabteilungen, abertausenden Mangabüchern, eingeschweißten Plastikfiguren zu exorbitanten Preisen, diversen Regalen mit Super Nintendo Spielen, Kabelgeschäften, Spielkarten, Fotoautomaten mit hunderten japanischen Mädchen davor und mit Plastikschrott gefüllten Greifarmautomaten bis wir schließlich im Stockwerk mit den Spielsüchtigen angekommen sind. Eine Unterhaltung ist aufgrund des Geräuschpegels und der konstanten Reizüberflutung nicht mehr möglich. Das macht aber nichts, denn man ist ganz mit dem Beobachten der Einheimischen beschäftigt, die trommeln, singen, Autorennen fahren, auf Pferde setzen, boxen, schießen, Tennis spielen …. die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. Mindestens. Nachdem wir auf dem Weg nach unten noch ein Erinnerungsfoto an einem der Fotoautomaten gemacht haben (der Teint wird hier automatisch zum Leuchten gebracht, die Wimpern verlängert und der Mund mit Lippenstift bemalt, was vor allem meinen Mann besonders gut aussehen lässt 😉 ) schleicht sich bei uns auch wieder der Hunger ein und wir verfahren wie am Abend zuvor und begeben uns einfach in das nächstbeste Restaurant. In diesem werden wir jedoch von Volksmusik aus den Lautsprechern, japanischen Bedienungen in Dirndln und Lederhosn sowie Schweinshaxn und Sauerkraut auf der Karte empfangen – nichts wie raus hier!! Schließlich werden wir dann doch noch fündig und können ganz auf die japanische Art – ohne Schuhe und auf Tatamimatten – die lokalen Köstlichkeiten genießen.

Tipp: Wer sich in den Häuserschluchten von Akihabara zurechtfinden möchte, braucht eine gute Karte. Eine solche gibt es im Informationszentrum neben der JR Station kostenlos. Auch, was es in den verschiedenen Wolkenkratzern zu sehen und kaufen gibt, ist darauf eingezeichnet. Ausgezeichnet!

Senso-ji

Unser nächster Programmpunkt ist ganz der japanischen Kultur gewidmet. Senso-ji ist einer der schönsten Tempel der Stadt und kann kostenlos besucht werden und die beliebten Glückspapierchen gibt es hier auch in englischer Sprache. Zunächst zieht man ein Holzstäbchen aus einer Metallbox (das später auch wieder in diese zurück muss) und sucht dann in dem dahinter befindlichen Holzschrank die entsprechende Schublade heraus, aus der man sich ein Papier nimmt. Das hört sich aber leichter an als es ist, denn die Zahlen auf den Holzstäbchen sind auch hier ausschließlich auf japanisch verzeichnet. Wer sich stundenlanges Suchen sparen möchte, sollte daher einfach einen einheimischen Besucher nach Übersetzungshilfe fragen.

Sky Tree

Im Anschluss geht es für uns hoch hinaus, zu Tokios Sky Tree. Als Tourist hat man hier die Möglichkeit, zu einem Aufpreis von 6 Euro die Schlange zu umgehen. Angesichts der enormen Menschenmassen, die an dem Feiertag den Blick über die Stadt genießen wollten, eine gute Idee. Statt 2 Stunden müssen wir also nur 5 Minuten anstehen und der Blick von der Aussichtsplattform lohnt sich wirklich!

Tipp: Wenn die Aussichtsplattform sehr voll ist, sollte man am besten direkt mit der Rolltreppe ein Stockwerk runter fahren. Der Blick ist von hier genauso gut, aber es drängen sich viel weniger Leute an die Fenster.

Shibuya Crossing

Schließlich lassen wir den Abend an Tokios wohl bekanntestem Ort ausklingen. Die Fußgängerampeln an der riesigen Kreuzung im Stadtteil Shibuya werden alle gleichzeitig grün, sodass hunderte Menschen auf einmal die Straße überqueren – ein Erlebnis der etwas anderen Art. Nach einem Abstecher in eine Bar, in der wir einem japanischen Pärchen dabei zuschauen, wie es seine Pizza mit Stäbchen isst, machen wir uns auf die Suche nach einem Sushi-Restaurant. Auch dieses Mal verlassen wir uns auf unser Glück und nicht auf irgendwelche Reiseführer und werden in dem von außen etwas schäbig anmutenden Lokal, das in etwa die Größe unseres Badezimmers hat, mit dem besten Sushi der Welt belohnt. Zudem sind unsere Nebensitzer in der Sushi-Bar ganz begeistert von uns (als einzige Ausländer fallen wir natürlich etwas auf) und verwickeln uns auch sogleich in ein Gespräch. Englisch sprechen die beiden nicht, sie verstehen aber grundlegende Begriffe wie „eat“, „drink“ oder „fish“, sodass eine kuriose Unterhaltung zustande kommt, bei der wir von einem japanischen Wortschwall überrollt werden, auf den wir in einfachen, englischen Sätzen antworten. Besonders gut funktioniert das allerdings nicht, sodass wir bald auf Zeichensprache umsteigen und es so tatsächlich schaffen, über unsere Lieblingssushis zu philosophieren. Nachdem wir auf diesem Gebiet nicht ganz so gut bewandert sind wie unsere neuen Freunde, wird prompt für uns bestellt. In der ersten Runde kosten wir, den Handzeichen nach zu urteilen, Krabbenhirn. Das schmeckt übrigens so gut, wie es klingt und dem Grinsen der beiden nach zu urteilen, haben sie sich hier einen kleinen Scherz mit uns erlaubt. In der zweiten Runde dürfen wir dann aber das echte Lieblingssushi der beiden kosten, das diesen Titel auch mehr als verdient hat. Sie können uns nachher nicht so genau erklären, was wir da gegessen haben, aber es hört sich verdächtig nach „Fugu“ an….

Tipp: Sushi wird in Japan nicht in Sojasoße ertränkt. Vielmehr tunkt man den Ingwer in die Soße ein und träufelt sie damit über das Sushi.

Ameya-Yokocho in Ueno

Am nächsten Morgen geht es lebendig und gut erholt zunächst in das Viertel Kagurazaka, wo wir uns auf die Spuren der Geishas begeben. Leider ist von diesen nicht mehr viel zu sehen, doch die kleinen idyllischen Gässchen entschädigen dafür. Anschließend geht es weiter nach Ueno, wo Rikscha-Läufer durch die wuseligen Gassen flitzen, in denen es vor Menschen, Marktständen mit Jeanshosen und Garküchen nur so wimmelt. Wir genießen das Getümmel eine Weile und seilen uns dann in das Kaufhaus Uniqlo ab. Dabei handelt es sich um das japanische Pendant zu H&M, in dem vieles nicht nur günstiger, sondern auch in besserer Qualität angeboten wird. Kein Wunder also, dass wir eine Weile brauchen, bis wir uns durch die neun! Stockwerke gearbeitet haben.

Tipp: Was im Uniqlo in Uneo im vorletzten Stockwerk gekauft wird, muss auch dort bezahlt werden. Wer also alles mit ins Erdgeschoss nimmt, darf anschließend wieder den ganzen Weg zurück. Die restlichen Kleidungsstücke sollte man aber unbedingt ins Erdgeschoss schleppen, da es hier eine eigene Tax-free-Kasse gibt, an der die Mehrwertsteuer direkt abgezogen wird.

Tokyo Tower & Shinjuku

Abends verschlägt es uns dann zum Tokio Tower, dessen französisches Vorbild sich leicht erraten lässt, auch wenn die japanische Variante etwas kitschiger daherkommt. Da allein der Parkplatz vor dem Tower 600 Yen kostet, verzichten wir darauf, den Tower von innen zu besichtigen und ziehen stattdessen weiter in das Partyviertel Shinjuku. Hier ist etwas weniger los als in Shibuya, „überschaubar“ kann man die Menschenmassen dennoch nicht nennen. Zahlreiche kleine Garküchen sowie Marktstände verleihen dem Viertel ein tolles Flair, sodass wir gleich bei einer der Nudelküchen Halt machen. Lecker! Ansonsten gibt es in Shibuya vor allem Clubs, Bars, Stripteaseläden und Massagesalons. Wobei letztere, ähnlich wie in Dubai, vermutlich in Anführungszeichen gesetzt werden müssten. Wir hingegen setzen uns in einen geschwindigkeitsberauschenden Shinkansen. Nächster Halt: Kyoto!

Shinkansen