Zypern – Süden und Westen

Nur 3,5 Stunden Flug von Dubai entfernt, dafür bis zu 20 Grad kühler (was bei Spitzenwerten von 50°C eine echte Wohltat ist) sowie kostenloser Wein an jeder Ecke, ohne dass dafür die Alkohollizenz gezückt werden muss. Das ist Zypern, unser neuer Geheimtipp für Kurztrips raus aus der Wüste.

Nach dem kostenlosen Champagner im Flieger (den gibt es bei Qatar Airways nämlich bereits in der Economy Class) holt uns das Pfand, das wir für die Tankfüllung unseres Mietwagen hinterlegen müssen (selbstverständlich wird darüber hinaus auch eine „normale“ Kaution für das Auto bezahlt), wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Absicherung scheint für das kleine Land, das inzwischen alle Verbindungen zum griechischen Bankensystem gekappt hat, in der heutigen Zeit wohl an allererster Stelle zu stehen.

Nun gut, für uns geht es mit dem neu erworbenen Mietwagen weiter zur Hafenpromenade von Larnaca, wo wir eigentlich zu einer Stadttour mit dem Fahrrad aufbrechen wollten. Da das einzige Fahrrad des Verleihs jedoch von einem Inder in Beschlag genommen wurde, mussten wir von unserem Vorhaben absehen und haben stattdessen die 15 ° kühleren Temperaturen bei Sonnenschein, Espresso und KEO-Bier mit Blick auf das blaue Meer genossen – ganz ohne Klimaanlage! Im Anschluss ging es über ein paar Bergdörfer, die aufgrund der alltäglichen Siesta komplett ausgestorben waren (evtl.  mit ein Grund für das dringend benötigte Pfand?), Richtung Limassol oder auch Lemesos zu unserem Hotel.

Nachdem wir vom Hotel positiv überrascht wurden (statt unnützen Sternen gab es guten Service, eine schöne Poolanlage sowie modernes Design) machten wir uns auf den Weg nach Kourion. Leider haben wir im Jahr zuvor bereits Jerash in Jordanien besucht, sodass uns die Überreste der alten römischen und byzantischen Siedlungen nicht so vom Hocker gerissen haben, wie sie es eigentlich verdient hätten. Dies hat dafür M’s erste Begegnung mit einer richtigen, riesigen, schwarz-schleimigen Schlange geschafft, die ich als rechtschaffene Ehefrau glücklicherweise rechtzeitig ins Visier genommen und ihn dadurch vor dem sicheren Tod bewahrt habe. Auf Bilder verzichte ich aus den allgemein bekannten Gründen 😉

Abends ging es dann in ein nettes Restaurant am Hafen von Limassol, wo wir es uns bei zyprischer Mezze (die zum Glück so gar nichts mit ihrem arabischen Namensvetter gemein hat) und dem schlechtesten Rotwein der Welt gut gehen ließen.

Am nächsten Morgen hieß das Tagesziel Troödos Gebirge. Dort angekommen, war es für Dubaianische Verhältnisse doch empfindlich kalt und erste Regentropfen (seit knapp einem Jahr) haben sich auf unsere sonnenverwöhnte Haut verirrt. Aus diesem Grund haben wir uns statt für die lange Wanderung für einen kurzen Spaziergang (laut Ms Definition immer noch eine Wanderung, da wir einen Rucksack dabei hatten) zu einem Wasserfall entschlossen – zum Glück. Denn was mit einem 1 Kilometer langen Weg angepriesen wurde, war locker fünf Mal so weit und beinhaltete abenteuerliche Kletterpartien, die auch den zahlreichen Familien mit Kindern, die auf den „Spaziergang“ hereingefallen waren, ordentlich zu schaffen machte. Nach so vielen Strapazen war es für uns keine Frage, anschließend den Schildern der „Wine Route 6“ zu folgen, um uns mit kostenlosen Weinproben für das Erlebte zu belohnen. Die im Lonely Planet angepriesenen Weingüter waren leider allesamt unauffindbar (könnte an den Straßenschildern gelegen haben, die ausschließlich aus griechischen Buchstaben bestanden). Durch Zufall haben wir in einem Dorf dann aber ein Restaurant gefunden, das sogar geöffnet hatte (wie bereits erwähnt, ist diese Kombination zwischen 12.30 und 17.30 Uhr normalerweise eher unwahrscheinlich). Die Verständigung mit Händen und Füßen hat ganz gut geklappt und so durften wir hier das beste Essen unseres gesamten Urlaubs genießen. Doch der Wein, der zum Essen gereicht wurde, hatte es in sich. Selbst das eine Gläschen, stieg schon gewaltig zu Kopf und führte zu so großen Ermüdungserscheinungen, dass wir auf dem Rückweg einen Stopp am Straßenrand für einen kurzen Power Nap einlegen mussten. Nach einem weiteren Stop in einem Coffee Shop (vermutlich der einzige in den ganzen Bergen und glücklicherweise nur 50 Meter von unserem gewählten Schlafplatz entfernt lag) ging es dann frisch gestärkt wieder Richtung Limassol. Dank riesiger Weinfässer am Straßenrand, die als Wegweiser dienen, haben wir es auf der Strecke zudem noch zu unserer kostenlosen Weinprobe geschafft. Leider waren alle gekosteten Weine, bis auf eine Sorte, völlig ungenießbar, sodass es nur zwei Fläschchen des Zypern-Weins zu uns nach Dubai geschafft haben.

Da wir trotz zwei Tage auf Zypern noch so gut wie nichts von Limassol gesehen hatten, ging es am nächsten Morgen erst Mal in die Altstadt (natürlich nicht, ohne uns zuvor tausend Mal zu verfahren und uns zu fragen, ob es nun rechts vor links oder links vor rechts heißen muss). Endlich am Ziel angekommen, waren wir froh, dass wir so lange gebraucht haben. Denn auch morgens um halb 10 glich Limassol noch einer Geisterstadt und fast alle Geschäfte waren geschlossen (berechtigte Frage an dieser Stelle: Wann arbeiten die dann eigentlich, die Zyprioten?). Wir haben es dennoch geschafft, Espresso und Prosecco zu organisieren und uns darüber gefreut, beides endlich mal wieder im Freien genießen zu können. Nach einem kurzen Test des Hotelpools ging es mittags dann Richtung Pafos, vorbei an Aphrodites Geburtsstrand (zumindest wird das auf Zypern so behauptet – in Griechenland aber auch). In Pafos angekommen, war M schon wieder hungrig, weshalb Aussicht nach einem Restaurant gehalten wurde. Die Lage am Kreisverkehr der schlimmsten Touristenstraße der größten Touristenstadt auf Zypern sowie die schlechten Fotografien der Gerichte am Eingang des Restaurants hätten eigentlich Hinweis genug sein müssen. Doch M war wirklich sehr hungrig. Eigentlich werden Lokalitäten und Hotels in diesem Blog nicht erwähnt, doch bei „Romeos Tavern“ muss ich eine Ausnahme machen und eine Warnung aussprechen: Dies war mit Abstand das schlechteste Essen, das wir beide jemals vorgesetzt bekommen haben. Statt Weißwein wurde Rotwein serviert, der griechische Salat war mit Kohl statt Oliven versehen, die Prawns waren Shrimps aus der Dose mit einer widerlichen Soße aus dem Glas und der teure Haloumi bestand aus ganzen 2,5 dünnen, verbrannten Scheiben. Das einzige, was genießbar war, war das kostenlose Brot. Immer noch hungrig und mit dem Vorsatz, nie wieder an einem Kreisverkehr zu essen, haben wir uns im Anschluss zur Erkundung der archäologischen Funde in Pafos begeben. Ähnlich wie zuvor in Kourion sind diese im Vergleich zu Jerash aber doch eher enttäuschend.
Am Abend haben wir in Limassol schließlich noch eine nette Taverne gefunden, wo wir für das grausame Mittagessen entschädigt wurden. Zudem war an diesem Tag halb Deutschland vor Ort, da die Aida ihren Anker im Hafen ausgeworfen hatte. Das fanden wir aber gar nicht so schlecht, war dadurch doch wenigstens an einem Abend nicht russisch die alles dominierende Sprache der Stadt…

Anmerkung: Die Seitenhiebe auf die wirtschaftliche Lage von Griechenland und Zypern in diesem Beitrag sind selbstverständlich ironisch gemeint und nur deshalb erfolgt, weil wir uns vor Ort auch dem ein oder anderen Kommentar stellen mussten, als wir unsere Nationalität verraten haben…

Ein Gedanke zu “Zypern – Süden und Westen

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